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Anti-Grippe-Mittel: Ärzte befürchten massive Tamiflu-Nebenwirkungen

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Medikament Tamiflu: "Wir müssen schnell wissen, was es mit den Nebenwirkungen auf sich hat." Zur Großansicht
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Medikament Tamiflu: "Wir müssen schnell wissen, was es mit den Nebenwirkungen auf sich hat."

Das Medikament Tamiflu soll im Falle einer aggressiven Schweinegrippe-Pandemie massenhaft zum Einsatz kommen. Doch aus Japan gibt es zahlreiche Berichte über angebliche Nebenwirkungen, vor allem bei jungen Patienten. Der Hersteller sagt, das habe nichts mit dem Medikament zu tun.

Für den Schweizer Pharmakonzern Roche ist das Anti-Grippe-Mittel Tamiflu der Verkaufsschlager schlechthin. Am Donnerstag verkündete das Unternehmen neun Prozent mehr Umsatz in den ersten drei Quartalen - vor allem dank der immer noch steigenden Verkaufszahlen von Tamiflu, das seit Jahresanfang 1,3 Milliarden Euro in die Kassen von Roche gespült hat.

Doch nun warnen Pharma-Experten im renommierten Fachblatt "The Lancet" vor möglichen gefährlichen Nebenwirkungen des Mittels und fordern, entsprechende Berichte schnell zu überprüfen. Das Medikament ist millionenfach von den Behörden eingelagert worden, um gegen die Schweinegrippe-Pandemie gewappnet zu sein. "Wir müssen schnell wissen, was es mit den Nebenwirkungen auf sich hat", sagt der Hauptautor der Studie, der Influenza-Experte Tom Jefferson von der Cochrane Collaboration, zu SPIEGEL ONLINE. Er hatte zuvor bereits die Vermutung geäußert, dass Grippemittel wie Tamiflu oder Relenza die Sterblichkeit bei Grippe nicht nachweislich senken. Die Dauer der Grippe werde im Durchschnitt um einen Tag verkürzt, sagte Jefferson im Sommer dem SPIEGEL.

"Geschockt, wie wenig die Behörden über Nebenwirkungen wissen"

In Japan, wo Tamiflu schon seit Jahren verschrieben und auch massenhaft eingenommen wird, vermuten Mediziner bei drei Prozent aller Heranwachsenden eine Verhaltensveränderung nach Einnahme von Tamiflu. Das Spektrum reiche von Halluzinationen bis hin zu Unfällen, die sich aufgrund der Persönlichkeitsveränderungen ereignet hätten. Jefferson hat zudem auf dem Rechtsweg bislang geheime Daten der US-Ernährungs- und Arzneimittelbehörde FDA besorgt, um nach möglichen weiteren Hinweisen auf psychiatrische Effekte zu fahnden. "Ich war erschrocken, wie wenig die Behörden eigentlich über die Nebenwirkungen von Tamiflu wissen", sagt Jefferson.

Insgesamt ist in "The Lancet" von 2275 Berichten über unerwünschte Nebenwirkungen die Rede. Bei Jugendlichen seien meist auffälliges Verhalten, Krämpfe, Delirium und Halluzinationen beobachtet worden. Ältere Personen hätten hingegen unter Erbrechen und Übelkeit gelitten. "Wir können nicht eindeutig sagen, ob Tamiflu diese psychiatrischen Effekte verursacht oder ob es mit der Grippe zusammenhängt", so Jefferson.

In jedem Falle sei es aber "äußerst merkwürdig", dass die Japaner auf drei Prozent solcher Nebenwirkungen bei Jugendlichen stießen, der Hersteller Roche in seinen Studien aber "keinen einzigen solchen Fall berichtet", so Jefferson. "Was wir jetzt brauchen, sind unabhängige Studien." Insbesondere, weil die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die amerikanische FDA das Präparat für unbedenklich zum massenhaften Gebrauch an Kindern und Jugendlichen erklärt hätten. "Die Zeit drängt", so Jefferson.

Roche sieht keine neue Faktenlage

Nach Ansicht der Herstellerfirma Roche ergibt sich durch den Bericht indes keine neue Faktenlage. Das teilte ein Firmensprecher auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit. Seit 1999 hätten sich Ärzte weltweit in knapp 60 Millionen Fällen entschieden, schwer erkrankte Influenza-Patienten mit Tamiflu zu behandeln. "Bei dieser Vielzahl von Behandlungen konnte bislang kein kausaler Zusammenhang zwischen der Einnahme des Wirkstoffs Oseltamivir und auffälligen psychiatrischen Verhaltensstörungen festgestellt werden", erklärte der Sprecher.

Patienten mit Influenza könnten durch hohes Fieber "ein abnormales Verhalten entwickeln", zum Beispiel im Form von Fieberträumen, Halluzinationen und Delirium. "Dies kann unabhängig davon vorkommen, ob die Patienten mit einer antiviralen Therapie behandelt werden oder nicht." Die aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation sowie der Seuchenbekämpfungsbehörden in den USA und Europa zur Therapie der Schweinegrippe würden diese Einschätzung unterstreichen.

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Forum - Schweinegrippe - wer profitiert von der Massenimpfung?
insgesamt 2233 Beiträge
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1. Weiterbeschäftigung
ZumPostwinkel 05.09.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Natürlich in erster Linie die Pharma-Industrie, namentlich GlaxoSmithKline, Novartis, Roche... Und natürlich die Politiker, die sich durch selbst inszenierte Panikmache als Hüter der Volksgesundheit darstellen möchten, sich aber insgeheim bereits einen Posten bei der Pharma-Industrie sichern, für den Fall, daß ihre erbärmliche Polit-Karriere zu Ende geht. Siehe Gas-Gerd und die Ostsee-Pipeline..
2.
Frosty127 05.09.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
3.
Frosty127 05.09.2009
Zitat von sysopDie Maßnahmen gegen die Schweinegrippe gipfeln in einer groß angelegten Massenimpfung, die schon kurz nach Ankündigung kritisiert wurde. Hohe Kosten, wenig Effizienz, so hieß es. Wie sinnvoll kann die Impfung noch sein? Wer profitiert davon?
Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
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ZumPostwinkel 05.09.2009
Zitat von Frosty127Wie der Vorredner schon sagte: Die Pharmabranche. Leider habe ich versäumt noch Aktien der Firmen zu kaufen. Dann könnte ich immerhin noch von der Panikmache profitieren ... Ich bin schon sehr gespannt, wer letztlich wirklich die Impfung in Anspruch nimmt.
Eine repräsentative SPIEGEL-Umfrage hatte jüngst ergeben, dass sich nur 13 Prozent der Deutschen gegen den Influenza-Erreger H1N1 immunisieren lassen wollen, weitere 25 Prozent wollen die Impfung "wahrscheinlich". Besonders impfmüde zeigten sich junge Menschen: Nur 28 Prozent aller 18- bis 29-Jährigen standen der Impfung positiv gegenüber.
5. Schweinegrippe
turkisharmy 05.09.2009
Gestern die Vogelgrippe,heute die Schweinegrippe,morgen die Pferdegrippe, übermorgen gibst die Rindergrippe, Affengrippe,Hundegrippe,Katzengrippe usw. und sofort. Bei Grippe hilft nur Hühnersuppe!!!!!
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Das Schweinegrippe-Virus
Der Erreger
Es handelt sich um ein Influenza-A-Virus mit der Bezeichnung H1N1, das sich von Mensch zu Mensch übertragen kann - vor allem durch Händeschütteln, Niesen und Husten. Ein H1N1-Virus war auch der Auslöser der Spanischen Grippe, die zwischen 1918 und 1920 weltweit mindestens 25 Millionen Menschen getötet hat.
Die Symptome
Die Schweinegrippe bewirkt ähnliche Symptome wie eine normale Grippe: plötzliches Fieber, Muskelschmerzen, trockener Husten und ein trockener Hals. Allerdings sind der einhergehende Durchfall und die Übelkeit stärker ausgeprägt.
Die Gefahr
Neue Virenstämme können sich rasch ausbreiten, weil es keine natürliche Immunität gibt und es Monate dauert, bis ein aktueller Impfstoff entwickelt und produziert ist. Der neue Stamm des Schweinegrippe-Virus unterscheidet sich vom älteren H1N1-Virus, gegen das die aktuellen Grippeimpfstoffe schützen. Die gewöhnliche Grippe tötet jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen, vor allem ältere Menschen. Die meisten sterben an Lungenentzündung. Auch gesunde Menschen können tödlich erkranken.
Antivirale Mittel
Nach derzeitigem Wissensstand bieten die Wirkstoffe Oseltamivir (Handelsname Tamiflu) und Zanamivir (Handelsname Relenza) Schutz gegen das Schweinegrippen-Virus. Diese Wirkstoffe behindern unspezifisch die Vermehrung von Influenza-A- und Influenza-B-Viren im Körper.
Wandlungsfähigkeit von Grippeviren
Grippeviren gehören zu den wandlungsfähigsten Erregern, die bekannt sind. Die Entwicklung gänzlich neuer Typen ist zwar selten, aber extrem gefährlich. Meist springen dabei irgendwo in der Welt Viren von Vögeln oder Schweinen auf den Menschen über. Wenn sie in dessen Körperzellen auf andere, ältere Grippeviren treffen, kann sich die Erbinformationen vermischen und neue Erreger hervorbringen.

Schweinegrippe-Impfung
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Wer wird geimpft?
Jeder kann und sollte sich impfen lassen, empfehlen Experten. Laut Plan werden im ersten Schritt Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern geimpft sowie Feuerwehrleute, Polizisten und Justizvollzugsbeamte. Das soll im Fall von Masseninfektionen die medizinische Versorgung und die öffentliche Sicherheit sicherstellen. Auch Risikogruppen wie chronisch Kranke, Asthmatiker, Diabetiker und Fettleibige sollen bevorzugt geimpft werden. Schwangeren wird geraten, noch zu warten, bis ein spezieller Impfstoff ohne Zusätze vorliegt. Impfungen sind in Deutschland grundsätzlich freiwillig, eine Impfpflicht ist nicht geplant.
Womit wird geimpft?
In der EU sind bisher drei Impfstoffe zugelassen: Focetria, Pandemrix und Celvapan. Focetria und Pandemrix enthalten Adjuvantien, Stoffe, die eigentlich die Immunisierung verstärken sollen, aber auch die Nebenwirkungen der Impfung verstärken können. Celvapan kommt ohne Verstärker und Konservierungsstoffe aus. Pandremix ist für die Bevölkerung vorgesehen, Celvapan für Angehörige der Bundesregierung. Nur Schwangeren wollen die Bundesländern nachträglich eine Vakzine ohne Adjuvantien beschaffen. Bei den Wirkverstärkern handelt es sich um Öl-in-Wasser-Emulsionen, die unter anderem Squalen enthalten, eine aus Haifischleber gewonnene Substanz. Die Packungsbeilagen für alle drei Impfstoffe sind auf der Website der Europäischen Arzneimittelbehörde EMEA abrufbar: http://www.emea.europa.eu.
Wann wird geimpft?
Die Impfung gegen die Schweinegrippe hat in der letzten Oktoberwoche begonnen. Seit dem 2. November können sich auch Privatpersonen impfen lassen.
Wo wird geimpft?
Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Die Risikogruppen, die höher gefährdet sind, werden darüber informiert, wo sie geimpft werden können. Beschäftigte im Gesundheitswesen sowie bei Polizei, Feuerwehr und Justizvollzug werden in der Regel am Arbeitsplatz geimpft. Für die Normalbevölkerung sind ausgewählte Impfpraxen und Gesundheitsämter zuständig. Welche das sind, erfährt man hier.
Was kostet das?
Die Kosten in Deutschland werden mit 500 bis 550 Millionen Euro Veranschlagt - die gesetzlichen Kassen gehen dagegen von bis zu einer Milliarde Euro aus. Die Impfung kostet die Versicherten nichts, da sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen die Kosten übernehmen.
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Die Schweinegrippe-Impfung kann stärkere Nebenwirkungen verursachen als die übliche Grippeimpfung. Darauf weist der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, hin. Grund ist, dass in dem neuen Impfstoff die Wirkstoffmenge pro Dosis drastisch verringert wird und zugleich beigemischte Verstärkersubstanzen die Wirkung künstlich erhöhen sollen. Nur so ist es laut Löwer möglich, sehr viel mehr Impfstoff-Portionen herzustellen als üblich. Die beigemischten Verstärker (Adjuvantien) können jedoch unerwünschte Nebeneffekte auslösen. Geimpfte müssen mit Schwellungen und Rötungen an der Einstichstelle rechnen sowie teilweise mit mehrtägigen Kopf- und Gliederschmerzen. Aus diesem Grund empfehlen Mediziner Schwangeren und Kindern, sich nicht mit dem adjuvantienversetzten Impfstoff impfen zu lassen. Die Bundesregierung will für Schwangere einen adjuvantienfreien Impfstoff bestellen.
Was tun bis zur Impfung?
Aus Sicht von Experten bietet banale Alltagshygiene bereits relativ viel Schutz: häufiges Händewaschen, Niesen in die Ellenbeuge oder in ein Einmaltaschentuch, das sofort weggeworfen wird. Große Menschenansammlungen oder engen Kontakt zu Infizierten sollte man meiden. Die Behörden haben bis zum Start der Impfungen vor allem ein Ziel: Die Fallzahlen und damit auch die Zahl der schweren Erkrankungen oder Todesfälle so gering wie möglich zu halten.
Hotline der Bundesregierung
Unter 030-34 64 65 100 können sich Bürger über die Schweinegrippe informieren. Die Hotline des Bundesgesundheitministeriums ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr zu erreichen. Auskünfte über dsa Influenzavirus erteilt das Robert-Koch-Institut unter der Rufnummer 030-18 75 44 161, montags bis donnerstags von 8 bis 18 Uhr.

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