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Blutzuckersenker: Firma verheimlichte Herzinfarktrisiko von Blockbuster-Medikament

Schlimmer Verdacht: Dem Hersteller GlaxoSmithKline soll schon seit elf Jahren bekannt sein, dass sein Diabetesmittel Avandia das Herzinfarktrisiko erhöht. Das Medikament soll Hunderte Todesfälle pro Quartal verursacht haben. Über negative Studienergebnisse hat der Konzern aber angeblich geschwiegen.

Diabetes-Medikament Avandia: Hunderte Todesfälle pro Quartal? Zur Großansicht
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Diabetes-Medikament Avandia: Hunderte Todesfälle pro Quartal?

London - Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline soll jahrelang negative Untersuchungsergebnisse zu seinem Diabetesmittel "Avandia" verheimlicht haben. Nach einem Bericht der "New York Times" wusste das britische Unternehmen seit 1999 durch eine eigene Studie, dass mit dem Medikament Avandia Herzinfarkt-Risiken verbunden sind. Da das Mittel dem Konzern aber Hunderte Millionen Dollar eingebracht habe, seien die Ergebnisse weder auf der Website veröffentlicht noch den Gesundheitsbehörden zugeleitet worden. Dies gehe aus Dokumenten hervor, die der "New York Times" vorlägen.

Eine Sprecherin von GlaxoSmithKline bestritt die Vorwürfe. "Alle Ergebnisse, die uns zum jeweiligen Zeitpunkt vorlagen, wurden den Behörden zugeleitet und auch veröffentlicht", sagte sie am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa in London. "Wenn Sie sich das über die Jahre anschauen, werden Sie sehen, dass wir immer und immer wieder Informationen dazu veröffentlicht haben."

Die mit Avandia verbundenen Herzrisiken waren 2007 öffentlich bekanntgeworden. Das Mittel soll für Hunderte Todesfälle verantwortlich sein. Allein im dritten Quartal 2009 habe das Mittel mit dem Wirkstoff Rosiglitazon 304 Tode verursacht. Die Jahresbilanz des größten europäischen Pharmakonzerns wurde dadurch spürbar belastet. Allein in den USA brach der Umsatz mit Avandia um fast ein Drittel auf 780 Millionen Pfund ein. Die US-Arzneimittel-Zulassungsbehörde FDA erließ für das Medikament eine schwarz umrandete Warnung vor Herzinfarkt-Risiken. Am Dienstag und Mittwoch beraten Gutachter der FDA darüber, ob Avandia verboten werden sollte. Die Experten sind jedoch gespalten. Manche meinen, dass der Nutzen die Risiken überwiegt.

US-Politiker äußerten Kritik am Vorgehen von GlaxoSmithKline. "Wenn Pharmakonzerne Informationen über Sicherheitsbedenken zu ihren Medikamenten zurückhalten, setzen sie Patienten einem Risiko aus", sagte Senator Max Baucus, der sich seit langem mit Avandia beschäftigt, der "New York Times".

boj/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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1. Frage
Zephira 13.07.2010
GSK hat entsprechende Ergebnisse der amerikanischen Arzneizulassungsbehörde doch schon 2005 mitgeteilt?
2. ..
Neurovore 13.07.2010
Zitat von sysopSchlimmer Verdacht: Dem Hersteller GlaxoSmithKline soll schon seit elf Jahren bekannt sein, dass sein Diabetesmittel Avandia das Herzinfarktrisiko erhöht. Das Medikament soll Hunderte Todesfälle pro Quartal verursacht haben. Über negative Studienergebnisse hat der Konzern aber angeblich geschwiegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,706260,00.html
Ist doch nicht das erstemal. Und zeigt mal wieder auf, daß das System der Arzneimittelüberwachung grandios versagt.
3. Mordanklage?
teopred2 13.07.2010
Zitat von sysopSchlimmer Verdacht: Dem Hersteller GlaxoSmithKline soll schon seit elf Jahren bekannt sein, dass sein Diabetesmittel Avandia das Herzinfarktrisiko erhöht. Das Medikament soll Hunderte Todesfälle pro Quartal verursacht haben. Über negative Studienergebnisse hat der Konzern aber angeblich geschwiegen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,706260,00.html
Wenn dem so wäre, wo bleibt die Anklage wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes aus Habgier? mfg
4. Zertifizierung hinfällig?
avollmer 13.07.2010
Sollte sich herausstellen, dass GSK trotz Kenntnis des Risikos darauf nicht reagiert hat, so stellt dies ein eklatantes Versagen des QS-Systems und der Meldesystematik von GSK dar. Damit ist jegliche Zulassung aller GSK Produkte unter gleicher Zertifizierung hinfällig. Sollten hier die Zulassungsstellen, die benannten Stellen und die Meldebehörden nicht handeln, ist sogar deren Zertifizierung und Akkreditierung gefährdet. Ich würde insbesondere den Konkurrenzunternehmen empfehlen ein Auge darauf zu haben, sonst könnte noch der Verdacht aufkommen man handele konspirativ um bei eigenen Fehlern ebenfalls auf Wegschauen zählen zu können. Normalerweise müsste innerhalb 48 Stunden eine Reaktion erfolgen, das ist der in den europäischen Normen vorgesehen Zeitrahmen. Und diese Normen sind rechtsverbindlich für Anbieter von Medizinprodukten. Besonders bei der Klassifikation unter der dieses Medikament zugelassen wurde. Ich bin gespannt ob sich eine Staatsanwaltschaft findet, die das aufgreift. Es ist zwar kein Mord, aber es würde für Körperverletzung mit Todesfolge in mehreren Fällen reichen.
5. dann doch lieber Homöopathie :-)
ich-kanns-nicht-glauben 13.07.2010
Bin ich froh, daß ich bei jeder Krankheit (bisher mit bestem Erfolg) lieber erst mal die "unwirksamen" Homöopathie in mich hineinstopfe. Von der Pharmaindustrie umbringen lassen kann ich mich ja immer noch - falls die Globuli mal nicht mehr helfen sollten :-) Vielleicht sollten die Parteien nochmal genau (!!!) überdenken, welche Arzneimittel sie aus der Erstattungsliste nehmen.
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