Auswertung WHO sieht möglichen Zusammenhang zwischen Handys und Krebs

Die Weltgesundheitsorganisation hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten ausgewertet - und sieht einen möglichen Zusammenhang zwischen Handy-Nutzung und seltenen Hirntumoren. Einen Beweis, dass die Strahlung den Krebs verursacht, gibt es allerdings weiterhin nicht.

Frau mit Mobiltelefon am Ohr: Strahlen "möglicherweise krebserregend"
REUTERS

Frau mit Mobiltelefon am Ohr: Strahlen "möglicherweise krebserregend"


London - Häufiges Telefonieren mit einem Handy könne "möglicherweise krebserregend" sein, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Häufiger Gebrauch von Mobiltelefonen könnte das Risiko von Hirntumoren erhöhen, heißt es in einer Bewertung, die eine 31-köpfigen Expertengruppe der Internationalen Krebsforschungsagentur IARC die am Dienstag vorgestellt hat.

Die Fachleute aus 14 Ländern haben keine neuen Daten erhoben, sondern die Erkenntnisse als den bislang verfügbaren wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Krebs durch Rundfunk- und Handystrahlung bewertet. Darunter war auch eine Studie aus dem letzten Jahr, in der fast 13.000 Mobiltelefonnutzer über zehn Jahre lang beobachtet wurden. Die Studie kam damals zu keinem eindeutigen Ergebnis - ebenso wie alle anderen großen Untersuchungen.

Im Ergebnis stufen die Experten hochfrequente elektromagnetische Strahlung, die von Handys, aber auch von Rundfunk und Radar ausgeht, als "möglicherweise krebserregend" ("possibly carcinogenic") ein. Zwar gebe es bislang keine eindeutigen Beweise für Gesundheitsrisiken durch das Telefonieren, sagte der Leiter einer Expertenrunde, Jonathan Samet, am Dienstag nach achttägigen Beratungen im französischen Lyon. Die hochfrequente elektromagnetische Strahlung von Handys führe aber möglicherweise zu einem erhöhten Risiko, an einer seltenen Art von Hirntumor, einem sogenannten Gliom, zu erkranken. Das höchste Risiko haben demnach Vieltelefonierer.

Experten sehen nach wie vor keinen kausalen Zusammenhang

Die IARC bezieht sich dabei unter anderem auf die Interphone-Großstudie, die in 13 Staaten durchgeführt worden war. Insgesamt kamen unter den Hunderttausenden Menschen, deren Daten in das Projekt eingeflossen waren, 2708 sogenannte Gliome und 2409 Meningeome vor. Einen handfesten, statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen der Entstehung dieser Hirntumoren und der Handy-Nutzung konnten die Wissenschaftler jedoch nicht entdecken.

Zwar erregte ein kleines Teilergebnis leisen Verdacht: Unter den zehn Prozent der Studienteilnehmer mit der intensivsten Handynutzung stieg die Gefahr von Gliomen um 40 Prozent und die von Meningeomen um 15 Prozent. Allerdings sind Gliome an sich schon sehr selten: In westlichen Industriestaaten kommen pro Jahr 2,9 bis 3,5 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner. Selbst bei einer Steigerung des relativen Risikos von 40 Prozent läge damit die absolute Gefahr, einen solchen Tumor zu entwickeln, bei höchstens 5 zu 100.000.

Zudem waren die Daten so wackelig, dass sie nach Angaben der Interphone-Forscher nicht genügten, um einen kausalen Zusammenhang zwischen der Handy-Nutzung und der Entstehung der Tumoren zu begründen. Denn die 40-prozentige Risikosteigerung basiert auf Daten, die der Erinnerung der Befragten entstammten - und die kann trügerisch sein. So wollen sich etwa Tumorpatienten - nachdem sie von ihrer Erkrankung erfahren haben - häufig daran erinnern, ihr Handy hauptsächlich an die vom Tumor befallene Kopfseite gehalten zu haben. "Verzerrungen und Fehlerquellen verhindern eine kausale Interpretation", hieß es in der Zusammenfassung der Interphone-Studie.

Ein Mitglied des 31-köpfigen IARC-Gremiums sagte zu SPIEGEL ONLINE, dass es bei der Abstimmung Dissens gegeben habe. Ein Teil der Experten habe der Einstufung der Handystrahlung in die Gefahrenkategorie 2b nicht zugestimmt. Sie hätten eine "inadequate Beweislage für ein Krebsrisiko" gesehen und die Strahlung lieber in der Gefahrenkategorie 3 gesehen. Ein entsprechendes Minderheitenvotum werde in der Zusammenfassung der IARC-Empfehlung auftauchen.

Strahlung in einer Kategorie wie Pestizide

Die IARC-Fachleute ordnen Handystrahlen nun in dieselbe Kategorie ein wie bestimmte Chemikalien und Pestizide, berichtet die "New York Times". Weitere Untersuchungen seien nötig, auf deren Grundlage das Krebspotential der Strahlung in einigen Jahren erneut bewertet werden soll. Die Behörde riet Verbrauchern dennoch, sich weniger der möglicherweise schädlichen Strahlung auszusetzen, indem sie beispielweise ein Headset nutzen.

Auch bisher war die WHO davon ausgegangen, es gebe keine Beweise für eine Verbindung zwischen Handys und der Entstehung von Krebs. Die neue Auswertung war von Mobilfunkkonzernen mit großer Spannung erwartet worden. Seit der Einführung Ende der 1980er Jahre ist die Nutzung der Mobiltelefonen stark gestiegen. Derzeit gibt es rund fünf Milliarden Handy-Nutzer weltweit. Dennoch konnten Experten bisher keinen Anstieg der Zahl von Hirntumoren in der Bevölkerung entdecken.

Die IARC ist das 1965 gegründete Krebsforschungsinstitut der Weltgesundheitsorganisation WHO. Sie soll Regierungen und Behörden unabhängiges Expertenwissen zu möglicherweise krebserregenden Umweltfaktoren zur Verfügung stellen.

mbe/lgr/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
mundi 01.06.2011
1. Angst, Handys zu nutzen ist nicht ausgeprägt, aber
Zitat von sysopDie Studienergebnisse waren mit Spannung erwartet worden: Nach Auswertung der meisten verfügbaren wissenschaftlichen*Arbeiten zum Thema warnt die Weltgesundheitsorganisation vor einem möglichen Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren. Eindeutige Beweise dafür gebe es jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,766047,00.html
Die Leute haben weniger Angst, Handys zu nutzen, als beim Autofahren zu blinken. Denn es hat sich herumgesprochen, dass Blinken impotent oder frigide macht. Beweise gibt es nicht. Sicherheitshalber blinkt man beim Einfahren in den Kreisverkehr.
karmamarga 01.06.2011
2. Was wir brauchen ist ein Krebsregister
Zitat von sysopDie Studienergebnisse waren mit Spannung erwartet worden: Nach Auswertung der meisten verfügbaren wissenschaftlichen*Arbeiten zum Thema warnt die Weltgesundheitsorganisation vor einem möglichen Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren. Eindeutige Beweise dafür gebe es jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,766047,00.html
das wird aber obstruiert. Schon die Krebsfälle entlang der B14 durch Stuttgart sind Betriebsgeheimnis des Gesundheitsamtes. Nur soviel zum Mobilfunk: ich kenne eine Antennenplatz, an dem gab es einen Cluster von gleich vier früher äussert seltenen Glioblastomen. In den USA hat mindestens ein Geschädigter auch einmal einen Prozess gewonnen: http://www.youtube.com/watch?v=ugAWxO1DVJk Und wenn es so stimmt, dass die Melatoninproduktion durch Mobilfunkabdeckung reduziert wird, dann ist die Sache klar, da prinzipiell eine Herabsetzung des Melatoninspiegels in der Ruhephase mit Krebsentstehung korreliert. Funkstille von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens wäre die Forderung für alle ELF-Felder, die im biologischen Fenster des Hirnorgans rumfunken. Mindestens.
orosee 01.06.2011
3. Praktisch!
Ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Raucher und Telefonierer draussen vor der Tuer treffen. Ich sehe keinen Unterschied in der Argumentation zum Passiv"rauchen".
Demokrator2007 01.06.2011
4. Flugzeugabstürze sind auch nie auszuschliessen
Zitat von sysopDie Studienergebnisse waren mit Spannung erwartet worden: Nach Auswertung der meisten verfügbaren wissenschaftlichen*Arbeiten zum Thema warnt die Weltgesundheitsorganisation vor einem möglichen Zusammenhang zwischen Handynutzung und Hirntumoren. Eindeutige Beweise dafür gebe es jedoch nicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,766047,00.html
Oh, diese Studienergebnisse- Kosten meist ein Vermögen und heraus kommt ein deutliches Schulterzucken-na immerhin. Ciao DerDemokrator P.S. Die spanischen Gurken sind nach wissenschaftlicher Erkenntniss "unschuldig" am Heckmeck um Ehec Das vergurkte wohl eher die Gurkentruppe aus Hamburg und neuerdings immer vorne mit dabei das RKI.
felisconcolor 01.06.2011
5. ist doch merkwürdig
die deutsche Mobilfumkstudie kommt zu anderen Ergebnissen.
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