Hunger-Schalter im Gehirn Warum Cannabis Fressattacken auslöst

Nach dem Joint kommt der Hunger. Cannabis kann regelrechte Fressattacken auslösen. Was dabei im Gehirn vor sich geht, haben Forscher nun ergründet. Die Erkenntnisse sollen vor allem kranken Menschen zugutekommen.

Pommes in rauen Mengen: Cannabis-Wirkstoff THC bringt die Steuerung im Gehirn durcheinander
Corbis

Pommes in rauen Mengen: Cannabis-Wirkstoff THC bringt die Steuerung im Gehirn durcheinander


Cannabis kann Schmerzen lindern, Krämpfe lösen und Spasmen unterdrücken. Deshalb dürfen gut 350 Menschen in Deutschland die Droge legal als Medikament verwenden - zur "medizinisch betreuten Selbsttherapie". Unter ihnen sind auch viele Krebspatienten während der Chemotherapie. Der Grund: Cannabis bringt auch den Appetit zurück, der Stoff kann wahre Fressflashs auslösen.

Um herauszufinden, wie sich die Lust am Essen bei Kranken noch gezielter wecken ließe, haben Forscher nun genauer untersucht, was die Fressattacken verursacht. Tamas Horvath von der Yale University und Kollegen fütterten gentechnisch veränderte Mäuse mit Cannabis-Futter und beobachteten, was in ihrem Gehirn vor sich ging.

Paradoxerweise wird der unstillbare Hunger demnach von den Nervenzellen ausgelöst, die den Appetit normalerweise zügeln. Der Hauptwirkstoff von Cannabis, Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), bindet im Gehirn an den sogenannten Cannabionoid-Rezeptor 1. Das sorgt dafür, dass man Lust auf etwas zu essen bekommt. Damit man sich nicht völlig überfrisst, gibt es im Gehirn aber auch Nervenzellen, die das Hungergefühl normalerweise wieder abschalten, sobald man satt ist.

Hirnchemie aus dem Gleichgewicht

"Wir waren überrascht, dass die Neuronen, von denen wir dachten, dass sie den Hunger stillen, plötzlich aktiv wurden und den Appetit der Mäuse verstärkten, auch wenn die Tiere satt gefressen waren", berichtet Horvath. Man könne sich das vorstellen, wie in einem Auto, das plötzlich Gas gibt, wenn man auf die Bremse tritt.

Für die chaotische Hungersteuerung scheint eine veränderte Zusammensetzung von Signalstoffen im Gehirn verantwortlich zu sein, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature". Demnach bewirkt der Cannabis-Wirkstoff THC, dass die Nervenzellen, die den Hunger stoppen sollen, plötzlich die falschen Botenstoffe dafür herstellen. Der Körper erhält so die Information, immer weiter zu essen.

Abschließend geklärt seien die Hunger-Attacken durch Cannabiskonsum damit allerdings noch nicht, berichtet Horvath. Viele weitere Funktionen in der Zelle würden durch den Cannabionoid-Rezeptor 1 gesteuert, auch sie könnten bei Fressflashs eine Rolle spielen. Auch, ob der nun entdeckte Mechanismus dazu beträgt, dass man high wird, wollen die Forscher noch untersuchen.

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jme

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