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Angst vor der Schweinegrippe: Die Mär vom Risiko der Impfverstärker

Von Cinthia Briseño

Eine Ketten-E-Mail sorgt für Verunsicherung bei vielen Deutschen: Squalen, ein Bestandteil des Wirkverstärkers im Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix, soll Ursache für das Golfkriegssyndrom sein. Doch Experten bestreiten einen Zusammenhang mit den rätselhaften Krankheitssymptomen bei Soldaten.

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REUTERS

Impfung: Inhaltsstoffe des Wirkverstärkers sorgen für Verunsicherung

"Geben Sie diese E-Mail an möglichst viele Ihrer Bekannten weiter." Ein harmloser Satz, heutzutage enden viele elektronische Nachrichten so oder ähnlich. In möglichst kurzer Zeit sollen sie in möglichst vielen Postfächern landen. Mal versprechen sie ihrem Empfänger das Glück auf Erden, mal berichten sie von schweren Schicksalsschlägen, und oft werden sie nur in die Welt entsandt, um Werbung für potenzsteigernde Pillen und andere Mittelchen zu machen.

Der Kettenbrief von Juliane Sacher hatte eine andere Absicht: Die Frankfurter Fachärztin für Allgemeinmedizin wollte ihre Mitmenschen über die schweren Nebenwirkungen aufklären, die die Schweinegrippe-Impfung mit sich bringen kann. Ihre Behauptung: Squalen, ein Bestandteil des Wirkverstärkers AS03, der auch in Pandemrix enthalten ist, stehe im Verdacht, das Golfkriegssyndrom auszulösen. Das Syndrom trat bei amerikanischen und britischen Soldaten auf, die zur Zeit des ersten Golfkriegs im Irak prophylaktisch gegen Anthrax geimpft worden waren und später an einem diffusen Krankheitsbild litten, mit Symptomen wie Muskel- und Kopfschmerzen, Depressionen bis hin zu chronischer Müdigkeit.

Sachers Vorstoß ist nicht neu. Seit vielen Jahren verschickt die Medizinerin nach eigenen Angaben impfkritische Warnungen. In ihrer Praxis bietet sie unter anderem "Krebsbehandlung durch Ernährung" an. Sie legt Wert, wie sie selbst schreibt, auf biologische, nicht-toxische Verfahren und Präparate. Die Frankfurter Ärztin ist auch schon mit anderen gewagten Aussagen aufgefallen - wie etwa der, dass das HI-Virus nicht zwangsläufig als Ursache für die Krankheit Aids anzusehen sei.

Von Sachers impfkritischen E-Mails nahm in den vergangenen Jahren bisher kaum jemand Notiz. In diesem Jahr ging ihre Rechnung plötzlich auf: Getrieben durch die Unsicherheit vieler Bürger über die möglichen Risiken und Nebenwirkungen der Schweinegrippe-Impfung, kursiert ihre E-Mail seit einigen Wochen im Internet. In unzähligen Blogs und Foren wird über Sachers Warnung und die Gefahren von Squalen - einer organischen Verbindung, die auch im Fettstoffwechsel eine Rolle spielt - diskutiert. Auch die Redaktion von SPIEGEL ONLINE hat bereits zahlreiche E-Mails von Lesern erhalten, die fragen, was an der Squalen-Geschichte dran sei.

Chronische Müdigkeit als Folge von Squalen-Antikörpern

Auf den ersten Blick mag Sachers Nachricht für den Laien seriös klingen. Die Medizinerin führt an, bei 95 Prozent der geimpften Soldaten mit Golfkriegssyndrom seien Squalen-Antikörper gefunden worden, die der Körper als Reaktion auf eine squalenhaltige Impfung gebildet habe. Dagegen habe man bei den geimpften Nicht-Erkrankten keinerlei Squalen-Antikörper gefunden. Weiter schreibt sie: "Wenn die Bundesregierung ihren Willen durchsetzt und 35 Millionen Menschen geimpft werden, ist damit zu rechnen, dass acht bis neun Millionen Bundesbürger für die nächsten Jahrzehnte unter chronischer Müdigkeit und dergleichen leiden werden."

Impfkritiker wie Sacher berufen sich auf eine Studie amerikanischer Forscher der Tulane Medical School in New Orleans, die im Jahr 2000 veröffentlicht wurde. Vor einem Jahr, im November 2008, kam eine vom US-Kongress beauftragte Untersuchungskommission allerdings zu einem anderen Ergebnis. Dafür hatte eine Reihe von unabhängigen Wissenschaftlern die gesamte Forschungsliteratur zum Thema ausgewertet.

In ihrem insgesamt über 500-seitigen Bericht kritisiert die Kommission die Studie aus Tulane als nicht aussagekräftig. Demnach sei der Antikörpertest nicht valide und die Probandenzahl von 38 Personen zu klein gewesen. Zudem habe die gleiche Forschergruppe ihr Ergebnis in einer weiteren Studie mit nur 38 Probanden nicht bestätigen können. Und, so die Untersuchungskommission: Der Anthrax-Impfstoff, der den Soldaten verabreicht wurde, enthält überhaupt kein Squalen als Wirkverstärker-Bestandteil. Stattdessen wurde nach Angaben der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA Aluminiumhydroxid verwendet.

"Es wäre falsch, derartige Schlussfolgerungen zu ziehen"

Carlos Guzmán, Leiter der Abteilung Vakzinologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig, sieht die Lage ähnlich. "Es wäre falsch, aus der Tulane-Studie derartige Schlussfolgerungen zu ziehen", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Guzmán ist Experte für Adjuvanzien. Er und seine Kollegen arbeiten an der Entwicklung neuartiger Wirkverstärker, die zum einen weniger Nebenwirkungen hervorrufen, zum anderen die Immunität gegen den Erreger verstärken sollen. Zudem, kritisiert Guzmán, habe man in späteren Studien mit geprüften Antikörpertests Squalen-Antikörper ebenfalls in Personen gefunden, die nicht gegen Anthrax geimpft worden seien.

Auf ihrer Internetseite rudert Sacher inzwischen zurück. "In meiner Ursprungsmail habe ich mich auf Arbeiten bezogen, die einen Zusammenhang zwischen Squalen und Golfkriegssyndrom gesehen haben. Ich gebe zu, dass das nicht so geschickt war, weil einige Autoren später darlegten, dass das Syndrom nichts mit Squalen zu tun gehabt haben kann, weil in dem Impfstoff kein Squalen vorhanden gewesen sein soll." Auf die Anfragen von SPIEGEL ONLINE hat Sacher bisher nicht geantwortet.

Inzwischen haben auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf die Verbreitung der Ketten-E-Mail reagiert und Gegendarstellungen auf ihren Internetseiten veröffentlicht. Auf der PEI-Seite heißt es: Bezogen auf den Impfstoff Pandemrix, das das squalenhaltige Adjuvans AS03 enthält, wurde es "inzwischen in klinischen Studien bereits bei mehr als 30.000 Probanden eingesetzt, ohne dass es auffällige Nebenwirkungen gegeben hätte."

Schweinegrippe - Impfmöglichkeiten in den Bundesländern
Bundesland Impfmöglichkeit Telefon-Beratung
Baden-Württemberg Arztsuche im Netz --
Bayern Liste der Impfpraxen 089-31560101
Berlin Arztsuche im Netz Telefonberatung der Bezirke
Brandenburg Liste der Impfpraxen Liste der Gesundheitsämter
Bremen Liste der Impfpraxen 0421-361–14444
(Bremerhaven: 0471-596-14444)
Hamburg Liste der Impfstellen 040-428373795
Hessen Liste der Gesundheitsämter 0180/1030300
Mecklenburg-Vorpommern Liste der Gesundheitsämter --
Niedersachsen Liste der Impfpraxen 0180-1155511
Nordrhein-Westfalen Liste der Gesundheitsämter 0180-3100210
Rheinland-Pfalz Liste der Impfpraxen 06131-165200
Saarland Liste der Impfpraxen 0681-5013694 und 95
Sachsen Liste der Gesundheitsämter 0351-564-5555
Sachsen-Anhalt Liste der Impfpraxen 0391-5377111
Schleswig-Holstein Liste der Impfpraxen 0431-1606666
Thüringen Liste der Impfpraxen 0361-37743099
Squalen ist eine organische Verbindung, die vom menschlichen Körper in der Leber produziert wird und vor allem eine wichtige Rolle im Stoffwechsel bei der Biosynthese von Cholesterin spielt - ohne Squalen ist der Mensch nicht lebensfähig. Diese Tatsache allein reicht aber nicht aus, um Squalen als unbedenklich zu klassifizieren. In der Tat zeigt sich die FDA bisher eher vorsichtig im Umgang mit Wirkverstärkern. Zumindest enthalten die in den USA zugelassenen Impfstoffe gegen die Schweinegrippe keine Adjuvanzien. Allerdings liegt das weniger am Squalen als vielmehr daran, dass man die Risiken einer überschießenden Immunreaktionen eingrenzen möchte. Und auch in Deutschland raten viele Ärzte, Kinder und Schwangere nur mit einem nicht-adjuvanzierten Präparat impfen zu lassen.

Impfgegner bringen Squalen aber auch in Verbindung mit weiteren schweren Nebenwirkungen, darunter Autoimmunerkrankungen wie Arthritis. "Die bisherigen Studien wurden nur an Mäusen und Ratten durchgeführt und sind widersprüchlich", sagt Guzmán. Er selbst sei auch bereits gegen die Schweinegrippe geimpft. Aber auch wenn bisher keine Beweise für schädliche Nebenwirkungen auftraten, so Guzmán, müsse man das Thema weiterhin verfolgen - bevor man mögliche Nebenwirkungen von Squalen ganz ausschließen könne.

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Forum - Grippeimpfung - ist die Schweinegrippe eine reale Bedrohung?
insgesamt 2572 Beiträge
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1.
Genta Micin 24.10.2009
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Momentan ist sie sicher gering, aber ob und wann sich das ändern wird, weiß niemand.
2.
Orthogräfin, 24.10.2009
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Warum dieser neue Thread? Reichen mehr als 1000 Antworten (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=8487) im Forum "Gesellschaft" nicht für die Page Impressions? Wozu das alles nochmal durchkauen?
3.
Maschinchen, 24.10.2009
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Wie real die Bedrohung ist, kann noch nicht einmal von Expertenseite bemessen werden. Bislang verlaufen die Fälle - zum Glück - glimpflich. Das muss aber nicht zwangsläufig so bleiben. Um gemäß des Vorsorgeprinzips den pandemischen worst case zu verhindern, ist es daher unbedingt notwendig, flächendeckend zu impfen. Wer sich einer Impfung gegen die neue Grippe aus welchen Gründen auch immer entzieht, gefährdet seine und die Gesundheit seiner Mitmenschen.
4. Wenn
saul7 24.10.2009
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
man die mediale Geschäftigkeit um das Thema zugrunde legt, drängt sich einem der Eindruck auf, dass bereits eine reale Bedrohung vorliegen könnte. Das ist aber mitnichten so. Die Zahlen der weltweit Erkrankten und an der Infektion Verstorbenen sprechen eine andere Sprache. Es gibt derzeit keinen Anlass zur Panik oder Hysterie.
5. nein
isnogud75 24.10.2009
Zitat von sysopBundesweite Impfaktionen, heftige Diskussionen um Impfstoffe und die Möglichkeit einer Pandemie beschäftigen seit Monaten Politik, Medien und Öffentlichkeit in Sachen Schweinegrippe. Wie real ist die Bedrohung durch die Krankheit wirklich?
Die Bedrohung durch die Schweinegrippe existiert zur Zeit zum Glück nur in den Köpfen der Politiker und Pharmalobbyisten. Von einer Pandemie dagegen kann man nur sprechen, wenn man weltweit mit Millionen von Toten rechnen muß. Solange aber durch die sogenannte Schweinegrippe nur genauso wenige Leute sterben wie durch die "klassische" Grippe, haben wir es hier nur mit Panikmache und Hysterie zu tun.
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Acht Fragen zur Schweinegrippe
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Wie kann man sich schützen?
Ausschließen kann man eine Infektion nie. Dennoch können bestimmte Maßnahmen die Verbreitung des H1N1-Virus (und auch vieler anderer Viren) effektiv senken. Im September 2009 veröffentlichten Forscher im Fachblatt "British Medical Journal" eine statistische Auswertung von insgesamt 58 Studien über präventive Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung. Das Ergebnis: Vor allem häufiges Händewaschen und die Isolation infizierter Patienten verhindert die rasche Ausbreitung des Virus. Unter wir-gegen-viren.de gibt das Robert Koch-Institut neun Tipps, um die Ansteckungsgefahr zu senken. Zu den wichtigsten Vorkehrungen gehören regelmäßiges Händewaschen, richtiges Husten und Schnäuzen, bei Verdacht auf Schweinegrippe zu Hause bleiben und Abstand von anderen Personen halten sowie regelmäßiges Lüften. Zudem rät die US-Gesundheitsbehörde CDC, den Haushalt möglichst sauber zu halten und beispielsweise Oberflächen von Möbeln regelmäßig zu reinigen und Kleidung regelmäßig zu waschen.
Wie verbreitet sich das H1N1-Virus?
Der wahrscheinlichste Ansteckungsweg des H1N1-Virus ist die sogenannte Tröpfcheninfektion. Es nistet sich in den Atemwegen ein, weshalb Tröpfchen aus dem Nasen- und Rachenraum gefährlich sind. Man kann sich bereits im Gespräch mit einer Person anstecken. Die ganz normale Atemluft der infizierten Person enthält Tröpfchen, die deren Gegenüber einatmen könnte. Gleiches gilt, wenn Menschen niesen oder husten. Mikroskopisch kleine Mengen reichen schon aus. Deshalb empfehlen viele Fachleute auch, Menschenansammlungen zu meiden. Das Virus überlebt aber auch einige Zeit außerhalb des Körpers. Man kann sich also anstecken, indem man Infizierten die Hand schüttelt oder Gegenstände anfasst, die Infizierte berührt haben. Wischt man sich danach durchs eigene Gesicht, hat es der Erreger in seinen neuen Wirt geschafft. Dieser Übertragungsweg heißt Schmierinfektion. Experten gehen davon aus, dass das H1N1-Virus bei einer Temperatur von 20 Grad Celsius für etwa zwei bis acht Stunden unversehrt bleibt. In einer feuchten Umgebung verlängert sich die Zeit auf bis zu vier Tage. Und in der Kälte, vor allem bei Minusgraden, ist das Virus fast unsterblich. Dagegen kann der H1N1-Erreger mit Hitze nur schwer umgehen. Bei 60 Grad und mehr stirbt er nach etwa 30 Minuten.
Welche Symptome treten auf?
Die Inkubationszeit des Virus beträgt in der Regel drei bis vier Tage. Meistens setzt das Krankheitsgefühl ganz plötzlich ein. Zu den häufigsten Symptomen zählen Fieber und Husten. Die Glieder und Muskeln können schmerzen, Atembeschwerden und Ausfluss aus Nase oder Augen können dazukommen. Anders als bei der saisonalen Influenza leidet bei der Schweinegrippe etwa jeder Vierte an Erbrechen oder Durchfall. Es gibt aber auch Menschen, an denen die Infektion spurlos vorbeiging.
Was tun bei Verdacht auf Schweinegrippe?
Bei Menschen, die sonst gesund sind, lautet der einfachste Rat: ins Bett legen und das eigene Immunsystem die Arbeit verrichten lassen. Schwangere oder chronisch Kranke - Diabetiker, Patienten mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Beschwerden beispielsweise - sowie ältere Patienten und Kinder sollten dagegen einen Arzt aufsuchen. Ist das Immunsystem zum Beispiel durch eine bereits vorhandene chronische Erkrankung geschwächt, kann es leichter zu einer zusätzlichen bakteriellen Infektion, wie etwa einer Lungenentzündung, kommen.
Helfen Medikamente nach einer Ansteckung?
Es gibt manche antivirale Medikamente wie Tamiflu, die Grippesymptome lindern können. Allerdings sind sie verschreibungspflichtig, und für die meisten Patienten gilt: Sie überstehen die Schweinegrippe genauso gut oder schlecht wie ohne Medikamente. Vor allem bei Kindern gilt größte Vorsicht mit Medikamenten. Sie sollten auf keinen Fall ohne ärztlichen Rat behandelt werden. Treten zusätzliche bakterielle Infektionen auf, sollte der Patient unter Umständen Antibiotika nehmen. Experten weisen zudem darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, vorsorglich antivirale Medikamente einzunehmen. Der Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, Heiko Schneidler, sagt, dass es dadurch zu Resistenzen der Viren kommen könnte.
Ist ein Mundschutz sinnvoll?
Das Robert Koch-Institut sagt zu Hygienemasken: "Über ihre Wirksamkeit während einer Pandemie liegen keine ausreichenden Daten vor. Sie sind deshalb nur ergänzend zu erwägen." Da die Masken nicht dicht abschließen, geraten Grippeviren trotzdem in die Atemluft. Und wer mit ungewaschenen Händen die Maske anlegt, bindet sich die Viren direkt unter die Nase. Zudem müssen die Masken alle paar Stunden gewechselt werden. Sinnvoll ist eine Hygienemaske, wenn überhaupt, nur für Erkrankte. Damit kann die Anzahl der Erreger, die dieser in die Luft ausatmet verringert werden. Staubmasken aus dem Baumarkt sind übrigens wirkungslos.
Wie weist man das Virus nach?
Ein zuverlässiger Test kostet in etwa 130 Euro. Bis das Ergebnis vorliegt, vergeht in etwa ein Tag. Nachdem sich die Grippe immer weiter ausbreitet, wird nur noch stichprobenartig auf den H1N1-Erreger untersucht. Man kann in der Apotheke auch Schnelltests kaufen, allerdings sind sie nicht sehr zuverlässig. Im Labor wird das H1N1-Virus mit Hilfe der sogenannten PCR-Technik nachgewiesen. Der Test ist positiv, wenn es gelingt, spezifische Teile des Virus-Erbguts im Reagenzglas zu vervielfältigen.
Kann sich der H1N1-Erreger verändern?
Das H1N1-Virus gehört zur Gattung der Influenza-A-Viren. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat. Die gewöhnliche Grippe (saisonale Influenza) tötet Schätzungen zufolge weltweit jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken. Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Sie findet statt, wenn sich in den Zellen eines Organismus die Erbgutinformation mehrerer Grippeviren-Typen neu kombiniert.

Schweinegrippe-Impfung
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Wer wird geimpft?
Jeder kann und sollte sich impfen lassen, empfehlen Experten. Laut Plan werden im ersten Schritt Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern geimpft sowie Feuerwehrleute, Polizisten und Justizvollzugsbeamte. Das soll im Fall von Masseninfektionen die medizinische Versorgung und die öffentliche Sicherheit sicherstellen. Auch Risikogruppen wie chronisch Kranke, Asthmatiker, Diabetiker und Fettleibige sollen bevorzugt geimpft werden. Schwangeren wird geraten, noch zu warten, bis ein spezieller Impfstoff ohne Zusätze vorliegt. Impfungen sind in Deutschland grundsätzlich freiwillig, eine Impfpflicht ist nicht geplant.
Womit wird geimpft?
In der EU sind bisher drei Impfstoffe zugelassen: Focetria, Pandemrix und Celvapan. Focetria und Pandemrix enthalten Adjuvantien, Stoffe, die eigentlich die Immunisierung verstärken sollen, aber auch die Nebenwirkungen der Impfung verstärken können. Celvapan kommt ohne Verstärker und Konservierungsstoffe aus. Pandremix ist für die Bevölkerung vorgesehen, Celvapan für Angehörige der Bundesregierung. Nur Schwangeren wollen die Bundesländern nachträglich eine Vakzine ohne Adjuvantien beschaffen. Bei den Wirkverstärkern handelt es sich um Öl-in-Wasser-Emulsionen, die unter anderem Squalen enthalten, eine aus Haifischleber gewonnene Substanz. Die Packungsbeilagen für alle drei Impfstoffe sind auf der Website der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA abrufbar: http://www.emea.europa.eu.
Wann wird geimpft?
Die Impfung gegen die Schweinegrippe hat in der letzten Oktoberwoche begonnen. Seit dem 2. November können sich auch Privatpersonen impfen lassen.
Wo wird geimpft?
Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Risikogruppen, die höher gefährdet sind, werden darüber informiert, wo sie geimpft werden können. Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie bei Polizei, Feuerwehr und Justizvollzug werden in der Regel am Arbeitsplatz geimpft. Für die Normalbevölkerung sind ausgewählte Impfpraxen und Gesundheitsämter zuständig. Welche das sind, erfährt man hier.
Was kostet das?
Die Kosten in Deutschland werden mit 500 bis 550 Millionen Euro Veranschlagt - die gesetzlichen Kassen gehen dagegen von bis zu einer Milliarde Euro aus. Die Impfung kostet die Versicherten nichts, da sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen die Kosten übernehmen.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Die Schweinegrippe-Impfung kann stärkere Nebenwirkungen verursachen als die übliche Grippeimpfung. Darauf weist der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, hin. Grund ist, dass in dem neuen Impfstoff die Wirkstoffmenge pro Dosis drastisch verringert wird und zugleich beigemischte Verstärkersubstanzen die Wirkung künstlich erhöhen sollen. Nur so ist es laut Löwer möglich, sehr viel mehr Impfstoff-Portionen herzustellen als üblich. Die beigemischten Verstärker (Adjuvantien) können jedoch unerwünschte Nebeneffekte auslösen. Geimpfte müssen mit Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle rechnen sowie teilweise mit mehrtägigen Kopf- und Gliederschmerzen. Aus diesem Grund empfehlen Mediziner Schwangeren und Kindern, sich nicht mit dem adjuvantienversetzten Impfstoff impfen zu lassen. Die Bundesregierung will für Schwangere einen adjuvantienfreien Impfstoff bestellen.
Was tun bis zur Impfung?
Aus Sicht von Experten bietet banale Alltagshygiene bereits relativ viel Schutz: häufiges Händewaschen, Niesen in die Ellenbeuge oder in ein Einmaltaschentuch, das sofort weggeworfen wird. Große Menschenansammlungen oder engen Kontakt zu Infizierten sollte man meiden. Die Behörden haben bis zum Start der Impfungen vor allem ein Ziel: Die Fallzahlen und damit auch die Zahl der schweren Erkrankungen oder Todesfälle so gering wie möglich zu halten.
Hotline der Bundesregierung
Unter 030-34 64 65 100 können sich Bürger über die Schweinegrippe informieren. Die Hotline des Bundesgesundheitministeriums ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zu erreichen. Auskünfte über dsa Influenzavirus erteilt das Robert-Koch-Institut unter der Rufnummer 030-18 75 44 161, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr.
Fotostrecke
Schweinegrippe: Die Seuche der Jungen


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