Medikamenten-Rückruf: Behörde warnt vor wirkungsloser Notfallspritze

Die Notfallspritze Anapen rettet Allergikern im Notfall das Leben. Doch nun hat der Hersteller Probleme bei der Spritze entdeckt - und eine Rückrufaktion gestartet. Die Behörden raten, das Medikament dringend gegen andere Mittel auszutauschen. Betroffen könnten mehr als 33.000 Menschen sein.

Patienten sollen sich beim Arzt beraten lassen und danach das Anapen austauschen Zur Großansicht
AP

Patienten sollen sich beim Arzt beraten lassen und danach das Anapen austauschen

Bonn - Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) rät Allergikern, die im Besitz der Notfallspritze Anapen sind, diese dringend gegen ein anderes geeignetes Arzneimittel auszutauschen. Menschen, die ein hohes Risiko für einen allergischen Schock haben, tragen den sogenannten Adrenalin-Autoinjektor stets mit sich. Laut BfArM sollten sie den Stick gegen eine andere Spritze austauschen.

Der Grund: Manche dieser Sticks können möglicherweise ihre Wirkung nicht entfalten. Wie viele Deutsche von diesem Rückruf betroffen sind, ist schwer zu ermitteln. Im Jahr 2010 wurden laut "Arzneiverordnungs-Report" 33.000 Spritzen verkauft.

Bereits Ende Mai habe der Hersteller Lincoln Medical Limited in einem sogenannten Rote-Hand-Brief den Rückruf des Medikaments bekanntgegeben, erklärt BfArM-Sprecher Maik Pommer. In Deutschland wird der Stick von Dr. Beckmann Pharma in Hamburg vertrieben. Allerdings sei dieser Brief leicht missverständlich, so dass das Bundesinstitut die Warnung jetzt erneuert: Die lebensrettende Adrenalinspritze solle erst weggeworfen werden, wenn sich der Betreffende eine neue Notfallspritze besorgt hat.

Der Adrenalin-Autoinjektor Anapen wird zur sofortigen Behandlung eines Schockzustands (anaphylaktischer Notfall) eingesetzt. Bei einigen Chargen der betroffenen Produkte besteht möglicherweise das Risiko, dass die Adrenalinlösung nicht oder nicht in ausreichender Menge abgegeben wird und somit keine erfolgreiche Behandlung des Schockzustands erfolgt.

Betroffen von dem Rückruf sind die Produkte Anapen 300 µg Adrenalin in 0,3 ml Injektionslösung (Fertigspritze) und Anapen Junior 150 µg Adrenalin in 0,3 ml Injektionslösung (Fertigspritze), wie das BfArM in einer Meldung mitteilt.

Laut Lincoln Medical Limited ist das Problem der Autoinjektoren bei der Entwicklung einer neuen Variante aufgetreten, die noch nicht auf dem Markt sei. Dabei habe man Schwierigkeiten bei der Abgabezeit und dem Abgabevolumen des Medikaments nach dem Auslösen des Injektors festgestellt - und deshalb vorsichtshalber den Rückruf gestartet. Dem Hersteller zufolge hat es aber diesbezüglich keine bestätigenden Meldungen von Patienten oder Fachpersonal gegeben.

nik

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insgesamt 14 Beiträge
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1. Anapen 300
melex 04.06.2012
Zitat von sysopDie Notfallspritze "Anapen" rettet Allergikern im Notfall das Leben. Doch nun hat der Hersteller Probleme bei der Spritze entdeckt - und eine Rückrufaktion gestartet. Die Behörden raten, das Medikament dringend gegen andere Mittel auszutauschen. Betroffen könnten mehr als 33.000 Menschen sein. Anapen: Rückruf der Notfallspritze gegen allergischen Schock - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,836950,00.html)
Danke, SPIEGELonline. Ich bin einer der 33.000 Menschen, die zur Sicherheit dieses Produkt ständig bei sich tragen. Bereits am 29.05.2012 hat die Pharmazeutische Zeitung den Rückruf gemeldet. Aber wer informiert die Patienten? Ich vermute niemand, und das ist ein Skandal. Den evtl. Schaden hat der Patient, und der Schaden wäre maximal.
2.
Crom 05.06.2012
[QUOTE=melex;10304924 Aber wer informiert die Patienten? Ich vermute niemand, und das ist ein Skandal. [/QUOTE] Normalerweise sollte das der Arzt machen, der das Medikament verschrieben hat. Wer soll sonst wissen, welcher Patient zu informieren ist?
3. Die Rechnung zahlen wir alle...
ubiquist 05.06.2012
Einen interessanten "Nebenaspekt" dieser ohnehin nicht ganz rühmlichen Geschichte beleuchtet die taz in einem Online-Beitrag vom 04.06. (wollte ich nicht gleich hier crossposten...): Aufgrund einer Regelungslücke zahlt der Pharmakonzern für den Ersatz der Pens, die bereits beim Endverbraucher liegen, gar nichts. Demnach müssen Versicherte und die Krankenkassen die Kosten für erneute Verschreibung und den Austausch selbst bezahlen. Da hat ein Lobbyist wohl an der Richtigen Stelle ein nettes Abendessen springen lassen. Glückwunsch.
4.
Peter Werner 05.06.2012
Auch von mir ein Dankeschön an SPIEGEL Online. Es ist eigentlich eine Schande, dass so etwas nicht einer breiten Öffentlichkeit publik gemacht wird.
5. Ärzte- und Pharmapfusch bezahlt immer die Allgemeinheit
JaguarCat 05.06.2012
Zitat von ubiquistAufgrund einer Regelungslücke zahlt der Pharmakonzern für den Ersatz der Pens, die bereits beim Endverbraucher liegen, gar nichts.
Das ist doch bei Ärzten und Medikamenten immer so: Der Doktor hat eine falsche Diagnose gestellt? Das tolle (und teure!) neue Rheumamittel ist wirkungslos? Hat alles keine Auswirkungen auf die Rechnung, die muss trotzdem bezahlt werden. Chancen, das zu ändern, gibt es keine. Würden Arztrechungen künftig nur noch "bei Erfolg" bezahlt werden, dann würden die Ärzte schwerkranke Menschen, wo der Behandlungsausgang immer ungewiss ist, einfach nicht mehr behandeln. Zwei Wochen später ist dann wieder alles beim alten. Jag
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