Von Julia Merlot
Hamburg - Zahlreiche Krankheitserreger haben Tricks entwickelt, Antibiotika wirkungslos zu machen. Bodenbakterien könnten ihnen dabei behilflich gewesen sein, berichten Forscher im Fachmagazin "Science": Offenbar geben die weitgehend harmlosen Mikroorganismen Informationen an krank machende Bakterien weiter, die diese vor Antibiotika schützen.
Forscher haben das Erbgut von Bakterien aus elf Agrarflächen in den USA mit der DNA von antibiotikaresistenten Krankheitserregern verglichen. Im Erbgut der Mikroorganismen sind auf Genen die Zutaten gespeichert, die sie vor Antibiotika schützen. Sieben solcher Resistenzgene in Bodenbakterien stimmten im Test genau mit denen von Krankheitserregern, wie etwa Salmonellen, überein.
"In früheren Studien haben Wissenschaftler kaum Ähnlichkeiten in den Resistenzgenen von Bodenbakterien und Krankheitserregern gefunden", sagt Gautam Dantas von der Washington University School of Medicine. "Deshalb dachte man, dass es lange her ist, dass die Mikroorganismen ihre Resistenzgene ausgetauscht haben." Die Übereinstimmung in der aktuellen Untersuchung zeige jedoch, dass die Resistenzgene erst vor kurzem von den Bodenbakterien an Krankheitserreger weitergegeben wurden.
Auch die Speicherform der Resistenzgene in den Bodenbakterien weise darauf hin: Die entscheidenden Informationen seien auf mobilen Elementen im Erbgut gespeichert, welche die Bakterien leicht auf andere Stämme übertragen könnten, berichten die Forscher. Einige der analysierten Bodenbakterien trugen auf solchen sogenannten Resistenzkassetten Resistenzen gegen gleich fünf Antibiotikaarten.
Dass Bodenbakterien überhaupt Resistenzgene tragen, ist wenig überraschend: Der Boden ist einer der größten und vielfältigsten Lebensräume von Mikroorganismen. Antibiotika gelangen über den Einsatz in der Landwirtschaft in das Ökosystem. Zudem leben im Boden Streptomyces-Bakterien, welche die Basis für die meisten natürlichen Antibiotika sind. Empfindliche Bakterien können deshalb im Boden nicht überleben. Das schafft Raum und Nährstoffe für resistente Keime.
Wie genau die Resistenzen aus dem Boden zum Menschen gelangen, bleibt ein Rätsel. Die Forscher vermuten, dass Bodenbakterien und Krankheitserreger über die Darmflora zusammenkommen. Die genauen Mechanismen müssten aber noch geklärt werden. "Es gibt immer mehr Krankheitserreger mit Antibiotika-Resistenzen", so Dantas. "Unsere Studie zeigt, dass wir Antibiotika in allen Lebensbereichen - nicht nur in Krankhäusern und Arztpraxen - wesentlich vorsichtiger einsetzen müssen."
Mit Material von dpa
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