Medizin-Nobelpreis: Auktionshaus versteigert Francis Cricks Medaille

Medizin-Nobelpreis: Auktionshaus versteigert Francis Cricks Medaille Fotos
DPA/ Heritage Auctions

Er entschlüsselte die Struktur der DNA: In New York wird die Nobelpreismedaille von Francis Crick versteigert. Außerdem kommt ein Brief mit seinen ersten DNA-Zeichnungen unter den Hammer. Diesen schrieb der Forscher 1953 an seinen zwölfjährigen Sohn.

1962 erhielt Francis Crick zusammen mit James Watson den Medizin-Nobelpreis für die Erforschung der Desoxyribonukleinsäure DNA. Am Donnerstag soll die 23-Karat-Goldmedaille des 2004 verstorbenen Briten in New York unter den Hammer kommen. Das Auktionshaus Heritage Auctions will das Stück für mindestens eine halbe Millionen Dollar (380.000 Euro) versteigern.

Nach dem Tod von Cricks Witwe wurde die Medaille in einem Safe in Kalifornien verwahrt. Seine Nachkommen gaben das Stück nun zusammen mit neun weiteren Objekten zur Auktion frei. Unter den Hammer kommen neben der Medaille und dem zugehörigen Scheck diverse Bücher, Cricks Gartenzeitschriften sowie ein Laborkittel, auf dem eine einfache Helix abgebildet ist.

"Es ist jetzt 50 Jahre her, dass Francis Crick den Nobelpreis bekommen hat", sagt dessen Enkeltochter Kindra Crick. "Mit der Auktion wird die Medaille endlich öffentlich verfügbar." Mindestens 20 Prozent des erzielten Preises soll an das Francis Crick Institute in London gehen. Die Familie wird durch die Auktion über eine Millionen Dollar (etwa 765.000 Euro) einnehmen.

Christie's versteigert persönlichen Brief

Am Mittwoch will das Auktionshaus Christie's zudem einen Brief versteigern, den Crick 1953, kurz nach der Entdeckung der DNA-Struktur, an seinen zwölfjährigen Sohn, schrieb: "Jim Watson und ich haben wahrscheinlich eine wichtige Entdeckung gemacht", beginnt der Brief. Er beinhaltet eine ausführliche Beschreibung und Erklärungungen für seinen Sohn. "Du kannst dir vorstellen, dass wir sehr aufgeregt sind."

Der Brief wird nach Schätzungen des Auktionshauses zwischen einer und zwei Millionen Dollar bringen. Die Hälfte soll das Salk Institute for Biological Studies in La Jolla bekommen, wo Crick zuletzt arbeitete.

Cricks Familie hofft, dass die Nobelpreismedaille öffentlich ausgestellt wird. "Das ist aber überhaupt nicht garantiert", sagte Soraya de Chadarevian von der University of California dem Fachmagazin "Nature". Sie hält den Brief aber sowieso für historisch wesentlich bedeutender als die Medaille, weil er eine frühe Skizze der DNA-Doppelhelix enthält. "'Dieser wäre gut in einem Archiv aufgehoben."

Crick hat seine Paper bereits an die biomedizinische Wohltätiskeitsorganisation Welcome Trust in London verkauft, die mit dem Francis Crick Institute verbunden ist. Der Bibliothekleiter der Organisation Simon Chaplin schlägt vor, die Habseligkeiten des Forschers in Londons Wissenschaftsmuseum auszustellen. Dort steht bereits eine Rekonstruktion von Watson und Cricks erstem Model der DNA-Doppelhelix, zusammen mit Teilen des Originalmodells, das zerstört wurde.

Heritage Auctions berichtet, am Donnerstag werde zum ersten Mal eine Nobelmedaille bei einer öffentlichen Auktion verkauft. Generell die erste Versteigerung der Art ist das Event aber nicht: Erst 2012 wurde die Medaille, die Aage Niels Bohr 1975 für die Erforschung des Atomkerns bekommen hat, von einem dänischen Auktionshaus für knapp 37.000 Euro versteigert. Niels Bohr, Vater von Aage Niels Bohr, und Medizinnobelpreisträger August Krogh versteigerten ihre Medaillen 1940, um die Menschen in Finnland während des zweiten Weltkriegs zu unterstützen.

jme

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Eine halbe Milliarde Dollar?
Rapporteur 10.04.2013
Oder 380.000 Euro?
2. Da hat wohl jemand geschlafen
denwillmann 10.04.2013
Seit wann sind eine halbe Millionen Dollar (380 Millionen Euro) ?^^ Und darunter : Die Familie wird durch die Auktion über eine Millionen Dollar (etwa 765 Millionen Euro) einnehmen.
3. Ist ja ein toller Wechselkurs
krtschil 10.04.2013
1 Million Dollar = 750 Millionen Euro ...
4. Gut, daß die Medaille aus Gold ist
cassandros 10.04.2013
Zitat von RapporteurOder 380.000 Euro?
"Das Auktionshaus Heritage Auctions will das Stück für mindestens *eine halbe Millionen Dollar (380 Millionen Euro) *versteigern. ... Die Familie wird durch die Auktion über *eine Millionen Dollar (etwa 765 Millionen Euro*) einnehmen." Daß der Euro durch die Schuldenkrise an Wert verloren hat, wußte ich. Daß es aber so schlimm ist ....!! "Der Bibliothekleiter der Organisation Simon Chaplin schlägt vor, die Habseligkeiten des Forschers in Londons Wissenschaftsmuseum auszustellen." Hoffentlich fällt der arme Mann bei der Arbeit nicht von der "Bibliothekleiter".
5. Eine halbe Millionen Dollar?
juliamerlot 10.04.2013
Da ist in der Tat ein Fehler passiert. Das Auktionshaus Heritage Auctions hofft die Medaille für 500.000 US Dollar zu verkaufen. Das entspricht etwa 380 Tausend Euro. Später im Text war von einer Millionen Dollar die Rede, die mit etwa 765 Millionen Euro übersetzt werden. Auch das stimmt natürlich nicht. Ich habe die Fehler verbessert und bitte sie zu entschuldigen.
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Nobelpreisträger-Quiz

Medizin-Nobelpreisträger seit 1999
2014
2013
2012
John Gurdon (Großbritannien) und Shinya Yamanaka (Japan) für die Entdeckung, dass sich reife Zellen in pluripotente Stammzellen umprogrammierenlassen.
2011
Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems. Ralph Steinman aus Kanada entdeckte Zellen, die das erworbene Immunsystem aktivieren. Er war kurz vor der Verkündung gestorben und bekam den Preis posthum.
2010
Robert Edwards (Großbritannien) erhält die Auszeichnung für die Entwicklung der künstlichen Befruchtung.
2009
Elizabeth Blackburn , Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung. Die Wissenschaftler entdeckten und charakterisierten das Enzym Telomerase, das für die Stabilität des menschlichen Erbguts wichtig ist.
2008
Harald zur Hausen (Deutschland) für die Entdeckung der Papillomaviren , die Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie die Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aids-Erregers HIV.
2007
Mario R. Capecchi , Oliver Smithies (beide USA) und Sir Martin J. Evans (Großbritannien) für eine genetische Technik, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen.
2006
Die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.
2005
Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.
2004
Richard Axel und Linda Buck (beide USA) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.
2003
Paul C. Lauterbur (USA) und Sir Peter Mansfield (Großbritannien) für ihre wesentlichen Beiträge zur Anwendung der Kernspintomografie in der Medizin als neuartiges und schonendes Diagnoseverfahren.
2002
Sydney Brenner (Großbritannien), H. Robert Horvitz (USA) und John E. Sulston (Großbritannien) für die Erforschung des programmierten Zelltods (Apoptose) als Grundlage zum Verständnis von Krebs, Aids und anderen Krankheiten.
2001
Leland H. Hartwell (USA), Sir Paul M. Nurse (Großbritannien) und R. Timothy Hunt (Großbritannien) für Erkenntnisse über die Zellteilung, die neue Wege in der Krebstherapie ermöglichen.
2000
Arvid Carlsson (Schweden), Paul Greengard (USA) und Eric Kandel (USA) für ihre Entdeckungen zur Signalübertragung im Nervensystem.
1999
Günter Blobel (USA) für seine Arbeiten über den Transport von Proteinen in der Zelle.