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Bandscheibenvorfall: Immunsystem entfacht den Schmerz

Das leidige Kreuz mit dem Kreuz: Millionen Menschen hatten es schon mal mit einem Bandscheibenvorfall zu tun. Eine neue Erkenntnis könnte sie von ihrem Leid befreien. Forscher haben herausgefunden, dass nicht der Druck auf den Nerv die heftigen Schmerzen verursacht - sondern Zellen der Immunabwehr.

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Künstliche Bandscheibe: Viele Menschen müssen nach einem Vorfall operiert werden

Hamburg - Die Schmerzen können die Hölle sein: Wenn sich die Bandscheibe in den Wirbelkanal vorschiebt, jenen Raum der Wirbelsäule, in dem das Rückenmark liegt, diagnostiziert der Arzt einen Bandscheibenvorfall. Was daraufhin folgt, kann für viele zu einer Odyssee werden, begleitet von chronischen Schmerzen, unzähligen Arztbesuchen und Therapieversuchen. Und wenn gar nichts mehr hilft, legen sich viele unters Messer.

Die Bandscheiben sind die scheibchenförmigen Verbindungen zwischen den einzelnen Wirbeln der Wirbelsäule. Bei einem Bandscheibenvorfall reißt die äußere Schicht der Bandscheibe, und das weiche Innere drückt dann auf die Nervenfasern im Wirbelkanal. Dieser Druck, so die bisherige These, verursacht die heftigen Schmerzen, die häufig auch bis in die Beine ausstrahlen.

Seit einiger Zeit haben Forscher auch Hinweise darauf, dass Entzündungsreaktionen eine Rolle spielen können. Seltsamerweise hatte der Einsatz entzündungshemmender Wirkstoffe bisher keine Linderung gebracht. US-Forscher um Mohammed Shamji von der Duke University in Durham haben jetzt offenbar eine Erklärung dafür gefunden. Sie berichten darüber im Fachmagazin "Arthritis & Rheumatism": Den Wissenschaftlern gelang es nicht nur, klare Anzeichen für eine Entzündungsreaktion nachzuweisen - und damit die Theorie einer Immunbeteiligung zu bestätigen. Sie identifizierten auch den mutmaßlichen Hauptverantwortlichen für diese Reaktion.

Bandscheibengewebe wird vom Körper als "fremd" erkannt

Wie die Forscher schreiben, handelt es sich dabei um sogenannte Th17-Zellen, eine Gruppe von T-Zellen, die unter anderem an Autoimmunerkrankungen beteiligt ist. Diese Abwehrzellen werden vermutlich auf den Plan gerufen, weil das austretende Bandscheibengewebe nicht als körpereigen erkannt wird - schließlich ist es aufgrund seiner geschützten Lage nie zuvor mit dem Immunsystem in Kontakt gekommen.

Der Körper reagiert demnach genauso auf das Material, wie er auch auf Bakterien oder andere Fremdkörper reagieren würde: Er löst eine Abwehrreaktion aus, die darauf abzielt, das fremde Gewebe zu zerstören. Die dabei entstehende Entzündung greift dann auf die benachbarten Nervenwurzeln der Rückenmarksnerven über und lässt sie anschwellen, was schließlich die Schmerzen verursacht.

Die Forscher vermuten, dass die Therapie mit Entzündungshemmern bisher deshalb keine Wirkung zeigte, weil die Substanzen zu unspezifisch sind. Deswegen müssten sie eigentlich in hohen Dosen eingesetzt werden. Das trauen sich die Ärzte aber nicht, weil dann das gesamte Immunsystem des Patienten lahmgelegt werden könnte.

Gelänge es nun, die Arbeit der Th17-Zellen zu blockieren, hätte man eine sehr wirkungsvolle Waffe gegen diese Schmerzen und vermutlich auch gegen den Fortschritt der Erkrankung zur Verfügung, sagen die Forscher. Da Th17-Zellen nicht an der Infekt- oder Tumorabwehr beteiligt sind, würde ein solcher Eingriff das normale Immungeschehen wohl nicht beeinträchtigen, glauben die Wissenschaftler. Einen solch spezifischen Wirkstoff müssen die Forscher aber erst noch finden - und das wird wohl noch mehrere Jahre dauern.

cib/ddp

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Eine Ursache für all die Bandscheibenerkr.? Glaub ich nicht!
keats 01.07.2010
Zitat von sysopDas leidige Kreuz mit dem Kreuz: Millionen Menschen hatten es schon mal mit einem Bandscheibenvorfall zu tun. Eine neue Erkenntnis könnte sie von ihrem Leid befreien. Forscher haben herausgefunden, dass nicht der Druck auf den Nerv die heftigen Schmerzen verursacht - sondern Zellen der Immunabwehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,703882,00.html
Endlich der Stein der Bandscheiben-Weisen wurde gefunden, zumindest ein Weg dahin, Ha Ha Ha. Zu schön um Wahr zu sein. Ich glaube nicht das es so einfach ist, Bandscheibenvorfall = Autoimmunerkrankung= Anti Th17-Zellen = Geheilt. Warum war ich über mehrere Jahre flachgelegt und konnte mich teilweise vor Schmerzen kaum rühren, bzw. erst mit einer guten Opiatdosis wurde dies zeitweise wieder möglich. Warum half vor 30 Jahren Sport innerhalb kurzer Zeit ausgezeichnet und diesmal nach 2 Jahren Sport nur teilweise. Da bei war der Sport immer der gleiche. Heute ist es immer noch so, dass nach spätestens 4-5 Monaten Ruhe mit den Bandscheiben, es doch immer wieder ein neues plötzliches Schmerzereignis gibt, selbst am frühen Morgen, noch im Bett, gerade wach geworden und noch vor dem Aufstehen aus heiterem Himmel und auch da sind es erst wieder Opiate, gut dosiert, die nach ca 2 Tagen Besserung bringen und nach insgesamt einer Woche gehts dann einigermassen wieder. Was soll dann das für eine Autoimmunreaktion sein, die aus heiterem Himmel schlagartig, eben wie ein Schuss, ein Hexenschuss, einen invalidisiert, zumindest zeitweise. Mag sein das der ein oder andere Bandscheibenvorfall wirklich eine Autoimmunerkrankung ist, sicher sind jedoch nicht alle Bandscheiben so monokausal begründet, da wird es noch viele andere Ursachen geben, die keine Autoimmunerkrankung sind.
2. Bleibt das Problem und die Gefahr durch die Mechanik
karmamarga 01.07.2010
Zitat von sysopDas leidige Kreuz mit dem Kreuz: Millionen Menschen hatten es schon mal mit einem Bandscheibenvorfall zu tun. Eine neue Erkenntnis könnte sie von ihrem Leid befreien. Forscher haben herausgefunden, dass nicht der Druck auf den Nerv die heftigen Schmerzen verursacht - sondern Zellen der Immunabwehr. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,703882,00.html
und warum dann nicht die Immunantwort mit dem Fehler in der Mechanik zugleich beseitigen, zumal der Schmerz ja auch ein Warnsignal für mehr als nur die Vorgänge einer Entzündung ist. Was man da heute so machen kann hier mal schauen http://www.spinal-foundation.org/Healthcare-Professionals/Surgical-Procedures/Flexible-Endoscopic-Intradiscal-Discectomy-%28FEID%29 Und auch mal hier http://www.haaretz.com/print-edition/business/technion-spinal-surgery-robot-meets-fda-approval-1.122897 Und dann muss man halt schauen, dass der Patient nach der Hilfe nicht die selben Lebensgewohnheiten wieder aufnimmt, die zum Beispiel zum Übergewicht führen, denn die Bänder vom Ranzen zerren gewaltig an der Lumbalgegend, die osmotische Versorgung des Bewegungsapparates behindern usw. Damit sollte man, sofern der Fall nicht akut ist, überhaupt beginnen. So ein Bandscheibenvorfall kündigt sich meist lange vorher an, sofern nicht durch Überanstrengung oder Unfall hervorgerufen. Ach ja, ich vergass ja das Grundprinzip unseres Gesundheitssystems: der freie Bürger hat freie Wahl und seinen freien Fall ins soziale Netz. Da darf man nicht Bevormundung hineinpfuschen.
3.
albert schulz 01.07.2010
Wenn SPON wissenschaftlich wird, graust es, reines Phantasialand der exzessiven Gehirnwäsche zugunsten unseres Krankheitssystems. Was wurden Wirbelsäulen nicht operiert, massiert, gespritzt und geröntgt ohne Ende. Natürlich weiß ich, daß Rückenschmerzen ein Zeichen davon sind, daß ich beschissen drauf bin, kurz vor dem Aufgeben, hat wohl was mit dem Hypothalamus zu tun, wie alle Autoim-munerkrankungen. Und natürlich weiß ich, daß Orthopäden vom Rückrat keine Ahnung haben. Mein exzellenter Physiotherapeut bekommt einen Lachanfall, wenn er Röntgenaufnahmen sieht, und braucht exakt fünf Minuten für einen Hexenschuß. Die Muskeln im Bauch- und Rücken stärken hilft auch, und zwar enorm. Und gute Laune. Fazit: Traue keinem Orthopäden. Ganz vorsichtig sollte man werden, wenn er eine Jagd besitzt, Golf spielt, und Zweitwohnungen in New York und Paris hat. Und wenn Ärzte und Forscher so tun, als wollten sie sich ums Vegetativum herummogeln. Sie kennen es weit besser als sie zugeben. Es bringt ihnen Geld ohne Ende.
4. Papier ist geduldig
jneubo 01.07.2010
Ein typischer Bandscheibenvorfall drückt auf eine Nervenwurzel (im Lendenwirbelsäulenbereich, ein Rückenmark gibt es dort nicht). Das macht einen wiederum typischen, intensiven Nervenschmerz, der z.B. bis zur Großzehe ausstrahlen kann. Entzündungsmechanismen können zusätzlich ein Rolle spielen, sind aber unwesentlich. Nach einer OP (es gibt strenge Kriterien für eine solche)ist der Schmerz sofort weg. Der Artikel ist irreführend. Wenn man sich einen Holzsplitter einzieht, kommt es auch zu einer Entzündung. Die Therapie ist die Entfernung des Splitters und nicht die (medikamentöse) Behandlung der Entzündung.
5. Ganz so einfach ist es sicher nicht, aber...
mme_toni 01.07.2010
Zitat von keatsEndlich der Stein der Bandscheiben-Weisen wurde gefunden, zumindest ein Weg dahin, Ha Ha Ha. Zu schön um Wahr zu sein. Ich glaube nicht das es so einfach ist, Bandscheibenvorfall = Autoimmunerkrankung= Anti Th17-Zellen = Geheilt. Warum war ich über mehrere Jahre flachgelegt und konnte mich teilweise vor Schmerzen kaum rühren, bzw. erst mit einer guten Opiatdosis wurde dies zeitweise wieder möglich. Warum half vor 30 Jahren Sport innerhalb kurzer Zeit ausgezeichnet und diesmal nach 2 Jahren Sport nur teilweise. Da bei war der Sport immer der gleiche. Heute ist es immer noch so, dass nach spätestens 4-5 Monaten Ruhe mit den Bandscheiben, es doch immer wieder ein neues plötzliches Schmerzereignis gibt, selbst am frühen Morgen, noch im Bett, gerade wach geworden und noch vor dem Aufstehen aus heiterem Himmel und auch da sind es erst wieder Opiate, gut dosiert, die nach ca 2 Tagen Besserung bringen und nach insgesamt einer Woche gehts dann einigermassen wieder. Was soll dann das für eine Autoimmunreaktion sein, die aus heiterem Himmel schlagartig, eben wie ein Schuss, ein Hexenschuss, einen invalidisiert, zumindest zeitweise. Mag sein das der ein oder andere Bandscheibenvorfall wirklich eine Autoimmunerkrankung ist, sicher sind jedoch nicht alle Bandscheiben so monokausal begründet, da wird es noch viele andere Ursachen geben, die keine Autoimmunerkrankung sind.
Da haben Sie sicherlich recht, aber bitte vergessen Sie nicht, dass es sich hier um einen kurzen Zeitungsartikel handelt. Falls Sie eine detailliertere Darstellung interessiert, koennen Sie sich ja den Originalartikel ansehen, den SPON oben links auch verlinkt hat. Desweiteren sollten akute und chronische Prozesse auseinandergehalten werden. Anhaltende entzuendliche Prozesse fuehren haeufig zu Degeneration und bleibenden Schaeden. Wenn man allerdings frueh versucht, diesen entgegenzuwirken, kann die Prognose fuer individuelle Patienten wesentlich besser ausfallen. Daher werden bei Bandscheibenvorfaellen auch entzuendungshemmende Medikamente eingesetzt. Leider meist mit begrenztem Erfolg, was sicherlich mit der Komplexitaet des Krankheitsprozesses zu tun hat. Wenn man nun aber einen Entzuendungshemmer haette, der sich spezifisch gegen Th17 Zellen richtet, zumindest suggeriert das der Artikel, koennten die Erfolsaussichten steigen. Generell gilt es aber, mit dem Wort "geheilt" bei solchen Krankheitsbildern eher vorsichtig zu sein. Bezueglich Ihrer Frage, "was das denn für eine Autoimmunreaktion sein soll, die aus heiterem Himmel schlagartig, eben wie ein Schuss, ein Hexenschuss, einen invalidisiert, zumindest zeitweise." Autoimmunkrankheiten verlaufen oft genau so, naemlich schubfoermig. Nehmen Sie Multiple Sklerose oder Lupus, nur so als Beispiele.
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