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Aids-Statistik für Deutschland: Zahl der Neuinfektionen bleibt hoch

Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) leben bundesweit nun rund 70.000 Menschen mit Aids oder HIV. Die Zahl werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Das RKI berechnete auch Zahlen für die einzelnen Bundesländer.

Eine besprühte Fassade in Berlin: In der Hauptstadt leben etwa 11.000 HIV-Infizierte Zur Großansicht
dapd

Eine besprühte Fassade in Berlin: In der Hauptstadt leben etwa 11.000 HIV-Infizierte

Zum bevorstehenden Welt-Aids-Tag am 1. Dezember gab das Robert-Koch-Institut (RKI) am Montag eine neue Statistik für Deutschland bekannt. Demnach leben hierzulande rund 70.000 Menschen mit HIV oder Aids. Allein in diesem Jahr haben sich schätzungsweise 3000 Menschen neu mit HIV infiziert. Trotz vieler Aufklärungskampagnen liegen die Infektionszahlen damit ähnlich hoch wie in den Vorjahren. Dank der medikamentösen Behandlung sterben zugleich immer weniger Infizierte.

Das RKI stützte sich für seine Statistik auf Meldungen von Ärzten (HIV ist meldepflichtig) und Hochrechnungen aus dem Datenbestand. Am häufigsten steckten sich demnach weiterhin homosexuelle Männer neu mit HIV an, deren Zahl lag 2010 bei rund 2200 Fällen. In 580 Fällen erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt. Rund 170 Drogenabhängige steckten sich mit dem HI-Virus an.

Die Zahl der Neuinfektionen stagniert seit Mitte des Jahrzehnts auf hohem Niveau, nachdem sie Anfang des Jahrzehnts noch deutlich gestiegen war. "Die nach wie vor hohe Zahl der HIV-Neuinfektionen zeigt, dass Prävention und Forschung unverändert wichtig bleiben", erklärte RKI-Präsident Reinhard Burger.

Die Gesamtzahl der Menschen, die in Deutschland mit der Immunschwäche leben, werde in den kommenden Jahren weiter steigen, so die Experten. Denn mittlerweile lägen die Infektionszahlen deutlich höher als die Todesfallzahlen. Im Jahr 2010 starben der Schätzung zufolge 550 Menschen an den Folgen der Krankheit. Zum Vergleich: Mitte der 90er Jahre starben in Deutschland bis zu 2500 Menschen pro Jahr an Aids.

HIV ist heute überwiegend zu einer chronischen Krankheit geworden. Sie ist jedoch nach wie vor nicht heilbar. Etwa 40.000 HIV-Positive erhalten in Deutschland bereits eine Medikamenten-Therapie. Der Trend gehe dahin, nach einer Diagnose wieder früher mit einer Behandlung zu beginnen als in den vergangenen Jahren, heißt es beim RKI. Die Medikamente haben aber oft starke Nebenwirkungen und sind teuer. Nach Angaben von Ärzten kosten sie pro Patient rund 2000 Euro im Monat.

Zahlen der einzelnen Bundesländer

Bisher hat das RKI die Zahlen für das laufende Jahr für sechs Bundesländer veröffentlicht. Die Angaben für die zehn Länder Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen sollen am Dienstag folgen, wie die Pressestelle mitteilte.

  • In Baden-Württemberg leben laut RKI rund 7800 HIV-Infizierte und Aidskranke, darunter 5900 Männer und 1900 Frauen. Neu infiziert haben sich 330 Menschen (290 Männer und 40 Frauen), und die Aids-Erkrankung brach bei 70 Menschen aus. Rund 50 Aidskranke sind gestorben.
  • In Bayern leben derzeit 9400 HIV-Infizierte und Aids-Kranke, darunter schätzungsweise 7700 Männer. Neu infiziert haben sich 350 Menschen (310 Männer, 40 Frauen). 90 sind an der Immunschwächekrankheit erkrankt, und 60 Aids-Kranke sind gestorben.
  • In Berlin zählte das RKI rund 11.000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke, darunter 9800 Männer. 460 wurden neu infiziert, darunter 440 Männer. An Aids erkrankt sind in diesem Jahr etwa 150 Menschen, 60 Aids-Kranke sind gestorben.
  • In Bremen liegt die Zahl der HIV-Infizierten und Aidskranken bei 1200, darunter 930 Männer. Etwa 20 Männer und fünf Frauen erhielten in diesem Jahr die Diagnose, dass sie HIV-positiv sind. Die Aids-Krankheit brach bei 10 Betroffenen aus, und 20 Tote waren aidskrank.
  • In Hamburg sind rund 6000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke registriert, darunter 5000 Männer. Die Zahl der Neuinfektionen wird mit 210 angegeben (190 Männer, 20 Frauen). An Aids erkrankt sind etwa 40 Menschen, weitere 40 Aids-Kranke starben.
  • In Nordrhein-Westfalen leben etwa 14.000 HIV-Infizierte und Aids-Kranke, darunter rund 12.000 Männer. 680 steckten sich mit dem Virus an, darunter 610 Männer. Bei 160 Infizierten brach die Erkrankung aus, und auch die Zahl der gestorbenen Aids-Kranken liegt bei 160.

mah/dpa, apd

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HIV/Aids - Die Fakten
Die HIV-Infektion
Die Infektion mit HIV erfolgt über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma und Scheidensekret, aber auch über die Muttermilch. Außer ungeschütztem Vaginal- und Analverkehr gilt die gemeinschaftliche Nutzung von Spritzen durch Drogensüchtige als ein Hauptübertragungsweg.

Bei normalem Körperkontakt gibt es dagegen kein Infektionsrisiko, da die Körperhaut im Gegensatz zur Schleimhaut über eine schützende Hornschicht verfügt. Bei Verletzungen oder Ekzemen können allerdings auch hier Erreger eindringen. Beim beruflichen Umgang mit Kollegen am Arbeitsplatz besteht ebenso wenig Ansteckungsgefahr wie bei Besuchen von Schwimmbad oder Sauna oder gemeinsamem Essen. Kein Risiko gibt es auch bei ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen, da die Desinfektion von Instrumenten das Virus zuverlässig abtötet.
Die Krankheit Aids
Das HI-Virus zerstört allmählich das Immunsystem, indem es die Zahl der T-Helferzellen im Blut drastisch senkt. Während in den ersten Wochen nach der Infektion grippeähnliche Symptome auftreten können (aber nicht müssen), folgen der Ansteckung mit HIV meist mehrere Jahre ohne körperliche Anzeichen. Währenddessen vermehrt sich das Virus im Körper. Mit dem Beginn der ARC-Phase (Aids Related Complex) treten erneut Beschwerden wie nach der Infektion auf. Wenn die eigentliche Krankheit beginnt, spricht man von der Diagnose Aids (Acquired Immunodeficiency Syndrome).

Aids wird durch verschiedene Erkrankungen definiert. Sogenannte opportunistische oder Sekundär-Infektionen und Tumoren nutzen die schwache Immunabwehr aus. Trotz einer Behandlung stirbt der Patient an einer der Folgeerkrankungen. Zusätzlich können schon im Vorfeld virenhemmende Medikamente eingesetzt werden. Beide Maßnahmen verlängern die Lebenserwartung und steigern die Lebensqualität der Betroffenen.

Das Virus
Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein Retrovirus. Diese Erreger sind in der Lage, ihren genetischen Code in das Erbgut des Wirtskörpers, in diesem Falle des Menschen, einzubauen. Deshalb kann das Virus nach einer Infektion nicht wieder vollständig aus dem Körper entfernt werden.

Das Virus kommt in zwei Stämmen vor. HIV-1 ist weltweit verbreitet. Mikrobiologen unterscheiden Subtypen mit den Buchstaben A bis I und O. Der zweite Stamm, HIV-2, ist vorwiegend in Westafrika verbreitet. Ansteckungs- und Krankheitsverlauf sind in beiden Fällen ähnlich.

Die weltweite Verbreitung
Laut UNAIDS sind weltweit schätzungsweise 35 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert. Mit mehr als zwei Drittel der Infizierten bilden die Länder des südlichen Afrikas ein Zentrum der Epidemie.

Bis Ende 2008 erhielten rund vier Millionen HIV-positive Menschen in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen eine antiretrovirale Therapie - im Vergleich zu drei Millionen Patienten im Jahr 2007 und lediglich 400.000 in 2003.
Die Verbreitung in Deutschland
In Deutschland nach einer Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) derzeit etwa 70.000 Menschen mit HIV/Aids. 2013 wurden dem Institut 3263 gesicherte HIV-Neuinfektionen gemeldet - etwa zehn Prozent mehr als 2012. 550 Menschen starben demnach 2012 an den Folgen von Aids. Zum Vergleich: Mitte der neunziger Jahre starben in Deutschland bis zu 2500 Menschen pro Jahr an der Krankheit. Am häufigsten (53 Prozent) steckten sich homosexuelle Männer neu mit HIV. In 18 Prozent der Fälle erfolgte die Ansteckung nach heterosexuellem Kontakt, in 3 Prozent durch Spritzen von Drogen.
Chronik
1981: Vor allem in Kalifornien und New York sterben junge Männer an einer Krankheit, die das Immunsystem der Kranken ausschaltet. Am 5. Juni berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC erstmals über die auffällige Zunahme seltener Krebs- und Lungenentzündungsformen bei jungen Homosexuellen.

1982: In Deutschland und anderen europäischen Ländern werden die ersten Fälle diagnostiziert. Die erworbene Immunschwächekrankheit wird Aids (Aquired Immunodeficiency Syndrome) genannt.

1983: Die Forschungsgruppen von Robert Gallo (USA) und Luc Montagnier (Frankreich) identifizieren das Virus, das die Krankheit auslöst. Später erhält es den Namen HIV (Human Immunodeficiency Virus).

1984: Der erste HIV-Antikörpertest wird vorgestellt.

1985: In Atlanta findet die erste Welt-Aids-Konferenz statt. Durch den Aidstod des US-Schauspielers Rock Hudson wird die Krankheit einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In Deutschland dürfen ab Herbst keine Blutpräparate mehr ohne vorherigen HIV-Test verkauft werden. Über 2300 Menschen - darunter mehr als 1800 Bluter - hatten sich zuvor infiziert.

1986: Aus Afrika werden die ersten Aidsfälle gemeldet.

1987: AZT, das erste Medikament, das den Verlauf der Krankheit verlangsamen kann, erhält eine Zulassung.

1988: Die WHO führt den 1. Dezember als Welt-Aids-Tag ein.

1991: Die rote Schleife wird internationales Symbol für den Kampf gegen Aids.

1995: Sogenannte Protease-Hemmer kommen als neues Aidsmedikament auf den Markt.

1996: Die Vereinten Nationen gründen UNAIDS, eine Unterorganisation der Uno für den Kampf gegen die Krankheit.

1999: Wissenschaftler finden Belege dafür, dass das HI-1-Virus von einer Schimpansen-Unterart stammt, die nur im westlichen Zentralafrika vorkommt.

2003: Der erste Fusionshemmer kommt als vierte Klasse von Aidsmedikamenten in den USA auf den Markt.

2004: Die WHO startet die Initiative "3 by 5". Danach sollen 2005 drei Millionen Infizierte mit Medikamenten versorgt werden.

2005: Nach Angaben der UNAIDS sind über 40 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert - ein neuer Höchststand. Das Berliner Robert Koch-Institut geht von 2600 Neuinfizierten in Deutschland aus. In Deutschland leben insgesamt 49.000 HIV-Positive.

2006: Der jüngste Welt-Aids-Bericht von UNAIDS meldet, dass die Rate der Neuinfektionen sich erstmals seit dem Ausbruch der Seuche verlangsamt. Immer noch erhalten viele Infizierte und Erkrankte in der Dritten Welt keine Versorgung, besonders HIV-positive Kinder.

2008: Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon legt einen Bericht vor, nach dem im Dezember 2007 weltweit schätzungsweise 33,2 Millionen Menschen mit HIV infiziert waren.


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