Anatomie: Antike Statue zeigt menschliche Innereien

Es ist ein erstaunliches Relikt aus dem Altertum: Eine Etrusker-Büste stellt die inneren Organe eines Menschen dar - und beweist damit, wie detailliert das anatomische Wissen vor rund 2200 Jahren sein konnte.

Vom Schlüsselbein bis zur Prostata: Etrusker zeigt im Louvre all seine inneren Organe Zur Großansicht
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Vom Schlüsselbein bis zur Prostata: Etrusker zeigt im Louvre all seine inneren Organe

Auf den ersten Blick ist es nur eine uralte Statue. Doch wer sich die neue Attraktion des Pariser Louvre genauer ansieht, erkennt schnell, dass es sich um einen bemerkenswerten Fund handelt.

Der 68 Zentimeter hohe Torso aus dem 3. oder 2. Jahrhundert vor Christus zeigt, wie detailliert das anatomische Wissen bereits im etruskischen Zeitalter war. Die gefensterten Organe - Lungenflügel, Herz, Eingeweide, Milz, Leber, Blase und Prostata - deuten daraufhin, dass schon die Etrusker Leichen sezierten, sagte Jean-Luc Martinez, Leiter der Abteilung für griechische, etruskische und römische Altertümer im Louvre.

Die Etrusker waren das Volk, das vor den Römern Norditalien und fast das gesamte westliche Mittelmeer beherrschte. Bei der Büste handelt es sich Experten zufolge um eine sogenannte Votivgabe aus einer Etrusker-Stätte bei Rom. Votivgaben waren Weihgeschenke, mit denen der Spender entweder um seine Heilung bat oder sich für seine Genesung bedankte.

Das Pariser Museum erwarb die Statue Ende Juni für 249.000 Euro bei einer Versteigerung im Loire-Schloss Cheverny. Die Büste hatte zuvor einem französischen Arzt gehört, der sie 1960 gekauft hatte. Nach seinen Angaben stammte sie aus der Ausgrabungsstätte Canino nördlich von Rom. Dort lag im Altertum die Etrusker-Stadt Vulci.

Allerdings gab es auch schon lange vor den Etruskern erstaunlich großes anatomisches Wissen. So gilt es als erwiesen, dass etwa die operative Öffnung des Schädels, die sogenannte Trepanation, schon vor rund 12.000 Jahren praktiziert wurde. Auch aus der Bronzezeit sind solche Einriffe bekundet.

nap/AFP

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1. Etruskerleber
cassandros 01.09.2011
Zitat von sysopEs ist ein erstaunliches Relikt aus dem Altertum: Eine*Etrusker-Büste stellt die inneren Organe eines Menschen dar - und beweist damit, wie detailliert das anatomische Wissen vor rund*2200 Jahren*sein konnte.
Interessant. Im benachbarten antiken Griechenland gab es ja zu der Zeit auch schon experimentelle Naturkunde. Ob aber vorsätzliches Sezieren dahintersteckt? Solche Einblicke in den Körper ergaben sich auf dem Schlachtfeld doch mit einiger Regelmäßigkeit, denn Krieg geführt haben die Altvorderen ja ebenso emsig wie ihre Nachfahren heute. Anatomische Einsichten ergaben und ergeben sich dabei quasi als Nebenwirkung (heute Kollateralschaden genannt). Solche groben anatomischen Kenntnisse können durchaus auch schon Menschen der Steinzeit gehabt haben, ohne daß sie das in Bronze gegossen hätten.
2. -
stupp 01.09.2011
Tja, was die Menschen so alles wussten und konnten - bis das Erscheinen der "Frohen Botschaft des Herrn" das Rad wieder zurückdrehte und unter der Knute der Kirche das antike Wissen verloren ging...
3.
n.holgerson 01.09.2011
Zitat von stuppTja, was die Menschen so alles wussten und konnten - bis das Erscheinen der "Frohen Botschaft des Herrn" das Rad wieder zurückdrehte und unter der Knute der Kirche das antike Wissen verloren ging...
Haben sie da was durcheinander gebracht? "unter der Knute der Kirche das antike Wissen verloren ging"? Was glauben sie wo unser Wissen über die antike Welt herkommt? Gerade die Kirchen speziell die Klöster waren es doch, die das "Wissen" über Jahrhunderte als einzige Institution "sicherte"! Was glauben sie denn woher die ganzen schriftlichen Zeugnisse stammen? Vielleicht von Wikipedia? Fast die gesamten schriftlichen Zeugnisse der "Antike" stammen aus Schriften von der Kirche! Das sollte sich auch bis zu ihnen herumgesprochen haben. PS: Kleine Anmerkung. Über Jahrhunderte war die Kirche eine der wenigen Institutionen die überhaupt so was wie Bildung bzw. Wissenschaft vermittelt hat. Das Problem heutzutage ist, dass gerade der typische RTL Zuschauer die Zusammenhänge nicht mehr versteht. Das hat einen einfachen Grund. Es ist ja "langweilig", dass gerade die Kirche die einzige Institution war, die Wissen (wie z.B. Lesen und Schreiben, aber auch "Wissenschaft"), vermittelt und bewahrt hat. Aber es ist "spektakulär", wenn diese Institution einmal geirrt hat (z.B. bei Galileo Galilei). Genau das ist eben das Problem des typischen RTL Sehers: Er hat keine Überblick und schaut sich eben die "spektakulären" Ereignisse an. Wie gesagt, ich geben ihnen mal einen Tipp. Sicher kenne sie einen Geschichtslehrer o.ä. Fragen sie ihn mal nach der Antike und dem heute vorhandenen Wissen. Und dann fragen sie ihn mal, ab er eine "Schätzung" wagen würde, wie viel Prozent dieses Wissens nur aufgrund von Kirchlicher Quellen beruhen....
4. Ja ne is klar...
snickerman 01.09.2011
Und die Kirche hat ihr Wissen auch schön beschützt, damit es nur ausgewählten Personen zur Verfügung stand. In der Römerzeit konnten jedenfalls mehr Menschen lesen und schreiben als im Mittelalter. Die meisten antiken Texte sind im Übrigen zum großen Teil von den arabischen (und jüdischen) Wissenschaftlern übersetzt und benutzt worden und so zu uns gelangt- Das allerchristliche Venedig zerstörte 1204 bei der Eroberung Konstantinopels das, was von den Originaltexten noch übrig war, die den Brand der Bibliothek von Alexandria (und deren endgültige Zerstörung durch fanatische Christen) überstanden hatten. Erst die Renaissance (Wiedergeburt) brachte das Wissen um die Antike wieder zurück in die Welt und begründete damit die moderne Sicht und die heutigen Wissenschaften. PS: Einige der antiken Texte, die der Forist holgerson vielleicht meint, wurden eher durch Zufall in Klosterbibliotheken wiedergefunden- man hatte die alten Pergamente abgeschabt und mit erbaulichen christlichen Traktaten vollgekritzelt oder sie als Füllmaterial in Bibeleinbänden verwendet...
5. Differenzierung gefällig?
grübelitis 01.09.2011
Was glauben sie wo unser Wissen über die antike Welt herkommt? Gerade die Kirchen speziell die Klöster waren es doch, die das "Wissen" über Jahrhunderte als einzige Institution "sicherte"!
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