Erbgut-Analyse: Verschiedene Brustkrebs-Typen identifiziert

Manchmal kann eine Anti-Hormon-Therapie helfen, manchmal spezielle Antikörper - und in anderen Fällen nutzt keines von beiden. Forscher haben das Erbgut von über 800 Tumoren der Brust untersucht und viele Unterschiede entdeckt. Das soll bei der Entwicklung neuer Behandlungsformen helfen.

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Krebszellen unterm Mikroskop: Erbgut-Analyse liefert neue Erkenntnisse über Brustkrebs

Mediziner wissen schon länger, dass es verschiedene Untergruppen von Brustkrebs gibt; diese Erkenntnis fließt bereits in die Behandlungen ein. Eine genetische Analyse von 825 Tumoren aus den USA liefert nun weitere Hinweise auf die unterschiedlichen Krebs-Typen - und damit mögliche zukünftige Therapieoptionen.

Die Untersuchung ist Teil des "Cancer Genome Atlas"-Projekts, bei dem Forscher bereits vier weitere Krebsarten, darunter Plattenepithelkarzinome der Lunge, genetisch analysiert haben.

Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature" berichten, ähnelt einer der Brustkrebs-Typen einer bestimmten Form von Eierstockkrebs. Dies könne neue Therapien für Patientinnen ermöglichen.

"Wir sind jetzt einen großen Schritt weiter, die genetischen Ursachen der vier wichtigsten Brustkrebsformen zu verstehen", sagte Matthew Ellis von der Washington University in St. Louis. "Jetzt können wir untersuchen, welche Medikamente für die Patienten am sinnvollsten sind - auf Basis des genetischen Profils des Tumors." Bis diese Forschungsergebnisse in der Klinik genutzt werden können, bedarf es jedoch weiterer Studien, die Jahre in Anspruch nehmen werden.

Die Analyse zu den verschiedenen Brustkrebs-Untergruppen im Detail:

  • Basal-like: Diese Tumoren sprechen weder auf eine antihormonelle Therapie an, noch auf eine gegen Her2 gerichtete. Daher werden sie auch als triple-negativ bezeichnet. Sie sind schwieriger zu behandeln. Die aktuelle Studie zeigte, dass die genetischen Veränderungen in diesen Tumoren denen bei einer speziellen Form von Eierstockkrebs ähneln, dem serösen-papillären Zystadenokarzinom. Die Analyse legte nahe, dass beide Krebsformen gegenüber Medikamenten empfindlich sein sollten, die das Wachstum neuer Blutgefäße verhindern.
  • Her2-angereichert: Tumoren, die viele Andockstellen für einen bestimmten Wachstumsfaktor haben, werden in der Klinik als Her2-positiv bezeichnet. Diese Einteilung erfolgt nach bestimmten Zelltests. Bei der Erbgut-Analyse zeigte sich aber, dass es zwischen Her2-positiven Tumoren deutliche Unterschiede geben kann. Die Forscher teilen sie daher in zwei Gruppen ein: Nur ein Teil könne als Her2-angereichert gelten, der andere würde zur Luminal-Gruppe gehören. Was auch bedeutet: Erstere müssten auf die gegen Her2 gerichtete Therapie ansprechen, letztere nicht.
  • Luminal A und Luminal B: Die Krebszellen haben überdurchschnittlich viele Östrogen-, oder Progesteron-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche. Daher sprechen diese Tumoren auf eine antihormonelle Therapie an. Es ist die häufigste Form von Brustkrebs.
  • Ein fünfter Typ von Brustkrebs, der als "normal-like" bezeichnet wird, tritt vergleichsweise selten auf. Da in der aktuellen Studie nur acht der untersuchten Tumoren zu diesem Typ zählten, konnten die Forscher darüber keine genaueren Aussagen treffen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO erkranken pro Jahr etwa 1,3 Millionen Menschen an Brustkrebs, 450.000 sterben. Obwohl auch Männer Brustkrebs entwickeln können, sind zu mehr als 99 Prozent Frauen die Betroffenen.

wbr

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