Aids-Erreger HIV-Subtyp lässt Demenzrisiko drastisch steigen

Eine HIV-Infektion schwächt nicht nur das Immunsystem des Menschen, sondern kann offenbar auch bislang ungeahnte Folgen haben. Forscher haben jetzt bei Untersuchungen in Afrika festgestellt, dass die Infektion mit einem bestimmten HIV-Subtyp das Risiko einer Demenz stark erhöht.

HIV-Infizierte in einem Krankenhaus der ugandischen Hauptstadt Kampala: Demenz-Risiko hängt von Virus-Subtyp ab
REUTERS

HIV-Infizierte in einem Krankenhaus der ugandischen Hauptstadt Kampala: Demenz-Risiko hängt von Virus-Subtyp ab


Baltimore - Das HI-Virus tritt in verschiedenen Formen auf - und der Viren-Subtyp hat offenbar auch Einfluss auf weitere Erkrankungen von Aids-Patienten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler um Ned Sacktor von der Johns Hopkins University in Baltimore nach einer Studie in Uganda. Patienten mit einem bestimmten Subtyp des HI-Virus entwickelten häufiger eine Demenz als andere HIV-Patienten, schreiben die Forscher im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases".

Die Subtypen des Aids-Erregers mit den Bezeichnungen von A bis K unterscheiden sich jeweils durch kleine Abschnitte in ihrem Erbgut. Bestimmte Subtypen kommen in einigen Gegenden der Welt gehäuft vor. So dominieren in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara die Subtypen A, C und D, in den USA ist dagegen Typ B am häufigsten. Verschiedene Subtypen werden außerdem mit einem schnelleren oder langsameren Ausbruch von Aids in Verbindung gebracht.

Die Neurologen um Ned Sacktor verglichen nun erstmals, wie das Risiko für eine Demenz mit verschiedenen HIV-Subtypen zusammenhängt. Dazu führten sie mit 60 Aidskranken in einer Klinik in Uganda verschiedene neurologische und psychologische Tests durch, mit denen sie das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten überprüften. Diese befanden sich in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium und nahmen an einer Studie teil, in der die Wirkung von Aids-Medikamenten untersucht wurde. Zum Testzeitpunkt hatten sie jedoch noch nicht mit der Einnahme der Medikamente begonnen.

Die meisten der 60 untersuchten Patienten trugen den HIV-Subtyp A oder D in sich. Bei 89 Prozent der Patienten mit Subtyp D stellten die Forscher eine Demenzerkrankung fest, während dies bei nur 24 Prozent der Subtyp-A-Patienten der Fall war. "Dieser dramatische Unterschied war für uns sehr überraschend", sagt Sacktor. "Wenn Ähnliches in ganz Schwarzafrika gelten würde, könnte eine durch HIV verursachte Demenz eine der häufigsten Demenzformen weltweit sein." Allerdings seien die Ergebnisse noch als vorläufig anzusehen und müssten in weiteren Studien überprüft werden.

hda/ddp

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