Münster Museum zeigt Teile von Einsteins Gehirn

Hat sich Einsteins Genie in seinem Gewebe manifestiert? Ein Pathologe glaubte in den Fünfzigerjahren genau daran und sägte das Hirn des Nobelpreisträgers in Hunderte Scheibchen.

Albert Einstein
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Eigentlich sollte Albert Einsteins Leiche vollständig verbrannt werden, doch der Pathologe Thomas Harvey sägte 1955 heimlich den Schädel des gerade verstorbenen Genies auf, entnahm das Gehirn und konservierte es in einem Weckglas. Den Eingriff ließ Harvey erst im Nachhinein von Einsteins Familie absegnen. Der Nobelpreisträger selbst soll sogar darauf bestanden haben, dass zumindest sein Gehirn zu Forschungszwecken genutzt wird.

Harvey zerschnitt das Gehirn in Hunderte kleine Blöcke und fertigte unzählige mikroskopische Schnitte an, die sich über die ganze Welt verteilten. Zwei dieser Schnitte werden nun im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster gezeigt.

Hirngewebe von Albert Einstein
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Hirngewebe von Albert Einstein

"Wir bekommen die Exponate vom Mütter Museum in Philadelphia geliehen. Wir haben dazu eigens eine besondere Vitrine angeschafft", sagt Ausstellungsmacherin Nicola Holm. Das Museum in Philadelphia wurde nach seinem Gründer Thomas Dent Mütter benannt.

Das Geheimnis des Einstein-Hirns

Die beiden Ausstellungsstücke hat der Sammlungsleiter des Mütter Museums, Lowell Flanders, persönlich nach Münster gebracht. Sie stammen aus der rechten Gehirnhälfte, aus dem Teil, in dem das Erinnerungsvermögen sitzt. Das Museum in Philadelphia ist eines von zweien weltweit, in denen Teile von Einsteins Gehirn gezeigt werden. Nun sollen sie auch Teil der Ausstellung "Das Gehirn - Intelligenz, Bewusstsein, Gefühl" in Münster werden.

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Warum Einstein so genial war, verriet sein Gehirn bislang allerdings nicht. Harvey hatte die Entnahme stets damit gerechtfertigt, der Wissenschaft die "Quelle der Genialität" zeigen zu wollen. Deshalb verschickte er Teile des Gehirns an mehrere Neuropathologen.

Genie im Glas

Einige waren sich sogar sicher, Besonderheiten am Gehirn des Nobelpreisträgers erkannt zu haben. Die meisten Forscher halten diese jedoch für kaum relevant. Sensationelle Ergebnisse blieben deshalb aus.

Harvey geriet wegen der Entnahme des Gehirns massiv in die Kritik. So wurde er vom Krankenhaus in Princeton entlassen, wo Einstein gestorben war. Später verlor er seine Zulassung als Arzt. Jahrelang bewahrte Harvey Teile von Einsteins Gehirn in einem Glas unter seinem Schreibtisch auf, bevor er sie schließlich der Wissenschaft spendete.

koe

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