Aids: Muttermilch enthält Hemmstoffe gegen HI-Viren
Wenn aidskranke Mütter ihre Kinder stillen, dann werden die nicht in jedem Fall angesteckt. Warum das so sein könnte, wollen Forscher jetzt herausgefunden haben. Ein Tierversuch legt nahe, dass Substanzen in der Muttermilch dem Erreger zusetzen können.
San Francisco - Wie lässt sich verhindern, dass aidskranke Mütter ihre Neugeborenen anstecken? Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekommt nur etwa jede zweite betroffene Schwangere antiretrovirale Medikamente. Nun haben Forscher gefunden, dass ausgerechnet die Muttermilch eine gewisse Schutzwirkung haben könnte.
Angela Wahl und ihre Kollegen vom Center for Aids Research der University of North Carolina berichten im Fachmagazin "PLoS Pathogens" von Substanzen in der Milch, die gegen eine Infektion mit HI-Viren schützen. Die Wirkung der Substanzen reiche aus, so die Forscher, um die Übertragung des Erregers in den meisten Fällen zu verhindern.
Die aktuellen Erkenntnisse stammen allerdings nur aus dem Versuch mit Mäusen. Die Forscher hatten mittels Genmanipulation die Abwehr der Tiere außer Kraft gesetzt und sie mit Vorläuferzellen von menschlichem Knochenmark, Leber - und Thymusgewebe geimpft. Dadurch entwickelten die Mäuse sowohl die Abwehrzellen als auch andere Komponenten des menschlichen Immunsystems. Sie reagierten dadurch auf HIV genauso sensibel wie ein Mensch.
In verschiedenen Tests spritzten sie den Tieren Lösungen mit Aidsviren und mit infizierten Abwehrzellen ins Blut, in den Magen oder in den Mund. Alle Tiere erhielten dabei jeweils nur eine Dosis der Virenlösung. In allen Fällen steckten sich dadurch 100 Prozent der Tiere mit HIV an. Spritzten die Wissenschaftler den Tieren die gleiche Virenmenge in Muttermilch gelöst in den Mund, infizierte sich keine der Mäuse.
Das Ergebnis zeige erstmals, dass Muttermilch die orale Übertragung von HIV durchaus verhindern könne, schreiben die Forscher. So ließe sich auch erklären, warum sich 85 Prozent der Kinder von HIV-positiven Müttern trotz monate- und teilweise sogar jahrelangem Stillen nicht infizierten. "Offenbar stecken sich Säuglinge nur dann über die Muttermilch an, wenn sie über längere Zeit immer wieder den Aidsviren in der Milch ausgesetzt sind", schreiben Wahl und ihre Kollegen. Immerhin trinke ein Säugling im Durchschnitt rund 250 Liter Muttermilch pro Jahr.
Dilemma für infizierte afrikanische Mütter
Vor allem HIV-infizierte Mütter im südlichen Afrika stecken in einer fatalen Zwickmühle: Wenn sie ihre Kinder stillen, riskieren sie, diese mit dem tödlichen Virus anzustecken. "65 Prozent der infizierten Säuglinge sterben ohne antivirale Therapie schon vor ihrem ersten Lebensjahr", berichten die Forscher.
Geben die Mütter ihren Kindern aber keine Muttermilch, gefährden sie ebenfalls deren Überleben. Denn das Stillen schützt die Säuglinge vor Durchfall, Lungenentzündung und Sepsis, den häufigsten Todesursachen kleiner Kinder in Afrika. "Wenn wir verstehen, warum sich einige Säuglinge über die Muttermilch anstecken, obwohl diese die HIV-Übertragung hemmt, dann könnten wir dieses Dilemma lösen", schreiben Wahl und ihre Kollegen.
Möglicherweise unterscheide sich die hemmende Wirkung der Muttermilch bei den Frauen, die ihre Kinder anstecken von der, bei denen dies nicht geschehe, mutmaßen die Wissenschaftler. Es sei daher nun wichtig, zu ermitteln, welche Inhaltsstoffe der Milch gegen die Infektion schützen.
Die Forscher hoffen, dass die Inhaltsstoffe der Muttermilch zudem neue Ansatzstellen liefern könnten, um Hemmstoffe gegen das Aidsvirus zu entwickeln. Sie vermuten, dass bestimmte langkettige Fettsäuren in der Muttermilch die Übertragung des Virus stören. "Diese Fettsäuren könnten die Virenhülle beeinträchtigen oder die Freisetzung neuer Virenpartikel aus den befallenen Wirtszellen stören", schreiben Wahl und ihre Kollegen. Aber auch von einigen Proteinen in der Muttermilch wisse man, dass sie die Aktivität von Aidsviren hemmen.
Nach WHO-Statistiken sind weltweit rund anderthalb Millionen Schwangere mit dem HI-Virus infiziert, die ihre Kinder möglicherweise anstecken könnten. Nur gut 700.000 von ihnen bekommen effektive Medikamente, um den Erreger in Schach zu halten.
chs/dapd
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Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.
Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.
Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Am häufigsten steckten sich homosexuelle Männer neu mit HIV an, deren Zahl lag 2010 bei rund 2200 Fällen. In 580 Fällen erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt. Rund 170 Drogenabhängige steckten sich mit dem HI-Virus an.
1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.
1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).
1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.
1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aidstod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.
1986: Aus Afrika werden die ersten Aidsfälle gemeldet.
1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.
1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.
1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.
1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aidsmedikament auf den Markt.
1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.
1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.
2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aidsmedikamenten in den USA auf den Markt.
2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.
2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.
2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.
2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.
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