Parteisponsoring Apotheker geben FDP kein Geld mehr

Mit großen Ständen war der Bundesverband der Apotheker immer auf den Treffen der FDP vertreten - doch seit die Liberalen der Branche Privilegien entziehen, kriselt es in der Freundschaft. Auf dem Bundesparteitag der FDP Anfang März werden die Pharmazeuten nicht mehr vertreten sein.

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Bundesgesundheitsminister Bahr: Apotheker kündigen ihm die Freundschaft
dapd

Bundesgesundheitsminister Bahr: Apotheker kündigen ihm die Freundschaft


Berlin - Normalerweise war der Bundesverband der Apotheker (ABDA) immer ganz vorn mit dabei: Auf Wahlparteitagen hatten die Pharmazeuten stets einen eigenen Stand aufgebaut. Gern gleich am Eingang, so dass alle Politiker und Gäste daran vorbeiliefen. Sowohl Ex-ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf als auch DAV-Chef Fritz Becker sollen dort den Kontakt zu Politikern gesucht haben, berichtet die "Deutsche Apotheker Zeitung" (DAZ) in ihrer Onlineausgabe. Doch damit sei nun Schluss. Auf dem vorgezogenen 64. Bundesparteitag der Freien Demokraten am 9. und 10. März in Berlin werde die ABDA mit keinem eigenen Stand vertreten sein.

Die Preise für die Standmiete auf Parteitagen unterliegen bei allen Parteien der Geheimhaltung, nur bei den Grünen können sie nachgeschlagen werden - hier liegt der normale Preis bei rund 5000 Euro. Bei der FDP sollen die Standmieten höher gewesen sein und damit deutlich über "normalen" Standmieten liegen, schreibt die "DAZ".

Apotheker wollen Sponsoring "neu ausrichten"

Seit Jahrzehnten gilt die FDP als die Partei, die mit Apothekern besonders eng verbunden ist. Doch schon länger kriselt es. Apotheker machen massiv gegen Gesundheitsminister Daniel Bahr Stimmung - sie protestieren etwa gegen das fortgesetzte Apothekensterben, gegen den Abbau von Privilegien. "Große Hoffnung" habe man auf Schwarz-Gelb gesetzt, hieß es etwa in der "PharmaRundschau". Doch mit Philipp Rösler und seinem Nachfolger im Ministerium ist es aus Sicht der Branche auch nicht besser geworden als unter Rot-Grün. Vom Saulus zum Paulus sei er geworden, beklagt das Blatt.

Seit im vergangenen Dezember bekannt wurde, dass ein Lobbyist der Pharmazeuten das Gesundheitsministerium ausspioniert haben soll, ist die Freundschaft auf dem Tiefpunkt angelangt. Bahr nutzte die Gelegenheit, herauszustellen, dass die Liberalen keineswegs allzu eng mit den Apothekern verbandelt seien. Die Spitzelaffäre müsse schnell aufgeklärt werden, dabei handele es sich "nicht um einen Zufall, sondern um eine gezielte Aktion". Bahr nannte keine Namen, keine Details, doch bei der ABDA hatte man die Botschaft verstanden.

Beim Apothekerverband will man von einer einseitigen Strafaktion gegen eine nicht mehr apothekerfreundliche FDP nichts wissen, erklärte ein Sprecher SPIEGEL ONLINE. Man wolle die Parteifinanzierung generell neu ausrichten, allerdings gebe es innerhalb des Verbands noch Klärungsbedarf. Auf einer eigenen Klausurtagung will man in Kürze entscheiden, wie die Apotheker in Deutschland mit dem Sponsoring von Parteien verfahren werden.

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de-fakto 13.02.2013
1. Wann ist die endlich weg vom Fenster
Zitat von sysopdapdMit großen Ständen war der Bundesverband der Apotheker immer auf den Treffen der FDP vertreten - doch seit die Liberalen der Branche Privilegien entziehen, kriselt es in der Freundschaft. Auf dem Bundesparteitag der FDP Anfang März werden die Pharmazeuten nicht mehr vertreten sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/apotheker-geben-fdp-kein-geld-mehr-a-883059.html
War mir schon immer klar, das die FDP eine reine Lobbyistenpartei ohne sonstigem Anspruch ist Die sollten sich reformieren und offen zu ihrer Klientel bekennen. Hotel-Spielotheken-Ärzte-und Apothekerpartei Deutschländ würde die Partei schon treffend benennen.
quark@mailinator.com 13.02.2013
2. Wieso ?
Wieso kann es überhaupt private Parteienfinanzierung geben ? Ist doch klar, daß das zu Interessenkonflikten führt und die Demokratie unterläuft.
CyberDyne 13.02.2013
3. Bei guten, treuen Freunden ...
Zitat von sysopdapdMit großen Ständen war der Bundesverband der Apotheker immer auf den Treffen der FDP vertreten - doch seit die Liberalen der Branche Privilegien entziehen, kriselt es in der Freundschaft. Auf dem Bundesparteitag der FDP Anfang März werden die Pharmazeuten nicht mehr vertreten sein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/apotheker-geben-fdp-kein-geld-mehr-a-883059.html
... die einem so hilfreich beim abkassieren zur Seite stehen, Gesetze nach dem Willen der Pharma-, Apotheker- und Arzteverbänden gestalten, oder am besten gleich selbst von ihnen schreiben lässt, zahlt man doch gerne etwas mehr! Schließlich ist das eine einträgliche Investition, das Geld und kommt tausendfach wieder auf das Konto der Apotheker und den anderen, üblichen Verdächtigen zurück! Was ist los, knatsch in der Ehe? Gar Scheidung? Verlassen die Ratten das sinkende Schiff?
ptb29 13.02.2013
4. Das Verhalten der Apotheker
zeigt doch, was für eine Lobbypartei die FDP ist. Ohne Spenden keine Lobbyarbeit. Dabei sollten die Politiker dem ganzen Volk verpflichtet sein.
vincent1958 13.02.2013
5. ???
Zitat von de-faktoWar mir schon immer klar, das die FDP eine reine Lobbyistenpartei ohne sonstigem Anspruch ist Die sollten sich reformieren und offen zu ihrer Klientel bekennen. Hotel-Spielotheken-Ärzte-und Apothekerpartei Deutschländ würde die Partei schon treffend benennen.
..was gibts denn da zu reformieren...?
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