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Bewegungsmangel: Mediziner warnen vor langem Sitzen

Langes Sitzen könnte die Gesundheit gefährden - unabhängig davon, ob man in der Freizeit Sport treibt, wie Mediziner betonen. Sie empfehlen Büroarbeitern dringend, sich regelmäßig zu bewegen. Zugleich fordern sie ein generelles Umdenken bei ihren Fachkollegen.

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DPA

Büroarbeiter: Langes Sitzen ist alles andere als gesund

London - Millionen Bewohner der Industriestaaten führen ein extrem bewegungsarmes Leben: Sie fahren morgens mit dem Auto ins Büro, verbringen dort fast den ganzen Tag im Sitzen und den Abend auf der heimischen Couch. Dass dieser Lebensstil nicht besonders gesund ist, haben zahlreiche medizinische Studien bewiesen.

Jetzt aber haben schwedische Forscher Erkenntnisse vorgelegt, die noch darüber hinausgehen: Wer übermäßig viel Zeit im Sitzen zubringt, kann die möglicherweise ungesunden Folgen nicht durch körperliche Betätigung ausgleichen. Wie das Team um Elin Ekblom-Bak vom Karolinska-Institut in Stockholm im "British Journal of Sports Medicine" schreibt, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen langem Sitzen und Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes sowie einem generell erhöhten Sterberisiko - und zwar selbst dann, wenn man sich in der Freizeit sportlich betätigt.

Es sei wichtiger, die Muskeln überhaupt zu bewegen, als sie besonders viel oder schwer arbeiten zu lassen, betonen die schwedischen Forscher. Sie fordern gar ein "neues Paradigma in der Physiologie der Inaktivität" und drängen ihre Fachkollegen, die Definition eines bewegungsarmen Lebensstils zu überdenken.

Sie verweisen dazu auf australische Studienergebnisse, wonach derartige Krankheitszeichen bei Frauen um ein Viertel häufiger auftreten, wenn sie täglich eine Stunde länger sitzen als zuvor. Eine weitere Untersuchung habe zwei Gruppen von Büroarbeiten miteinander verglichen: Die Mitglieder der ersten Gruppe hätten acht Stunden am Tag gesessen, die der zweiten Gruppe bewegten sich regelmäßig. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Teilnehmer mit mehr Bewegung seltener fettleibig waren und ihr Blut bessere Lipid- und Glukosewerte aufwies.

Die Forscher vermuten, dass das Enzym Lipoproteinlipase (LPL), das am Fettabbau beteiligt ist, hier eine wichtige Rolle spielt: Tierversuche hätten unlängst gezeigt, dass das Enzym bei Ratten mit geringer Muskeltätigkeit weniger aktiv war als bei Ratten, die herumlaufen durften.

"Jeder kennt die Vorteile von regelmäßiger Bewegung", sagte Ekblom-Bak der britischen Zeitung "The Independent". "Weniger bekannt ist bisher, dass lange Phasen des Sitzens ein zusätzliches Risiko bedeuten, das man nicht durch körperliche Betätigung ausgleichen kann." Darauf deute eine wachsende Zahl von Studien hin - auch wenn ein direkter Kausalzusammenhang zwischen langem Sitzen und diversen Wohlstandskrankheiten noch nicht bewiesen sei.

Die Mediziner empfehlen Büromenschen dennoch, alle 45 Minuten aufzustehen und sich fünf Minuten lang zu bewegen. Dazu reiche schon der Gang zum Drucker oder zur Kaffeemaschine aus.

mbe/AFP

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Übergewicht und Fettsucht
Die Fettsuchtepidemie
Die Fettsucht, auch Adipositas genannt, gehört in den Industrienationen zu den führenden Auslösern von Todesfällen und Invalidität. Studien zufolge ist die Krankheit weltweit für jährlich rund 2,6 Millionen Todesfälle und mindestens 2,3 Prozent der Gesundheitskosten verantwortlich.
Folgeerkrankungen
Die Adipositas kann Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Herz- und Kreislauferkrankungen, Schlaganfälle und psychische Beschwerden hervorrufen. Die Weltgesundheitsorganisation und auch die US-Gesundheitsbehörden sprechen inzwischen von einer Fettsuchtepidemie, die ebenso bekämpft werden müsse wie tödliche Infektionskrankheiten.
Body-Mass-Index (BMI)
Ob jemand übergewichtig oder fettsüchtig ist, ermitteln Mediziner anhand des Body-Mass-Index (BMI). Dieser Wert entspricht dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern. Ein Beispiel: Ein 1,80 Meter großer Mann wiegt 75 Kilogramm. Sein BMI beträgt 75 : 1,80² = 23,15. Als Idealwert gilt bei Frauen ein BMI von 22, bei Männern ein BMI von 24.
BMI-Tabellen
Der "wünschenswerte" BMI hängt vom Alter ab. Die linke Tabelle zeigt die entsprechenden Werte für verschiedene Altersgruppen. Die rechte Tabelle zeigt die BMI-Klassifikation (nach DGE, Ernährungsbericht 1992):

Alter BMI
19-24 Jahre 19-24
25-34 Jahre 20-25
35-44 Jahre 21-26
45-54 Jahre 22-27
55-64 Jahre 23-28
>64 Jahre 24-29

Klassifikation männl. weibl.
Untergewicht unter 20 unter 19
Normalgewicht 20-25 19-24
Übergewicht 25-30 24-30
Adipositas 30-40 30-40
massive Adipositas über 40 über 40


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