Alternative zu Tamiflu Forscher entwickeln neues Grippemedikament für Schwerkranke

Schwerkrank durch die Grippe? Wer zu schwach ist, um Pillen zu schlucken oder eine Arznei zu inhalieren, könnte möglicherweise bald von einem neuen Medikament profitieren: Direkt ins Blut injiziert wirkt Peramivir offenbar ähnlich gut wie Tamiflu.

Grippemedikament Tamiflu: Forscher haben eine neue Alternative zu der Arznei entwickelt
DPA

Grippemedikament Tamiflu: Forscher haben eine neue Alternative zu der Arznei entwickelt


San Francisco - US-Forscher haben nach eigenen Angaben ein neues und hochwirksames Grippemedikamententwickelt. Das Präparat Peramivir habe in klinischen Studien genauso gute Ergebnisse geliefert wie das etablierte Medikament Tamiflu, wie Wissenschaftler am Sonntag auf einer Fachkonferenz der American Society of Microbiology in Kalifornien erklärten. Demnach wurde das neue Medikament von der Firma BioCryst Pharmaceuticals erfolgreich bei Patienten mit einer normalen saisonalen Grippe in Asien getestet.

Anders als Tamiflu, das es in Pillenform gibt und mehrere Tage geschluckt werden muss, oder Relenza, das inhaliert werden kann, wird Peramivir einmalig intravenös verabreicht. Das ist insbesondere für schwerkranke Patienten wichtig, die keine Medikamente mehr schlucken können. Weil Tamiflu von der Firma Roche neben dem GlaxoSmithKline-Präparat Relenza die wichtigste Arznei im Kampf gegen die Influenza ist, befürchten Ärzte schon seit langem, dass die Erreger Resistenzen ausbilden könnten. Erst kürzlich verunsicherten Berichte über resistente Viren in den USA an der Grenze zu Mexiko die US-Bevölkerung.

Im Rahmen der noch unveröffentlichten Studie zu Peramivir wurden im vergangenen Jahr 1100 Patienten, die an saisonaler Grippe erkrankt waren, untersucht und behandelt. Als Therapie bekamen sie entweder Tamiflu über fünf Tage oder eine einmalige Infusion Peramivir mit 300 oder 600 Milligramm. Nach jeweils 78 Stunden bei niedriger Dosis und 81 Stunden nach hoher Dosierung besserten sich die Krankheitssymptome der mit dem neuartigen Medikament behandelten Patienten. Zum Vergleich: Die Beschwerden der Tamiflu-Gruppe waren nach durchschnittlich 82 Stunden verschwunden.

Obwohl Peramivir nicht geschluckt oder inhaliert werden kann, hält Grippe-Expertin Nancy Cox von den US-Centers for Disease Control and Prevention die Arznei für "sehr vielversprechend". "Sie kann ins Blut und in die Lungen gelangen, dorthin, wo die Infektion stattfindet", erklärte Cox. Auch Frederick Hayden, Influenza-Berater der Weltgesundheitsorganisation WHO, sagte auf dem Kongress: "Ich bin begeistert von Peramivir als neue Möglichkeit für Patienten im Krankenhaus."

hei/AP

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