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Demenz: Gentherapie gegen Alzheimer bei Mäusen erfolgreich

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Corbis

Schaltzentrale: Weltweit sind mehr als 35 Millionen Menschen an Alzheimer erkrankt

Lässt sich das Gedächtnis wiederbeleben? Spanische Wissenschaftler halten das für möglich. Bei Mäusen konnten sie Alzheimer stoppen, indem sie das Erbgut der Tiere veränderten.

Weltweit suchen Forscherteams nach Therapien gegen die Alzheimer-Krankheit. Nun haben spanische Wissenschaftler einen neuen Ansatz entdeckt. Sie schleusten ein bestimmtes Gen in das Erbgut von Mäusen ein, deren Gedächtnis sich daraufhin stabilisierte. Die Forscher von der Autonomen Universität Barcelona veröffentlichten ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "The Journal of Neuroscience".

Alzheimer gilt bislang als unheilbar. Bei der Erkrankung wird die Gedächtnisleistung der Patienten fortlaufend abgebaut. Weltweit sind derzeit mehr als 35 Millionen Menschen betroffen. Laut einem 2012 veröffentlichten Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommen jährlich 7,7 Millionen Neuerkrankungen hinzu.

Die Neurowissenschaftler aus Spanien sehen in dem neuen Ansatz auch eine Hoffnung für die Alzheimer-Therapie und -Prävention beim Menschen. Wenn sich herausstelle, dass das Verfahren auch beim Menschen anschlage, so könne eine "Wiederbelebung des Gedächtnisses" erfolgen, sagte Studienleiter Carlos Saura in einer Mitteilung der Universität.

Schalter im vergessenden Gehirn

Die Hauptrolle in der nun vorgestellten Therapie spielt das Protein CRTC1. Im Vergleich von gesunden und an Alzheimer erkrankten Mäusen hatte es sich als besonders wichtig herausgestellt: War es defekt, wurden offenbar Gene nicht aktiviert, die für Verbindungen zwischen Gehirnzellen im Hippocampus sorgen. Die Erinnerung setzte aus.

Um das Gedächtnis zu reaktivieren, versorgten die Neurowissenschaftler erkrankte Mäuse also mit dem genetischen Bauplan für CRTC1. Sie injizierten das entsprechende Gen in den Hippocampus, wo es die Produktion des Proteins ankurbelte. So sei es gelungen, eine "Konsolidierung des Langzeit-Gedächtnisses" herbeizuführen, erklärte die Universität.

Auch im menschlichen Gehirn nehme die CRTC1-Konzentration in fortgeschrittenen Alzheimer-Stadien ab, schreiben die Forscher. Damit wäre eine Gentherapie auf Basis des Proteins zumindest denkbar. Wie eine therapeutische Anwendung aber konkret aussehen könnte und ob das Protein auch langfristig wirksam ist, müssen weitere Studien klären.

Noch im März hatten Neurowissenschaftler ein weiteres Protein mit dem Namen REST identifiziert, das die Entwicklung des Gehirns reguliert und es vor defekten Proteinen schützt. Es könnte ein zentraler Faktor bei der Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen sein - und möglicherweise bei ihrer Behandlung helfen. Doch noch ist unklar, wie die Produktion des Proteins REST im Zellkern gesteuert wird.

che/AFP

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Etwas genauer, bitte!
Dumme Fragen 24.04.2014
Die Formulierung "sie injizierten das Gen" ist doch etwas sehr salopp ausgedrückt! Sie haben das Gen in das Genom von Adenoviren reinkloniert und diese dann in die entsprechende Gehirnregion injiziert.
2. Wieviel Mäuse wurden für diese Erkenntnis gequält und grausam getötet?
mcvitus 24.04.2014
Und: ist diese Erkenntnis 1:1 auf den Menschen anzuwenden? Soweit ich informiert bin ist die These der genetischen Ursache nur eine von mehreren Unbewiesenen. Also: eine Erfolgsmeldungen zu Alzheimer ist erst angebracht wenn wissenschaftliche Fakten geschaffen wurden. Bis dahin: weiterhin viel Spaß beim Tierequälen. Und: die Basher auf meinen Kommentar können sich ihre Empörung sparen, mir sind sehr wohl auch die für Menschen positiven Effekte der legalen Tierquälerei bekannt. Aber: Tiere sind ebenso empfindsame Lebewesen wie wir Menschen und haben meiner Meinung nach auch nur ein Leben, welches nicht durch Qualen unnötig ruiniert werden darf.
3.
lilithmoon 24.04.2014
Alzheimer ist das Produkt fehlerhafter DNS auf Grund des Alterns. Das ist hinreichend bekannt. Da ist es logisch, dass dns dahingehend verändert wird nicht falsch abgeschrieben zu werden...für diese "Sensation" musste man jetzt unbedingt Tiere quälen? ! Alzheimer ist ein natürlicher Prozess, der Mensch sollte sich damit abfinden
4. Hmm
pirakid 24.04.2014
Ich finde es zwar traurig das Tiere dafür herhalten müssen aber ganz Ehrlich sie schrieben "Tiere sind genau so empfindsame Lebewesen" , dass Zweifel ich nicht an aber Diese eignen sich gut für solche Versuche und sollen wir etwa immer Aufregen wenn Lebewesen also Tiere , Pflanzen ,Bakteria u.s.w ... Von uns benutzt werden .
5. die maus mit dem menschlich aussehenden ohr auf dem rücken
doofnuss 24.04.2014
Zitat von sysopCorbisLässt sich das Gedächtnis wiederbeleben? Spanische Wissenschaftler halten das für möglich. Bei Mäusen konnten sie Alzheimer stoppen, indem sie das Erbgut der Tiere veränderten. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/alzheimer-gentherapie-gegen-demenz-krankheit-bei-maeusen-erfolgreich-a-965876.html
ja, davon träume ich, seit mir bewusst wurde, dass das leben doch nicht immer so weiter geht, also etwa mit 28 jahren, spätestens als die ersten grauen haare kamen, das reißen und ziehen in knochen und rücken sich unangenehm bemerkbar machten: mittels biotechnologie und genetik verbrauchte körperteile ersetzen, vielleicht sogar den sprichwörtlichen jungbrunnen in pillenform. ja, das wär's. nur ein utopischer traum? alles ließe sich ersetzten, faltenfreie junge pfirsichhaut jede dekade, statt botox-skalpell-horror-aufspritzvisagen, die vision von der ewigen jugend und unsterblichkeit zum greifen nahe. obwohl, dann traute sich niemand mehr aus dem haus, weil ein möglicher unfalltod das schlimmste wäre - ach nein, wer weiß, vielleicht lassen sich in zukunft nicht nur abgestorbene gehirnteile, sondern auch tote wiederbeleben. na ja, diese form der überbevölkerung erleben wir nicht mehr... . ;-)
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Die wichtigsten Fragen zur Alzheimer-Erkrankung (AD)
Gibt es bestimmte Anzeichen für eine Alzheimer-Erkrankung?
Bei den meisten Menschen nimmt das Erinnerungsvermögen mit zunehmendem Alter leicht ab. Altersbedingte Vergesslichkeit kann man deshalb nicht immer von den ersten Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung unterscheiden. Im Fachjargon sprechen Forscher von "Mild Cognitive Impairment" (MCI), also der milden Beeinträchtigung kognitiver Fähigkeiten. Viele Menschen mit MCI bekommen zwar Alzheimer - trotzdem ist MCI noch lange keine Diagnose dafür. Alzheimer-Patienten verlieren häufig nach und nach das sogenannte episodische Gedächtnis. Sie erinnern sich zum Beispiel nicht mehr, dass ein Gespräch vor einem Tag stattfand. Andere typische Merkmale sind: Der Betroffene hat Wortfindungsstörungen oder Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung (beispielsweise Schwierigkeiten beim Krawatte knoten oder Auto einparken). Oder aber der Patient verliert die Orientierung - und vertut sich etwa mit der Zeit oder geht in eigentlich bekannten Umgebungen verloren.
Wie häufig kommt Alzheimer vor?
Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft leben gegenwärtig 1,5 Millionen Demenzkranke in der Republik - zwei Drittel von ihnen sind von der AD betroffen. Jährlich treten mehr als 300.000 Neuerkrankungen auf. Weil die Bevölkerung immer älter wird, nimmt die Zahl der Demenzkranken kontinuierlich zu. Gelingt kein Durchbruch bei der Heilung und Prävention, wird sich den Schätzungen zufolge die Krankenzahl bis zum Jahr 2050 auf etwa 3 Millionen erhöhen.
Wie wird Alzheimer diagnostiziert?
Zu 100 Prozent kann man AD nur post mortem durch eine mikroskopische Untersuchung des Hirngewebes feststellen. Heutzutage lässt sich die Krankheit aber mit einer 95-prozentigen Sicherheit diagnostizieren. Der Arzt muss dafür die kognitiven Fähigkeiten des Betroffenen sorgfältig mit Hilfe bestimmter Tests prüfen. Dabei muss er ausschließen, dass es sich möglicherweise um andere - behebbare - Ursachen des Leistungsvermögens handelt (z.B. Störung der Schilddrüsenfunktion, Vitaminmangel oder Infekte). Ebenso muss der Arzt AD von anderen Demenzerkrankungen unterscheiden können. Dabei helfen ihm bildgebende Verfahren wie etwa die Magnetresonanztomografie (MRT) und Blutwertuntersuchungen, wobei die Blutwerte bei AD-Patienten normal sind. Liegt eine AD vor, ist meistens das Hirnvolumen in speziellen Regionen verringert. Zudem kann man die Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit auf die Menge bestimmter Proteine hin analyiseren. Auffällig sind besonders geringe Mengen an Beta-Amyloid und erhöhte Mengen an Tau-Protein (siehe Ursachen für AD).
Was sind die Ursachen?
Es gibt verschiedene Ursachen für AD. Eine der wichtigsten Akteure sind die sogenannten Tau-Proteine: Sie regulieren den Zusammenbau der Mikrotubili, den Transportbahnen der Zelle, indem sie daran binden. Bei AD lösen sich die Tau-Proteine aus noch weitgehend ungeklärter Ursache von den Mikrotubuli und "verfilzen" zu Tau-Protein-Bündeln, Tangles genannt. Dadurch bricht nach und nach der Transport in der Zelle zusammen - und sie stirbt. Im Hirn von AD-Patienten verklumpen aber noch andere Proteine: So lagern sich Beta-Amyloid-Moleküle außerhalb der Zellen an und bilden die gefürchteten Plaques. Auch in gesunden Menschen entsteht Beta-Amyloid aus dem Vorläuferprotein APP, indem dieses durch bestimmte Enzyme gespalten wird. Allerdings wird Beta-Amyloid normalerweise schnell im Gehirn abgebaut. Bei AD-Patienten sind entweder diese Abbaumechanismen gestört, oder aber die Zellen bilden zu viel Beta-Amyloid.
Was passiert im Gehirn eines Alzheimer-Kranken?
Besonders auffällig ist der massive Nervenzelltod - im Verlauf der Krankheit kann das Hirnvolumen um bis zu 20 Prozent schrumpfen. Warum die Nervenzellen sterben, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht aber, dass die Bildung der Beta-Amyloid-Plaques sowie der Tangles (siehe Ursachen) den neuronalen Untergang auslösen: Durch Bildung der Tangles werden die Stabilisierungs- und Transportprozesse in den Zellen gestört; die Beta-Amyloid-Plaques lagern sich häufig in der Wand kleiner Blutgefäße ab, wodurch die Sauerstoffversorgung im Gehirn gestört wird.
Ist Alzheimer vererbbar?
Ja. Doch weniger als zwei Prozent aller Fälle von AD werden dominant vererbt. Das bedeutet, dass die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit ausreicht. Statistisch gesehen können die Hälfte der Nachkommen eines Betroffenen ebenfalls erkranken. Bisher sind drei Gene der dominant vererbbaren AD-Form bekannt, eines davon ist das APP (siehe Ursachen). Solche Patienten erkranken in der Regel im Alter unter 60 Jahren. Es gibt auch Gene, die das Auftreten von AD begünstigen, jedoch als Ursache allein nicht ausreichen. Eines davon ist das ApoE4-Gen. Das ApoE-Gen kommt in drei häufigen Varianten vor, die man als Allele E2, E3 und E4 bezeichnet. Die Häufigkeit der E4-Variante beträgt zehn Prozent bei gesunden Menschen, bei AD-Patienten jedoch 30 bis 42 Prozent. Liegen eine oder zwei Kopien des E4-Allels vor, ist also die Wahrscheinlichkeit höher, an Alzheimer zu erkranken. In 90 Prozent aller Fälle wirken bei der Entstehung der AD jedoch erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse zusammen. Deshalb raten Mediziner von genetischen Tests ab, da sie nicht zu einer sicheren Diagnose führen.
Was hat Altern mit Alzheimer zu tun?
Altern ist der wichtigste Risikofaktor für AD. Für gewöhnlich tritt AD erst ab einem Alter von über 60 Jahren auf. Der Anteil an Demenzkranken in der Bevölkerung steigt mit dem Alter (in der Gruppe von 65 bis 69 Jahren liegt sie bei 1,2 Prozent; 75-79 Jahre: sechs Prozent; 85-89 Jahre: 23,9 Prozent). Statistisch gesehen stellt sich bei etwa jedem dritten Menschen, der ein Alter von 65 Jahren erreicht, im weiteren Altersverlauf eine Demenz ein.
Gibt es Medikamente gegen die Krankheit?
Das Voranschreiten der AD lässt sich bisher weder verhindern noch stoppen. Die medikamentöse Therapie setzt deshalb an den Folge- und Begleiterscheinungen des Nervenzelluntergangs an. Derzeit gibt es drei Medikamentengruppen: Sogenannte Antidementiva, Antidepressiva und Neuroleptika. Antidementiva verbessern die Signalübertragung im Gehirn durch bestimmte Botenstoffe. Neuroleptika vermindern die Signalübertragung durch den Botenstoff Dopamin und wirken dadurch entspannend und beruhigend. Gegen Begleiterscheinungen wie Depressionen oder Verhaltensstörungen können Antidepressiva helfen.
Kann eine gesunde Lebensweise Alzheimer verhindern?
Einen sicheren Schutz vor Alzheimer gibt es bisher nicht. Dennoch haben eine Vielzahl an Studien ergeben, dass es eine Reihe von Risikofaktoren gibt, die mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für AD in Verbindung gebracht werden. Mediziner empfehlen deshalb eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitaminen C, E und Beta-Carotin sowie eine fett- und cholesterinarme Kost mit möglichst viel ungesättigten Fettsäuren. Auch Bluthochdruck und Diabetes erhöhen das Risiko. Und: Wer sich geistig fit hält und sozial aktiv ist, hat ebenfalls ein geringeres Risiko, an AD zu erkranken, wie zahlreiche Studien belegen.

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