Augenkrankheit US-Firma testet Stammzelltherapie an Patienten

Aufwind für Stammzellforscher: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine weitere Studie an Patienten genehmigt. Ein Biotech-Firma will eine neue Therapie gegen eine vererbte Augenkrankheit testen. Das eingesetzte Verfahren soll ethische Debatten umschiffen.

Im Labor: Stammzellen werden vermehrt, ehe sie zum Einsatz kommen
AP

Im Labor: Stammzellen werden vermehrt, ehe sie zum Einsatz kommen


Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Test einer weiteren Stammzelltherapie an Patienten genehmigt. Das Biotech-Unternehmen Advanced Cell Technology (ACT) will mit der Methode Menschen mit Morbus Stargardt behandeln.

Die Augenkrankheit ist eine seltene Form der Makuladegeneration, die vererbt wird und bereits in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter ausbricht. In Deutschland leben nach Angaben der Selbsthilfegruppe Pro Retina rund 8000 Betroffene. Erkrankte verlieren einen großen Teil ihres Sehvermögens, erblinden jedoch in aller Regel nicht. Bisher gibt es keine Möglichkeit, das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten. ACT plant jetzt, in einer ersten Studie zwölf Patienten mit Stammzellen zu behandeln.

Die Forscher bringen dafür embryonale Stammzellen im Labor dazu, sich zu Pigmentepithelzellen zu entwickeln - diese Zellen werden beim Morbus Stargardt zerstört. Den Patienten sollen die Zellen ins Auge gespritzt werden. Die Hoffnung ist, dass sich das Gewebe dadurch regeneriert. Nach Aussagen von ACT zeigte die Methode bei Tests an Ratten und Mäusen großes Potential.

Keine Embryonen zerstört

Die embryonalen Stammzellen gewinnt ACT eigenen Angaben zufolge aus überzähligen Embryonen aus reproduktionsmedizinischen Zentren. Die Wissenschaftler zerstören diese Embryonen nicht, sondern entnehmen lediglich in einem frühen Stadium eine von acht Zellen. Dies passiert auch, wenn Ärzte einen Embryo vorab auf schwere Gendefekte untersuchen wollen - eine normale Entwicklung ist trotz der entnommenen Zelle noch möglich.

ACT hofft, auf diese Weise die ethische Debatte zu entschärfen, die um den Einsatz embryonaler Stammzellen geführt wird. Die Methode hat viele Kritiker, da bisher unweigerlich Embryonen zerstört wurden, um die begehrten Zellen zu gewinnen.

Robert Lanza, der medizinische Leiter des Unternehmens, betont, dass es ausgesprochen schwierig war, die Genehmigung der FDA zu erhalten. Denn als Gefahr beim Einsatz embryonaler Stammzellen sehen Forscher die Entstehung von Krebs. Lanza sagt jedoch, das Unternehmen sei in der Lage, sogar eine einzelne Zelle zu finden, aus der sich ein Geschwür entwickeln würde. Solche Zellen würden dann gezielt vor der Behandlung entfernt. Hauptziel der ersten Studie mit Patienten ist es, die Sicherheit der Methode zu überprüfen.

Es ist geplant, dass die Studie an den Universitäten in Massachusetts und Oregon stattfindet. Laut Lanza könnte sie bereits in zwei oder drei Monaten starten.

Im Oktober berichtete das US-Unternehmen Geron, dass es einen teilweise gelähmten Patienten mit Stammzellen behandelt hat.

wbr/rtr



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