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Abstimmung im Bundestag: Deutsche sollen sich für oder gegen Organspende entscheiden

In Deutschland herrscht ein drastischer Mangel an Spenderorganen. Der Bundestag hat nun die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen. Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jeder aktiv mit der Frage beschäftigen muss, ob er spendet oder nicht.

Organtransplantation: Jeder über 16 Jahren soll sich mit dem Thema auseinandersetzen Zur Großansicht
DSO/ Johannes Rey

Organtransplantation: Jeder über 16 Jahren soll sich mit dem Thema auseinandersetzen

Berlin - Der Bundestag hat eine grundlegende Reform der Organspende beschlossen. Die Mehrheit der Abgeordneten stimmte für die sogenannte Entscheidungslösung - alle Fraktionen haben den Gesetzentwurf gemeinsam vorgelegt. Die Änderung soll die Bereitschaft zur Organspende fördern. Zur Zeit warten etwa 12.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ, meist auf eine Niere. Täglich sterben drei Patienten, die auf der Warteliste stehen.

Künftig sollen alle Bürger in Deutschland ab 16 Jahren regelmäßig Post von den Krankenkassen - gesetzlich wie privat - bekommen, in denen sie mit der Frage nach ihrer Bereitschaft zur Organspende konfrontiert werden. Alle Informationen und ein Spenderausweis sollen beiliegen. Es drohen aber keine Konsequenzen, wenn keine Entscheidung getroffen wird. "Die Regelung akzeptiert, wenn Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht entscheiden wollen", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). "Aber es wird nicht lockergelassen."

"Wir wollen den Menschen tatsächlich etwas mehr auf die Pelle rücken, indem wir fragen und nachfragen", sagte SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Mehr Informationen zur Organspende sollen nicht nur die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bereithalten. Auch die Behörden sollen bei der Ausgabe neuer Pässe, Personalausweise und Führerscheine Aufklärungsunterlagen aushändigen. Die Bereitschaft zur Organspende soll künftig auf der neuen elektronischen Gesundheitskarte vermerkt werden können. Dies ist aber vermutlich erst ab 2017 der Fall.

Streit um die Deutsche Stiftung Organtransplantation

Verabschiedet wurde zudem mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Transplantationsgesetzes. Rund 1400 Kliniken mit Intensivstationen müssen einen Transplantationsbeauftragten berufen, der unter anderem Angehörige potentieller Spender beraten soll. "So wird es flächendeckend Ansprechpartner geben, die den Prozess der Organspende im Krankenhaus koordinieren", sagte Minister Bahr. Wie dies finanziert wird, ist jedoch unklar.

Bei Lebendspenden werde geregelt, dass der Spender einen Anspruch gegenüber der Versicherung des Organempfängers hat. Das betreffe etwa Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation.

Grüne und Linke kritisierten, dass bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), welche die Organspenden organisiert, weitgehend alles beim Alten bleibe. Die DSO war wegen angeblich selbstherrlichen Agierens ihrer Spitze und angeblicher Unregelmäßigkeiten bei Organentnahmenin die Schlagzeilen gekommen.

Bahr verteidigte den Koalitionskurs gegenüber der DSO. "Die Stiftungsträger - die Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen - sollen bessere Kontrollrechte bekommen." Auch solle der Geschäftsbericht der DSO künftig jährlich veröffentlicht werden.

Die Grünen kritisierten die mögliche Weitergabe von Organspender-Daten für Forschungsvorhaben. Dies sei dazu geeignet, das wichtige Vertrauen der Menschen in die Organspende zu beeinträchtigen, sagte der Gesundheitsexperte der Fraktion, Harald Terpe.

wbr/dpa/AFP/Reuters

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1. Einfachere Lösung
fgranna 25.05.2012
Zitat von sysopDSO/ Johannes Rey In Deutschland herrscht ein drastischer Mangel an Spenderorganen. Der Bundestag hat nun die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen. Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jeder aktiv mit der Frage beschäftigen soll, ob er spendet oder nicht. Bundestag stimmt für Entscheidungslösung zur Organspende - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,835176,00.html)
Wer nicht wiederspricht ist automatisch Spender. Was soll das gemurkse mit der Befragung?
2. Dein Körper gehört dem Staat, hast Du etwa was dagegen?
habmeinemeinung 25.05.2012
Neue Qualität des Nannystaates erreicht.
3. Warum nicht
dr.u. 25.05.2012
Zitat von sysopDSO/ Johannes Rey In Deutschland herrscht ein drastischer Mangel an Spenderorganen. Der Bundestag hat nun die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen. Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jeder aktiv mit der Frage beschäftigen soll, ob er spendet oder nicht. Bundestag stimmt für Entscheidungslösung zur Organspende - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,835176,00.html)
Warum nicht beim Beantragen, Ändern, Verlängern des Perso nachfragen und die Entscheidung auf dem Perso kodiert ablegen? Da wird dann automatisch alle paar Jahre nachgefragt und die Krankenkassen können sich den zusätzlichen Verwaltungsaufwand sparen.
4. Schieflage
tonihormoni 25.05.2012
Zitat von sysopDSO/ Johannes Rey In Deutschland herrscht ein drastischer Mangel an Spenderorganen. Der Bundestag hat nun die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen. Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jeder aktiv mit der Frage beschäftigen soll, ob er spendet oder nicht. Bundestag stimmt für Entscheidungslösung zur Organspende - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,835176,00.html)
Das Modell hat eine Schieflage. Im Moment verdienen nur die Ärzte oder Krankenhäuser an einer Organspende. Warum profitiert nicht auch der dahinscheidende Patient bzw. seine Erben? Das würde die Bereitschaft zu einer Organspende sicher deutlich erhöhen.
5. Nichts muss
Pat-Riot 25.05.2012
Zitat von sysopDSO/ Johannes Rey In Deutschland herrscht ein drastischer Mangel an Spenderorganen. Der Bundestag hat nun die Reform des Transplantationsgesetzes beschlossen. Die Entscheidungslösung sieht vor, dass sich jeder aktiv mit der Frage beschäftigen soll, ob er spendet oder nicht. Bundestag stimmt für Entscheidungslösung zur Organspende - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,835176,00.html)
Die Überschrift des Artikels ist schlichtweg faktisch falsch. Man kann sich auch gegen eine Entscheidung entscheiden. Und noch nicht einmal aktiv mit der Frage beschäftigen muss man sich. Man kann sie auch ignorieren.
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Hirntod
Definition
Der Hirntod bedeutet in Deutschland nach den Richtlinien der Bundesärztekammer, dass alle Funktionen des Großhirns, Kleinhirns und Hirnstamms irreversibel erloschen sind. Nur durch eine kontrollierte Beatmung werden die Herz- und Kreislauffunktionen künstlich aufrechterhalten.
Bestimmung
Bei der Diagnostik müssen zwei erfahrene - von einer etwaigen Transplantation unabhängige - Intensivmediziner den Hirntod bestimmen. Zunächst müssen sie sich versichern, dass eine schwere primäre oder sekundäre Hirnschädigung (Blutung, Verletzung, Infarkt) vorliegt und keine Vergiftung, Drogenwirkung, Schock oder Ähnliches zum Ausfall der Hirnfunktionen geführt haben. Dann testen sie innerhalb von 12, 24 oder 72 Stunden zweimal, ob alle Funktionen, die über den Hirnstamm koordiniert werden, erloschen sind. Dazu zählen etwa der Lidschlussreflex, der Würgereflex, lichtstarre, weite Pupillen und der Ausfall der Spontanatmung. Ergänzend weisen sie mit einem Null-Linien-EEG, der fehlenden Durchblutung der Hirnarterien und mit weiteren speziellen Hirnstrommessungen nach, dass der Hirntod irreversibel eingetreten ist.
Kritik
Die Definition des Hirntods stammt aus dem Jahr 1968, in dem sich in den USA das sogenannte Ad Hoc Committee an der Harvard Medical School gründete. Es befürwortete den irreversiblen Ausfall aller Hirnfunktionen als neue Todesdefinition. Bis dahin war ein Mensch definitionsgemäß tot, wenn sein Herz und Kreislauf unwiederbringlich stillstanden. Kritiker halten entgegen, dass Hirntote noch schwitzen, ausscheiden und unter Umständen sogar ein Kind austragen können. Demnach ist das Gehirn nur eines von mehreren für den Erhalt der Lebensfunktionen wichtigen Organe. Der Deutsche Ethikrat hat im März 2012 vor dem Hintergrund des Transplantationsgesetzes über die Frage "Wann ist ein Mensch tot?" debattiert.
"Herztod"
Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Ländern wie den USA, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Österreich, Tschechien, Slowenien, Italien, Spanien und Portugal die Möglichkeit, Menschen unter definierten Umständen nach einem Herzstillstand Organe zu entnehmen - ohne dass ein Hirntod eingetreten oder diagnostiziert wurde. In Deutschland wird diese Praxis der "Non-Heart-Beating-Donors" sowohl von Seiten der Bundesärztekammer also auch der Politik strikt abgelehnt.

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