Schluss mit "super": Arzneimittelprüfer stoppen irreführende Pillen-Namen

Von Nicola Kuhrt

Patientenschutz: Behörden stoppen irreführende Pillen-Namen
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DPA

Herzmittel sind "super", "forte" oder "express", Antibabypillen heißen wie kleine Blumen - doch damit soll nun Schluss sein. Arzneimittelprüfer haben neue Regeln zum Schutz der Patienten vor irreführender Werbung beschlossen. Denn harmlose Medikamentennamen können durchaus gefährlich werden.

Hamburg - Kaum ein Medikament, das heute nicht mit schlagkräftigen Zusätzen daherkommt: Blutdrucksenker, Cholesterinsenker oder Magenmittel werden gern mit der Ergänzung "express", "forte" oder "super" versehen. Doch nun haben das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sowie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) neue Regeln für die Bezeichnung von Arzneimitteln beschlossen.

Denn oft geben Pharmahersteller ihren Pillen Namen, die unklar, irreführend oder verharmlosend sind. Das kann zu gefährlichen Verwechslungen und Fehlanwendungen führen, sagt BfArM-Sprecher Maik Pommer. Mit der neuen Leitlinie reagieren die Arzneimittelprüfer auf den Trend der Pharmaindustrie, bei der Entwicklung neuer Pillentitel verstärkt Marketingstrategien in den Vordergrund zu stellen.

Für großen Streit sorgten in der Vergangenheit etwa Namenswünsche für Antibabypillen, die gern niedlich klingen, nach Blümchen benannt sind oder auf dem kindlichen "illy" enden. Ein Verhütungsmittel trägt die Anspielung auf das englische Wort für Liebesbrief im Namen. Verharmlosungen bei Medikamenten, bei denen ein kritisches Bewusstsein um das verbundene Thromboserisiko sicher besser wäre, finden die Behörden.

Sind die Namen verschiedener Produkte zu ähnlich, kann das durchaus gefährlich werden. Fragt etwa der Rettungsarzt bei einem Notfall nach den Medikamenten, die ein Patient nimmt, macht es schon einen Unterschied, ob es sich dabei um ein Herzmittel handelt ("Lanoxin") oder eine Lutschtablette bei Entzündungen des Rachenraums ("Lemocin"). Und wie schnell hat man sich verhört?

Bislang konnten PEI und Bfarm sich schwerlich gegen die Hersteller vor Gericht durchsetzen. Mit der neuen Leitlinie bringen sie nun von Beginn an deutlich engere Grenzen bei der Auswahl von Namen und möglichen Ergänzungen vor. Die pharmazeutische Industrie bekomme nun bereits im Vorfeld eines Antrags klare Arbeits- und Entscheidungshilfen an die Hand, sagt der Sprecher des Bfarm. Damit sollen langwierige Auseinandersetzungen um irreführende Namen künftig schneller entschieden werden. Bereits vergebene Namen sind von der Regelung nicht betroffen.

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insgesamt 8 Beiträge
Ja Mensch, das passiert schon häufig, wenn ich sage, lutsch mal ne Lemocin und meine Frau nimmt ne Lenoxin (nicht Lanoxin), kommt praktisch jeden zweiten Tag vor. Lenoxin ist ja ein wirklich gängiges Präparat, im Alter kommt ja [...]
Ja Mensch, das passiert schon häufig, wenn ich sage, lutsch mal ne Lemocin und meine Frau nimmt ne Lenoxin (nicht Lanoxin), kommt praktisch jeden zweiten Tag vor. Lenoxin ist ja ein wirklich gängiges Präparat, im Alter kommt ja kaum einer ohne aus. Wer kennt es nicht? Ist echt ein super, um nicht zu sagen ein ultra forte express Beispiel. Gut recherchiert. Auch Lob an die Autorin zum fehlerfreien Abschreiben der Pressemitteilung des Bfarm. So wird Qualität gemacht. Danke SPON.
janetm 20.03.2013
Das gibt es auf europäischer Ebene schon seit einigen Jahren mit der name review group beim EMA. Warum man jetzt doch wieder eine nationale Suppe daraus kochen muss erschliest sich mir nicht.
Das gibt es auf europäischer Ebene schon seit einigen Jahren mit der name review group beim EMA. Warum man jetzt doch wieder eine nationale Suppe daraus kochen muss erschliest sich mir nicht.
Worldwatch 20.03.2013
... auf der Verpackung, Fantasiename klein geschrieben drunter, und fertig ist.
... auf der Verpackung, Fantasiename klein geschrieben drunter, und fertig ist.
hanfiey 20.03.2013
Auch bei der Waffenlobby sehr beliebt diese Wortspiele. Allerdings wenn Verbraucher nach Namen kaufen anstatt nach Inhaltsstoff ist denen auch damit nicht mehr zu helfen. Wer Pillen braucht ist krank oder eine Frau, beide sollten [...]
Auch bei der Waffenlobby sehr beliebt diese Wortspiele. Allerdings wenn Verbraucher nach Namen kaufen anstatt nach Inhaltsstoff ist denen auch damit nicht mehr zu helfen. Wer Pillen braucht ist krank oder eine Frau, beide sollten wissen was Sache ist.
wilee19 20.03.2013
wo die Kultur im Medikamente so verwirrt ist wie in Deutschland! Es ist falsch, Medikamante unter der Rezeptflicht zu bringen, wo nachweislich keine Wirkung existiert, und diese dann mit Zusätzen wie "FORTE" zu [...]
wo die Kultur im Medikamente so verwirrt ist wie in Deutschland! Es ist falsch, Medikamante unter der Rezeptflicht zu bringen, wo nachweislich keine Wirkung existiert, und diese dann mit Zusätzen wie "FORTE" zu versehen. Da nehmen Leute das anstelle von echte Medikamente, und die Krankheit verbreitet sich fröhlich weiter. Vor allem im HNO Bereich wimmelt es von Nepp "Medizin". Das finde ich viel schlimmer.
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  • Mittwoch, 20.03.2013 – 14:58 Uhr
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