Alternative Therapie: Akupunktur hilft Kindern mit Sehschwäche

Weil ein Auge stärker als das andere ist, müssen sie eine Augenklappe tragen. Bald könnte auch eine andere Therapie helfen: Jedes zwanzigste Kind leidet unter einer entwicklungsbedingten Sehschwäche. Mediziner haben Akupunktur als alternative Behandlungsmethode getestet - mit gutem Erfolg.

Akupunktur: Die Nadeln werden mehrere Minuten in der Haut gelassen Zur Großansicht
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Akupunktur: Die Nadeln werden mehrere Minuten in der Haut gelassen

Bis zu fünf Prozent aller Kinder sind von einer entwicklungsbedingten Sehschwäche, der sogenannten Amblyopie, betroffen. Ihnen könnte in Zukunft möglicherweise eine Akupunkturbehandlung helfen - falls sich die Ergebnisse einer im Fachmagazin "Archives of Ophthalmology" vorgestellten Studie bestätigen.

Häufige Ursache für die Sehschwäche sind Schielen oder starke Fehlsichtigkeit, also Kurz- oder Weitsichtigkeit. Beides führt dazu, dass das Gehirn lediglich die Bilder nutzt, die das jeweils stärkere Auge liefert. Wird dadurch die Sehfähigkeit des schwächeren Auges in der Entwicklungsphase des Sehsinns nicht ausreichend trainiert, nimmt sie weiter ab. Ohne eine Therapie kann dies zu einer dauerhaften Sehstörung führen.

Um das schwache Auge zu fördern, wird das stärkere zeitweilig abgedeckt. Der Erfolg hängt maßgeblich vom Alter ab - je jünger ein Kind ist, desto besser sind die Aussichten. Die besten Ergebnisse werden bei dieser sogenannten Okklusionstherapie in den ersten drei Lebensjahren erzielt. Bei späterem Beginn muss die Augenklappe immer länger getragen werden und es werden dennoch nur noch kleinere Verbesserungen bewirkt. Im Teenageralter sind oft nur noch minimale Erfolge zu verzeichnen.

Alternative zur Augenklappe

Forscher aus China und den USA haben bei sieben- bis zwölfjährigen Patienten jetzt eine Alternative zur therapeutischen Augenklappe in einer Studie mit 88 Kindern im Alter von sieben bis zwölf Jahren geprüft. Jianhao Zhao von der Chinese University of Hong Kong und sein Team behandelten die Kinder, die alle eine Amblyopie aufgrund einer Fehlsichtigkeit entwickelt hatten, über einen Zeitraum von 15 Wochen.

45 Kinder trugen jeden Tag je zwei Stunden eine Augenklappe über dem stärkeren Auge. Die übrigen 43 wurden stattdessen fünfmal pro Woche an fünf verschiedenen Punkten mit Akupunkturnadeln behandelt. Vier Monate vor Studienbeginn hatten zudem alle 88 eine auf sie angepasste Sehhilfe erhalten.

Nach 15 Wochen hatte sich bei der Augenklappengruppe die Sehkraft des schwächeren Auges deutlich verbessert: Sie konnten bei Standardsehtests mit Buchstabentafeln durchschnittlich 1,8 Zeilen mehr entziffern - also entsprechend kleinere Buchstaben erkennen - als vorher. Die Akupunkturgruppe schnitt noch besser ab: Sie hatte sich durchschnittlich um 2,3 Zeilen verbessert. Bei sieben Teilnehmern der Augenklappengruppe galt die Amblyopie nach Studienende als überwunden, bei der Akupunkturgruppe sogar bei 17.

Nicht untersucht worden sei, inwieweit eine längere tägliche Tragedauer der Augenklappe die Ergebnisse dieser Gruppe verbessert hätte, schränken die Forscher ein. Ihr Ziel sei allerdings auch nicht gewesen, die Okklusionstherapie als Standardbehandlung abzulösen. Vielmehr sei nun gezeigt worden, dass die Akupunktur eine Alternative darstelle, etwa wenn ein Kind die Mitarbeit verweigere oder mit der psychischen Belastung durch das Tragen der Augenklappe nicht zurechtkomme.

Auf welche Weise die Akupunktur wirkt, sei allerdings unklar, sagen die Wissenschaftler. Möglicherweise sei die Durchblutung des Auges verbessert oder die Aktivität der Sehrinde im Gehirn erhöht worden. Denkbar sei auch, dass die Therapie die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren der Netzhaut angeregt und dadurch den Stoffwechsel im Zentralnervensystem beeinflusst habe.

wbr/dapd

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