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26. April 2012, 09:35 Uhr

Hirnforschung

Warum der Kopf beim Eisessen schmerzen kann

Ein großer Löffel Erdbeereis - und schon schießt ein stechender Schmerz durch das Gehirn. Fast jeder Eisliebhaber hatte schon Kältekopfschmerzen. Forscher wollen nun herausgefunden haben, wie sie entstehen. 

Es sticht und fühlt sich an, als ob das Gehirn plötzlich zusammengedrückt wird: Kältekopfschmerzen sind nichts Ungewöhnliches, wenn kalte Speisen oder Getränke den Gaumen berühren. Sekunden später ist der stechende Schmerz wieder weg. Wissenschaftler versuchen seit Jahren, den sogenannten Brain-Freeze - das "Einfrieren des Gehirns" - zu erklären. Ein internationales Forscherteam hat das Rätsel jetzt nach eigenen Angaben geknackt.

"Bei Kältekopfschmerzen fließt ungewöhnlich viel Blut ins Gehirn, das erhöht den Druck im Denkorgan", berichteten die Forscher kürzlich auf dem Kongress Experimental Biology im kalifornischen San Diego. Das Team um Jorge Serrador von der Harvard Medical School in Boston (US-Bundesstaat Massachusetts) hat in seiner noch unveröffentlichten Studie herausgefunden, dass auch Migränepatienten anfälliger für Kältekopfschmerzen sind. Für die Neurologen war dies ein Hinweis dafür, dass es eine Verbindung zwischen Brain-Freeze und anderen Arten von Kopfschmerzen geben könnte. "Kältekopfschmerzen sind leicht herbeizuführen und müssen nicht mit Medikamenten behandelt werden. Deshalb waren sie perfekt für unsere Studie", erklärte Sarrador.

"Schmerzen beginnen, wenn Blut ins Gehirn rauscht"

Beim Versuch ließen die Wissenschaftler 13 Personen Eiswasser durch einen Strohhalm trinken. Die Teilnehmer pressten den Strohhalm fest gegen den Gaumen - eine ideale Voraussetzung für Kältekopfschmerzen. Sobald sie einsetzten und wieder aufhörten, hoben die Testpersonen kurz die Hand. Beim Kontrollversuch tranken die Teilnehmer Wasser auf Raumtemperatur. In beiden Fällen überwachten die Forscher die Durchblutung im Gehirn.

"Als der Schmerz einsetzte, rauschte besonders viel Blut durch die vordere Hirnschlagader ins Gehirn", erklärte Serrador. Er vermutet, dass der Brain-Freeze-Effekt ein Schutzmechanismus ist. "Durch die Erweiterung der Gefäße fließt warmes Blut ins Gehirn. So kann der Körper verhindern, dass das Organ zu kalt wird", so der Neurologe. Die Schmerzen entstehen den Forschern zufolge, weil das zusätzliche Blut im Schädel nirgendwo anders hinfließen kann. "Die darauf folgende Gefäßverengung verringert den Druck wieder, bevor er gefährlich wird", sagte Serrador. Die Folge: Der Schmerz lässt wieder nach.

Neue Kopfschmerzbehandlungen in Sicht?

Die Forscher vermuten, dass die Durchblutung auch bei anderen Arten von Kopfschmerzen und Migräne eine Rolle spielt. Dazu gehören ihrem Bericht zufolge auch posttraumatische Schmerzen, an denen viele Soldaten nach Explosionsverletzungen leiden. Wenn sich diese Theorie bewahrheitet, könnten neue Behandlungsmethoden entstehen. "Neue Medikamente könnten verhindern, dass sich die Blutgefäße an einer bestimmten Stelle plötzlich erweitern", meinen die Wissenschaftler.

Andere Experten sind allerdings skeptisch. Sie betonen, dass die meisten Kopfschmerzarten nicht durch eine Veränderung in der Durchblutung des Hirns verursacht würden. "Bei Migräne liegt die Störung im Gehirn selbst vor. Die Blutgefäße sind hierbei nicht beeinträchtigt", sagte Teshamae Monteith dem US-Fernsehsender ABC. Die Neurologin ist eine Spezialistin für Kopfschmerz an der Universitätsklinik in Miami (US-Bundesstaat Florida). Die Medikamente, die aktuell am erfolgversprechendsten seien, beeinflussten die Blutgefäße nicht.

Nach Meinung des Neurologen Joel Saper mangelt es in der neuen Studie an Beweisen: "Die Wissenschaftler haben nicht zweifelsfrei gezeigt, dass die starke Durchblutung wirklich die Schmerzen auslöst." Saper leitet in einer Klinik in Ann Arbor (US-Bundesstaat Michigan) das neurologische Institut. Seine Theorie: Das Rauschen des Bluts ins Gehirn könnte auch nur eine Folge der Schmerzen - und nicht ihre Ursache sein.

Das Fazit der Experten: Die neue Studie habe zwar eine interessante Erklärung für Kältekopfschmerzen. Aber: "Nicht alle Kopfschmerzen sind gleich." Auf andere Arten ließen sich die Ergebnisse nicht übertragen.

ajo

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