Charité: Totes Frühchen wird exhumiert und obduziert

Das in der Berliner Charité gestorbene Frühchen soll nun doch exhumiert und untersucht werden. Es könnte die einzige Chance sein, die Ursache des Todesfalls noch zu klären. Zugleich ist eine Debatte um die Konsequenzen aus dem Fall entbrannt.

Rudolf-Virchow-Krankenhaus der Charité: Erfolglose Suche nach der Quelle der Keime Zur Großansicht
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Rudolf-Virchow-Krankenhaus der Charité: Erfolglose Suche nach der Quelle der Keime

Berlin - Mehr als drei Wochen nach Tod eines infizierten Säuglings in Berlin hat ein Ermittlungsrichter die Exhumierung des Babys angeordnet. Die Leiche sollte am Montag in Berlin obduziert werden, um die genauen Todesumstände zu klären, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Es solle festgestellt werden, ob das Baby an den Folgen einer Infektion mit mit Darmkeimen gestorben sei, hieß es. Weitere Details nannte der Sprecher nicht.

Das Kind war am 5. Oktober im Deutschen Herzzentrum gestorben. Bei ihm wurden die Serratienkeime nachgewiesen. Das Baby war am 12. Oktober bestattet worden. Ob die Keime allerdings die Todesursache waren, ist strittig. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sagte am Montag im Gesundheitsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses, das kleine Kind sei nicht wie vermutet an Serratien-Keimen gestorben, sondern vielmehr an den Folgen einer Operation im Herzzentrum und an einer Sepsis.

Ursachenforschung geht weiter

Die Eltern des Kindes hatten sich kurz nach dem Tod gegen eine Obduktion ausgesprochen. Sie könnte nun Auskunft über die wahre Todesursache geben. Die Nachforschungen an der Charité waren unterdessen in einer Sackgasse gelandet. . Es seien einige hundert Proben untersucht worden, sagte der Ärztliche Direktor Ulrich Frei am Montag in der Sitzung des Gesundheitsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus. Dabei sei der Serratia-Keim lediglich an einem Beatmungsgerät in der Nähe eines betroffenen Kindes gefunden worden.

Im RBB-Inforadio sagte Klinik-Chef Karl Max Einhäupl am Montag, die Infektionsquelle auf der Frühchenstation sei eingedämmt, es habe keine neuen Serratien-Befälle gegeben. Alle betroffenen Kinder seien stabil. Allerdings könne die genaue Ursache der Infektionen nur gefunden werden, wenn die Erkrankungen andauerten.

Ohnehin werde nur bei jedem zweiten Serratia-Ausbruch der Übertragungsweg im Nachhinein festgestellt, sagte Frei mit Verweis auf die wissenschaftliche Literatur. Die Charité denke nun aber darüber nach, Voruntersuchungen bei Eltern auf Säuglingsstationen künftig auf weitere Keime auszudehnen. Bislang werden Eltern an der Charité bereits auf bestimmte Keime getestet, damit sie keine Erreger einschleppen.

Die Berliner Gesundheitsverwaltung sieht unterdessen zunächst keinen Bedarf für eine neue Hygieneverordnung. Das zuständige Bezirksamt Mitte wies eine Forderung nach der Verlagerung der Aufsichtskompetenzen zurück. "Wer noch besseren Schutz für Patienten will, muss den Bezirken mehr und nicht weniger Personal geben. Zentralisierungsüberlegungen gehen am Thema vorbei", sagte Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) am Montag. Thomas Isenberg, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hatte angeregt zu überlegen, ob die Klinikaufsicht in Berlin künftig noch beim Bezirk liegen solle.

Mediziner und Personal sind verunsichert

Die Wissenschaftsverwaltung und auch das Universitätsklinikum fordern inzwischen eine Versachlichung der Debatte. Sowohl Frei als auch Wissenschaftsstaatssekretär Knut Nevermann stellten sich vor die Mitarbeiter der Stationen für Frühchen und Neugeborene. Frei räumte zugleich Fehler in der Kommunikation ein. Der Charité wird vorgeworfen, nach dem Tod des Babys Anfang Oktober eine mangelhafte Informationspolitik betrieben zu haben.

Frei sagte vor dem Gesundheitsausschuss: "Die Mitarbeiter brauchen wieder Signale, ihre Arbeit ist wichtig." Sonst fürchte er, dass sich eine "etwas defensivere Haltung" beim Umgang mit Risiken entwickelt. Bei der Behandlung von Frühchen bewegten sich Personal und Ärzte in einem Grenzbereich der Medizin, möglicherweise auch der Ethik. Insofern habe "das Anrücken" von Staatsanwaltschaft und Mordkommission zu allergrößter Verunsicherung geführt. Die Diskussion müsse vom Kopf auf die Füße gestellt werden.

Zugleich bat der Professor bei der Diskussion "um Daten und Termine" um eine Beachtung der Diagnostikdauer. Für den Nachweis von Serratien seien vier bis acht Tage nötig. Beim ersten Auftreten eines Keims am 8. Oktober seien sofort das Gesundheitsamt und die zuständige Amtsärztin informiert worden. Bei 35 Kindern wie auch beim Personal seien Abstriche genommen worden. Zuvor habe es Anfang Juli einen durch eine Mutter eingeschleppten Serratien-Fall gegeben, dann nochmals eine Woche später. Frei betonte, dass Serratien-Ausbrüche auf Frühchenstationen nicht selten seien.

"Die Charité hat seitdem aber auf medizinischem Gebiet alles richtig gemacht", sagte Wissenschaftsstaatssekretär Nevermann. Man habe die Kinder isoliert und wenn notwendig operiert. Das fragliche Baby sei mit offener Brust, angeschlossen an eine Herz-Lungen-Maschine, gestorben. Die Eltern seien zugegen gewesen. Allerdings hätten sie eine Obduktion abgelehnt, obgleich das im Herzzentrum bei Todesfällen Usus sei. Nevermann räumte ein, dass die endgültige Aufklärung der Todesursache extrem schwierig sei. "Welchen Anteil am Tod des Kindes Serratien hatten, wird man wohl nie klären können."

nik/dapd/dpa

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1. Ja wenn das Kind an einer Sepsis gestorben ist
zappuser 29.10.2012
und die Serratien-Keime bei ihm nachgewiesen worden sind, ist es doch ganz klar an einer Sepsis durch die Serratien-Keime gestorben. Ob dies allerdings eine fahrlässige Tötung durch betreuende Personen war, wage ich stark zu bezweifeln.
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  • Montag, 29.10.2012 – 17:22 Uhr
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