Blutvergiftung: Fettes Essen schickt Immunsystem auf Crashkurs

Schlechte Ernährung ist möglicherweise mit Schuld daran, dass Blutvergiftungen so oft tödlich enden. Das Immunsystem spielt bei einer Sepsis ohnehin verrückt - und Forscher glauben nun, dass der regelmäßige Verzehr fettreicher Nahrung alles noch schlimmer macht.

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Bakterieninfektion im Labor (Escherichia sp.): Rund 150.000 Sepsisfälle in Deutschland

London - Es ist ein fataler Kampf des Körpers gegen sich selbst: Nach einer einfachen Infektion mit Bakterien oder Pilzen entsteht eine Sepsis - das Immunsystem läuft Amok. Statt wie üblich nur lokal eine Entzündung zur Bekämpfung der Erreger auszulösen, werden an weiteren Stellen Entzündungsherde gebildet - so lange, bis der ganze Körper betroffen ist.

Die Reaktion - die eigentlich dazu da ist, Krankheitserreger zu bekämpfen - kann auch für gesunde Organe dramatische Konsequenzen haben: Feine Blutgefäße verstopfen, das Gewebe wird nicht mehr versorgt, und es kommt zum Versagen erst eines, dann mehrerer Organe.

Wissenschaftler haben nun einen Hinweis darauf gefunden, warum eine Sepsis gerade bei Übergewichtigen häufig ungewöhnlich schwer verläuft. Für diese Patientengruppe ist das Risiko, an einer Blutvergiftung zu sterben, siebenmal so hoch wie für Normalgewichtige. Und auch die nicht tödlichen Fälle verlaufen bei Übergewichtigen meist heftiger.

Im Fachblatt "BMC Physiology" berichten Chantal Rivera von der Louisiana State University in Shreveport und ihre Kollegen von einem Mausversuch. Sie fütterten die Tiere drei Wochen lang mit sehr fettreichen Futter, das einen hohen Anteil gesättigter Fettsäuren enthielt - "Ernährung im westlichen Stil", wie die Forscher schreiben. Das Ergebnis: Eine Sepsis verlief bei diesen Mäusen dramatisch schlimmer als bei ihren Artgenossen, die herkömmliches Futter gefressen hatten. Einer der Hauptverantwortlichen für die Verstärkung war dabei ein Rezeptor namens TLR-4, der normalerweise für die Erkennung von Krankheitserregern zuständig ist.

Die Wissenschaftler glauben, dass der beobachtete Effekt möglicherweise auch hinter der drastischen Zunahme an Sepsis-Fällen in den vergangenen Jahrzehnten steckt. In Deutschland sind jedes Jahr rund 150.000 Menschen betroffen. In 25 bis 40 Prozent der Fälle endet die Erkrankung auch heute noch tödlich. Wirksame Therapien sind, vor allem in den späteren Stadien, Mangelware.

Die Erkenntnisse aus dem Tierversuch böten einen vielversprechenden Ansatzpunkt bei der Entwicklung neuer Therapien gegen die Sepsis, argumentieren die Forscher. Sie empfehlen dringend, auch Übergewichtige in klinische Studien potentieller Behandlungsansätze aufzunehmen - schließlich profitierten sie vermutlich am meisten von neuen Medikamenten.

chs/dapd

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