Atemluft-Proben: Hunde können Lungenkrebs riechen

Dank ihrer feinen Nase sind Hunde in der Lage, Krebskranke von Gesunden zu unterscheiden. Der Geruchssinn der Tiere gibt Forschern freilich ein Rätsel auf - denn sie wissen nicht, welche Substanz die Hunde da eigentlich erschnüffeln.

Hund schnüffelt an Atemprobe: Vierbeiner erkennen, wenn jemand an Lungenkrebs leidet Zur Großansicht
Robert-Bosch-Krankenhaus

Hund schnüffelt an Atemprobe: Vierbeiner erkennen, wenn jemand an Lungenkrebs leidet

Hamburg - Hunde können erschnüffeln, ob ein Mensch an Lungenkrebs leidet - und zwar unabhängig davon, ob der Erkrankte raucht oder die Lungenkrankheit COPD hat. In einer in Deutschland durchgeführten Studie erkannten vier Hunde in 71 von 100 Fällen den Krebs. Zudem ordneten sie 372 von 400 Atemproben von Gesunden richtig zu, berichtet das Team im "European Respiratory Journal". Trainiert wurden die Vierbeiner lediglich elf Wochen lang.

Die Forscher bestätigten damit Ergebnisse früherer Studien, in denen Hunde Atemproben von an Brust-, Lungen- oder Darmkrebs Erkrankten richtig identifizierten. "Die Hunde zeigen uns, dass es etwas in der Atemluft von Lungenkrebskranken gibt, was nicht in der Atemluft Gesunder zu finden ist. Da es bisher keine Früherkennungsmethoden für Lungenkrebs gibt, ist auch das schon eine wertvolle Erkenntnis", sagt Enole Boedeker von der Klinik Schillerhöhe in Gerlingen (Kreis Ludwigsburg) im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Welche Substanzen die Hunde erschnüffeln, müssen Wissenschaftler jedoch noch herausfinden. Im Klinikalltag werden Krebs erschnüffelnde Hunde in naher Zukunft ohnehin nicht auftauchen. "Zum einen ist die Quote, mit der sie Proben von Gesunden und Krebskranken unterscheiden, noch nicht gut genug", sagt Boedeker. Das ließe sich eventuell durch intensiveres Training ändern. Zum anderen brauche ein Hund auch einen Halter, eine Bezugsperson und könne keinesfalls den gesamten Tag schnüffeln. "Das ist anstrengend für die Tiere", sagt die Ärztin.

Wenn sich herausstellen sollte, dass Hunde viel besser sind als elektronische Messmethoden, würde man sicher versuchen, sie trotzdem bei der Krebsfrüherkennung einzusetzen, vermutet Boedeker. Eventuell können jedoch auch sogenannte elektronische Nasen irgendwann die Arbeit übernehmen, die krebsspezifischen Substanzen in Atemproben zu identifizieren. Das hätte den großen Vorteil, dass die Erfolgsquote der Geräte - im Gegensatz zum Hund - nicht von der Tagesform beeinflusst würde.

Lungenkrebs ist nach Angabe des Robert Koch-Instituts die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern und Frauen in Deutschland. 2006 erhielten rund 47.000 Menschen die Diagnose Lungenkrebs, fast 41.000 starben im selben Jahr an dieser Erkrankung.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wissenschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Medizin
RSS
alles zum Thema Lungenkrebs
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback