Analyse Gene beeinflussen das Risiko einer Frühgeburt

Jede dritte Frühgeburt wird durch eine Mutterleibsinfektion ausgelöst, die meistens unbemerkt bleibt. Forscher haben die Ursachen dafür herausgefunden: Bestimmte Gene der Mutter oder des Embryos bekämpfen diesen Infekt - auf Kosten einer vorzeitigen Entbindung.

Säugling: Allein in den USA kommen jedes Jahr über 540.000 Babys vorzeitig zur Welt
AP

Säugling: Allein in den USA kommen jedes Jahr über 540.000 Babys vorzeitig zur Welt


Unbemerkte Infektionen im Mutterleib sind eines der Hauptrisiken für vorzeitige Wehen und Frühgeburten. Jetzt sind US-Forscher bestimmten Genvarianten bei Mutter und ungeborenem Kind auf die Spur gekommen, die das Risiko einer solchen Frühgeburt erhöhen: Sie bekämpfen zwar die sogenannte "stille" Infektion im Mutterleib, können aber auch eine vorzeitige Geburt auslösen.

Mit dem Wissen über die Genkonstellation dürften in Zukunft gefährdete Frauen frühzeitig gewarnt und besser betreut werden. Über ihre Forschung berichten die Wissenschaftler um Roberto Romero vom National Institute of Child Health and Human Development in Bethesda auf dem 30. Jahrestreffen der "Society for Maternal-Fetal Medicine" in Chicago.

Nach der Statistik wird eine von drei Frühgeburten durch die stille Unterleibsinfektion ausgelöst. Die Mutter bemerkt davon nichts. Um den Ursachen dieser heimtückischen Infektion auf den Grund zu gehen, untersuchten die Wissenschaftler die Erbinformationen von über 800 schwangeren lateinamerikanischen Frauen und ihren ungeborenen Babys. Die Forscher entnahmen Blutproben der Mutter und aus der Fötus-Nabelschnur und untersuchten Varianten von 190 Genen, die bei der Bekämpfung von Entzündungen im Mutterleib eine Rolle spielen. Dabei analysierten sie über 700 Variationen.

Variante des Gens IL6R ist besonders kritisch

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass sowohl bestimmte Genvarianten bei der Mutter als auch beim Fötus die Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt erhöhen. Als besonders kritisch erwies sich ein Gen namens IL6R, das auf Entzündungsprozesse im Körper Einfluss nimmt. So hatten Babys, in deren Erbgut sich eine bestimmte Variante des Gens IL6R fand, ein doppelt so hohes Risiko, zu früh auf die Welt zu kommen.

"Die neuen Ergebnisse dürften in Zukunft dazu beitragen, bei Frauen ein genetisch bedingtes erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt rechtzeitig zu erkennen", erklärt Co-Autor Alan R. Fleischman, Direktor der Organisation March of Dimes, die sich in den USA für die Gesundheit von Schwangeren und Babys einsetzt. Die betroffenen Mütter könnten dann individuell medizinisch betreut werden, so dass ihre Chancen für eine reibungslose Geburt stiegen. Allerdings sind Gen-Analysen beim ungeborenen Kind - beispielsweise mittels einer Nabelschnurpunktion - selbst mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden, je nach Erfahrung des Arztes liegt es bei etwa einem Prozent.

Allein in den USA werden jedes Jahr über 540.000 Babys zu früh geboren, auf der ganzen Welt sind es etwa 13 Millionen. Eine Frühgeburt kann bedeutende Auswirkungen auf die Gesundheit des Kindes haben. So sind Frühgeburten in den USA die Hauptursache für Säuglingssterblichkeit, und viele der überlebenden Kinder müssen mit lebenslangen Gesundheitsproblemen rechnen.

lub/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
mitbürger 04.02.2010
1. Interessant, aber
aus dem Artikel geht nicht hervor, um welch Art von Infektionen es sich handelt, welcher Erreger, die Art, sich anzustecken etc. Wie sollen Gene einen Erreger bekämpfen? Gene codieren Proteine, die evtl. den Erreger bekämpfen, mehr können sie nicht. Sind nun die Gene der Mutter oder der Kinder relevant?
bernd220383 04.02.2010
2. SNPs
Zitat von mitbürgeraus dem Artikel geht nicht hervor, um welch Art von Infektionen es sich handelt, welcher Erreger, die Art, sich anzustecken etc. Wie sollen Gene einen Erreger bekämpfen? Gene codieren Proteine, die evtl. den Erreger bekämpfen, mehr können sie nicht. Sind nun die Gene der Mutter oder der Kinder relevant?
Da SPON leider keine Angabe zur Quelle dieser Informationen macht rate ich mal. Die Forscher haben SNPs analysiert und einen Zusammenhang zwischen bestimmten SNPs im GEN IL6R und fruehgeburten festgestellt und leiten daraus ab das bei einer bestimmten Basensequenz eine erhoehte Wahrscheinlichkeit einer Fruehgeburt besteht. Hier geht es um die Gene des Kindes da sie Nabelschnurblut benutzt haben.
djabadai 04.02.2010
3. SNP's und untersuchte Gene
Ich gehe auch davon aus, dass hier SNP-Analysen in einer Assoziationsstudie mit nichtverwandten Fällen von Frühgeburten durchgeführt wurden. Vielleicht auch ein Transmissions-Disequilibriums-Test, falls sich jemand dafür interessiert. Zur Untersuchung der Gene: es waren vermutlich Gene, die Proteine codieren, die besonders bei Infektionen, sowie Entzündungen, hochreguliert werden, also alle möglichen Arten von Interferonen, Interleukinen und Chemokinen.
lupoaica 05.02.2010
4. Fies
Irgendwie graesslich, dass da steht es wurden 800 Proben aus der Foetus-Nabelschnur von 800 ungeborenen Lateinamerikanern genommen, und zwei Abschnitte weiter: "Allerdings sind Gen-Analysen beim ungeborenen Kind - beispielsweise mittels einer Nabelschnurpunktion - selbst mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden, je nach Erfahrung des Arztes liegt es bei etwa einem Prozent." Statistisch 8 Fehlgeburten durch diese Studie... gluecklicherweise nicht aus dem Herkunftsland dieser Studie. "Allein in den USA kommen jedes Jahr über 540.000 Babys vorzeitig zur Welt."
djabadai 05.02.2010
5. Punktionen
Zitat von lupoaicaIrgendwie graesslich, dass da steht es wurden 800 Proben aus der Foetus-Nabelschnur von 800 ungeborenen Lateinamerikanern genommen, und zwei Abschnitte weiter: "Allerdings sind Gen-Analysen beim ungeborenen Kind - beispielsweise mittels einer Nabelschnurpunktion - selbst mit dem Risiko einer Fehlgeburt verbunden, je nach Erfahrung des Arztes liegt es bei etwa einem Prozent." Statistisch 8 Fehlgeburten durch diese Studie... gluecklicherweise nicht aus dem Herkunftsland dieser Studie. "Allein in den USA kommen jedes Jahr über 540.000 Babys vorzeitig zur Welt."
Ganz so schlimm ist es vermutlich nicht. Ab einem gewissen Alter, sowie bei Vorerkrankungen in der Familie oder auch Verdacht auf Infektion beim Fetus, wird das sowieso gemacht. Es wäre dann eher Verschwendung, diese Daten nicht zu nutzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese ganzen Punktionen nur zu Studienzwecken gemacht wurden....
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