Hygiene im Krankenhaus Ärzte setzen auf UV-Licht

Bei der Bekämpfung gefährlicher Krankenhauskeime wollen US-Ärzte auch UV-Licht einsetzen. Ein Test in Klinikzimmern zeigt, dass spezielle Lampen verschiedene häufig vorkommende Bakterien abtöten.

Isolierstation (Archivbild): UV-Licht als weiteres Mittel im Kampf gegen Bakterien
DPA

Isolierstation (Archivbild): UV-Licht als weiteres Mittel im Kampf gegen Bakterien


Dass UV-Licht Bakterien abtöten kann, ist zwar keine neue Erkenntnis. Angesichts zunehmender Probleme mit antibiotikaresistenten Keimen wird dieses Wissen jedoch wieder wertvoll. Auf einer Tagung zum Thema Krankenhaushygiene im kalifornischen San Diego, der "IDWeek", berichteten Ärzte jetzt, wie wirkungsvoll UV-Lampen im Kampf gegen die Keime sein können.

Die Wissenschaftler um Deverick Anderson von der Duke University in Durham haben konkret untersucht, wie die Strahlung auf drei häufig auftretende Krankenhauskeime wirkt: Clostridium difficile, ein Darmbakterium, das unter bestimmten Umständen schwere Durchfälle auslöst, die Gattung Acinetobacter, die bei immungeschwächten Menschen sowohl Lungenentzündungen als auch Wund- und Harnwegsinfektionen hervorrufen kann, und Enterokokken, die gegen das Antibiotikum Vancomycin resistent sind (VRE). Sie können bei Patienten auf der Intensivstation zu schweren Infektionen führen.

98 Prozent weniger lebensfähige Keime

Insgesamt wählten die Mediziner 50 Krankenzimmer aus, in denen zuvor Patienten mit mindestens einer dieser Infektionen gewesen waren. Teilweise handelte es sich um Räume auf der Intensivstation, teilweise um Zimmer auf anderen Stationen. Die Forscher nahmen Proben von verschiedenen Oberflächen in diesen Räumen, darunter von Fernbedienungen, der Toilette und den Griffen am Bett. Anschließend stellten sie in der Mitte der Zimmer eine Lampe auf, bei der acht UV-C-Birnen an einer zentralen Röhre angebracht waren, und ließen das Licht 45 Minuten lang einwirken. Danach nahmen sie erneut Proben von den Oberflächen.

Die Anzahl lebensfähiger Keime auf den Flächen nahm durch die Bestrahlung drastisch ab - sie sank um rund 98 Prozent, wie die Wissenschaftler berichten. Bereits in einer früheren Studie habe eine ähnliche Behandlung gezeigt, dass auch der gefürchtete Krankenhauskeim MRSA mit UV-Licht bekämpft werden könne, berichtete Anderson.

"Wir würden natürlich niemals vorschlagen, dass man die Räume ausschließlich mit UV-Licht säubert", betonte Anderson. Gerade in Anbetracht der steigenden Anzahl von Bakterien, denen herkömmliche Antibiotika nichts mehr anhaben, könnten die Lampen aber zu einer wichtigen zusätzlichen Methode im Arsenal der Krankenhäuser werden. Die UV-Desinfektion habe den Vorteil, dass kein Personal notwendig sei und keine zusätzlichen Chemikalien verwendet werden müssten. Auch sei nicht zu erwarten, dass die Keime gegen die Behandlung resistent würden.

Entscheidend sei, dass die Lampen die kurzwellige UV-C-Strahlung abgeben, so die Mediziner. UV-Licht wird bereits seit vielen Jahren in Laboren und zur Desinfektion von Luft und Flüssigkeiten eingesetzt.

wbr/dapd



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
chewbakka 19.10.2012
1. Über den Zaun sehen .....
... würde auch hier interessante Alternativen zum Antibiotika und Desinfektionsmittel öffnen. Die Reinräume in der Halbleiterindustrie sind doch tatsächlich keimfrei - da wird nicht nur jedes Stäubchen, sondern auch fast alle Keime ausgefiltert - allein durch Filter - so sehr, daß die dort Beschäftigten regelmäßig 'raus müssen, damit sie ihre Abwehrkräfte nicht verlieren .... Ist zugegebenermassen nur mit großem Aufwand nachzurüsten, wäre aber sicher eine Alternative für Neubauten oder 'große' Renovierungen ......
LeToubib 19.10.2012
2.
Zitat von chewbakka... würde auch hier interessante Alternativen zum Antibiotika und Desinfektionsmittel öffnen. Die Reinräume in der Halbleiterindustrie sind doch tatsächlich keimfrei - da wird nicht nur jedes Stäubchen, sondern auch fast alle Keime ausgefiltert - allein durch Filter - so sehr, daß die dort Beschäftigten regelmäßig 'raus müssen, damit sie ihre Abwehrkräfte nicht verlieren .... Ist zugegebenermassen nur mit großem Aufwand nachzurüsten, wäre aber sicher eine Alternative für Neubauten oder 'große' Renovierungen ......
Ich behaupte jetzt einfach einmal, dass sich die meisten OPs mit den von Ihnen erwaehnten "Reinraeumen" durchaus messen koennen. Das Problem sind die Patienten, die sind naemlich nicht so schoen steril wie ein Waver ...
schinge 19.10.2012
3.
Zitat von chewbakka... würde auch hier interessante Alternativen zum Antibiotika und Desinfektionsmittel öffnen. Die Reinräume in der Halbleiterindustrie sind doch tatsächlich keimfrei - da wird nicht nur jedes Stäubchen, sondern auch fast alle Keime ausgefiltert - allein durch Filter - so sehr, daß die dort Beschäftigten regelmäßig 'raus müssen, damit sie ihre Abwehrkräfte nicht verlieren .... Ist zugegebenermassen nur mit großem Aufwand nachzurüsten, wäre aber sicher eine Alternative für Neubauten oder 'große' Renovierungen ......
Und die Patienten, die in solchen Räumen liegen, müssen dann Schutzanzüge tragen damit sie keine Hautschuppen, Körperflüssigkeiten u.ä an die keimfreie Umgebung abgeben und diese somit gleich nach der aufwendigen Filterung wieder verkeimen?
sarang he 19.10.2012
4. gab es alles schon mal
UV-Strahler zur Raumdesinfektion in Krankenhäusern wurden doch erst vor 25-30 Jahren wegen der Ozonbildung abgeschafft.
diplpig 19.10.2012
5. Sauber vs Steril
OP-Räume sind nur gar nicht steril - das OP-Feld sollte es sein. Die Anforderungen an die Hygiene im KH sind dem Otto-Normalverbraucher tw. nur schwer vermittelbar. Lieber die Woll-Maus in der Ecke des Krankenzimmers als eine unzureichende Händedesinfektion des Personals. Man bedenke, wer alles die Türklinke eines Krankenzimmers in die Hand nimmt: Patienten, Angehörige, Stationsärzte, Konsiliarärzte, Pflegekräfte, Therapeuten, Verpflegungsassistenz, Reinigungskräfte etc. Eine technische Unterstützung bei der Desinfektion ist absolut wünschenswert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.