Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Manipulationen: Verlag zieht 43 Studien zurück

Von

Genaue Prüfung: Durch Schlampereien schadet sich die Wissenschaft selbst Zur Großansicht
Corbis

Genaue Prüfung: Durch Schlampereien schadet sich die Wissenschaft selbst

Damit Studien publiziert werden konnten, wurden Gutachter beeinflusst und Forschungsergebnisse geschönt. Ein Verlag hat die Arbeiten nun wieder zurückgezogen. Pfusch beim Peer Review wird zum Problem.

Der Fachverlag BioMed Central hat 43 wissenschaftliche Studien zurückgezogen. Sie waren in einem der zahlreichen Magazine, die der Verlag verantwortet, erschienen. Bei jeder der Studien soll es Manipulationen im Prozess der Begutachtung gegeben haben. Prüfer wurden bezüglich der Studienqualität getäuscht oder systematisch positiv beeinflusst.

Der Pfusch beim so genannten Peer Review wiegt schwer, schreibt Elizabeth Moylan, stellvertretende Chefredakteurin von "BioMed Central" - dieser gelte immerhin als Grundpfeiler des wissenschaftlichen Publizierens und basiere auf Vertrauen. Der Peer Review soll sicherstellen, dass Studien keine Fehler enthalten und dem Stand der Forschung entsprechen. Viele Wissenschaftler arbeiten dazu als Gutachter für Fachverlage, der Peer Review ist ein fester Bestandteil ihrer Arbeit.

Fertig geprüfte Studie verkauft

Nachdem im vergangenen Jahr erstmals der Betrug bei rund 60 Studien aufgefallen war, hatte "BioMed Central" eine eigene Untersuchung gestartet. Das Committee on Publication Ethics (COPE) wurde eingeschaltet. Das Gremium setzt sich für ethisch korrektes Publizieren in der Wissenschaft ein. Am Montag berichtete Cope nun, dass man "Kenntnis von systematischen, unangemessenen Versuchen habe, den Peer Review von mehreren Zeitschriften in verschiedenen Verlagen zu manipulieren." Die Forscher, deren Studien jetzt zurückgezogen werden, wurden durch "BioMed Central" informiert.

Die Manipulationen seien gezielt gesteuert worden, teilte der Verlag mit, durch verschiedene Agenturen, die Wissenschaftlern einen sicheren Weg durch den Begutachtungs-Prozess angeboten hatten - und sich diesen Dienst auch bezahlen ließen. Biomed Central untersucht derzeit noch weitere Veröffentlichungen.

Es gebe viele Agenturen, die Leistungen während des Peer Review offiziell und seriös umsetzen, erklären die Verantwortlichen des Cope. Aber leider gebe es auch einige Dienstleister, die unzulässige Wege beschreiten, um Studien durch den Prüfungsprozess zu bringen. Sie verkauften etwa Listen mit den Namen passender Gutachter.

Internationales Problem

Längst sei es Standard, dass Agenturen beauftragt werden, Studien vor dem Start einer Begutachtung sprachlich noch ein wenig zu schleifen. Daher sei es nicht immer ganz klar, in welchen Fällen den Wissenschaftlern bewusst war, dass die von ihnen beauftragte Agentur in ihrem Namen gleich den gesamten Peer Review beeinflusst hat.

Laut "BioMed Central" handelt es sich um ein internationales Problem. Der ganze Vorgang zeige erneut den Druck, dem Forscher unterliegen, ihre Forschungsergebnisse möglichst schnell und möglichst in angesehenen Journalen zu veröffentlichen, erklärt Moylan.

Die Sorge um die weitere Entwicklung wissenschaftlichen Publizierens wächst seit Jahren. Der Peer Review wird schnell zur Last, die einzelnen Gutachten werden nur schlecht oder gar nicht honoriert. Immer mehr Gutachter geben zu, den einzelnen Studien nicht die Aufmerksamkeit schenken zu können, die die Prüfung eigentlich erfordert.

Das Begutachten einer eingereichten Arbeit durch Forscherkollegen kann sich über Monate hinziehen. Hier will nun das Fachblatt "Scientific Reports", das zur Nature Publishing Group (NPG) gehört, Abhilfe schaffen: Wenn Wissenschaftler bereit sind, 750 US-Dollar zu bezahlen, verspricht das Magazin über eine eingereichte Studie binnen drei Wochen zu entscheiden.

Kritiker bemängeln, diese Überholspur gegen Geld führe zu einer Benachteiligung von Forschern, die sich diesen Weg nicht leisten können. Doch Experten beurteilen die Folgen, die aus manipulierten Peer Reviews resultieren könnten, als weitaus bedrohlicher: Werden fälschliche wissenschaftliche Arbeiten publiziert, können diese Arbeiten den gesamten Forschungsbereich in eine Sackgasse führen.

Forscher, die auf vermeintlich seriösen Erkenntnissen aufbauen, verschwenden zudem unnötig Zeit und Forschungsgelder. Letztlich schadet sich die Wissenschaft selbst.

nik

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 27 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Peer Review...
dermaxohneeigenschaften 31.03.2015
...ist generell ein bedenkenswürdiger Vorgang: Oft finde ich in meinem Alltag Geschichten von absichtlichen Verzögerungen im Publikationsprozess, manchmal geht das so weit dass eine andere Forschungsgruppe innerhalb der reviewphase eine identische Arbeit anfängt und abschließt - und sogar noch publiziert.. Da peers im allgemeinen anonym sind könnte jener also auch in der plagiierenden Gruppe tätig sein. Mindestens sollten also beide enden anonymisiert werden, sodass gezieltes benachteiligen einer Arbeitsgruppe erschwert wird.
2. Man schaue bitte einmal bei der Energiewende
wb99 31.03.2015
die ganzen "Studien" von $Ökoinstitut im Auftrag von $Ökosubventionsprofiteur. Ich frage mich nur, wieso die richtige Wissenschaft bei diesem Treiben tatenlos zuschaut.
3. @wb99
druck_im_topf 31.03.2015
Sind sie besessen? Und wenn ja wovon? Wer oder was ist für Sie denn die "richtige" Wissenschaft? Also "Schreien" kann ich auch, aber wovon reden Sie? MfG
4. einzelne schwarze Schafe oder eine ganze Herde
jeanlucng 31.03.2015
Zitat von dermaxohneeigenschaften...ist generell ein bedenkenswürdiger Vorgang: Oft finde ich in meinem Alltag Geschichten von absichtlichen Verzögerungen im Publikationsprozess, manchmal geht das so weit dass eine andere Forschungsgruppe innerhalb der reviewphase eine identische Arbeit anfängt und abschließt - und sogar noch publiziert.. Da peers im allgemeinen anonym sind könnte jener also auch in der plagiierenden Gruppe tätig sein. Mindestens sollten also beide enden anonymisiert werden, sodass gezieltes benachteiligen einer Arbeitsgruppe erschwert wird.
... kann ich auch bestaetigen. Da werden Protokolle aus der Publikation schonmal nachgestellt und gleichzeitig die Reviewphase stark ausgedehnt. Oder man lehnt die Arbeit des direkten Konkurrenten ab bzw. laesst kein gutes Haar an ihr. Durch die Anonymitaet ist der Uebeltaeter ja geschuetzt. Solch einen Missbrauch wird es immer wieder geben, schliesslich sind Eitelkeit, Geltungsbeduerfnis und Ehrgeiz auch in der Wissenschaft nicht fremd. Allerdings sollte bei der Vergabe von Geldern und Preisen ueber alternative Systeme zur Bewertung eines Forschers nachgedacht werden, statt stumpf die Zahl der Publikationen zu zaehlen. Die professionelle Machart dieser Agenturen weist ja darauf hin, dass es einen Markt fuer diese unehrliche Forschung gibt, der auf Quantitaet zielt.
5. als ob?
realdemokrat420 31.03.2015
aso das ist doch so klar wie Klosbrühe fast jede Studie ist manipuliert und fast alle Medien wer immernoch immer noch schläft wird irgendwann in einer totalen DDR Diktatur Kapitalismus aufwachen oder jenachdem weiter schlafen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: