Luftverschmutzung in China: Smog verkürzt Lebenserwartung um fünf Jahre

China: Das Atmen fällt schwer in Peking Fotos
Getty Images

Die exzessive Kohlenutzung im Norden Chinas hat schlimme Folgen für die Menschen: Bewohner der Region sterben im Schnitt fünf Jahre früher als Chinesen aus dem Süden des Landes, wo es weniger Smog gibt. Dies hat eine internationale Langzeitstudie ergeben.

Peking - Feinstaub ist im Norden Chinas allgegenwärtig. In den Wintermonaten sieht der normalerweise blaue Himmel über Peking gelb aus. Autos, Häuser, Geländer und Bäume sind mit schmutzigem Staub bedeckt. Die Rußpartikel sorgen jedoch nicht allein für schlechte Sicht und Atemwegsbeschwerden.

Eine internationale Studie hat nun ergeben, dass die Lebenserwartung im smoggeplagten Norden Chinas im Schnitt fünf Jahre kürzer ist als im Süden des Landes. Die 500 Millionen Bewohner Nordchinas hätten seit Beginn der neunziger Jahre zusammen 2,5 Milliarden Jahre an Lebenserwartung verloren, schreiben die Forscher im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Über Jahrzehnte hatte die Regierung Chinas den Bewohnern im Norden des Landes Kohle zum Heizen gratis zur Verfügung gestellt. Die Analyse der Forscher zeigte, dass die Feinstaubbelastung in den Regionen nördlich des Huai-Flusses deutlich höher ist als im Süden. Dort hätten die Werte bei durchschnittlich 184 Mikrogramm pro Kubikmeter gelegen - 55 Prozent mehr als im Süden.

Um die Auswirkung des Smogs auf die Lebenserwartung abzuschätzen, nutzten die Forscher Sterbedaten aus den Jahren 1991 bis 2000. Wegen der ansonsten vergleichbaren Lebensbedingungen im Norden und Süden Chinas konnten die Wissenschaftler den Beitrag des Feinstaubs gut quantifizieren. Sogenannte kardiorespiratorische Erkrankungen, die Herz und Atmung betreffen, hätten im Norden einen erhöhten Anteil bei den Todesursachen, berichten die Forscher.

Die Methoden der Studie könnten dazu benutzt werden, die gesundheitlichen Effekte von Smog auch in anderen Ländern abzuschätzen. Nach Angaben der Wissenschaftler verkürzt eine Konzentration von 100 Mikrogramm pro Kubikmeter die Lebenserwartung um etwa drei Jahre.

Im Januar lag Peking wochenlang unter einer dichten Staubwolke. Die Feinstaubwerte erreichten zuletzt nie zuvor gemessene Werte. Krankenhäuser füllten sich mit Menschen, die über Probleme mit den Atemwegen und dem Herz-Kreislauf-System klagen. Die Behörden riefen mehrmals den Luftnotstand aus. Hunderte Fabriken der 20-Millionen-Stadt mussten vorübergehend geschlossen werden.

hda/AP

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Und bei uns?
tatjuscha 09.07.2013
Und bei uns ist Kohlenutzung hochgesund, oder wie? Etwa in Regionen wie der Lausitz, wo viele Leute in ihren Mietwohnungen Ofenheizungen haben, die dreckigsten Kohlekraftwerke Europas stehen und Tagebaue für Trinkwassergebietszerstörzung, enorme Staubbelastung und Lärm sorgen? Aber da müsste man ja den hiesigen Energieriesen auf die Füße treten. Bloß nicht, bloß nicht.
2. Deutsche Diesel-Ruß-Autos nicht gesünder
plagiatejäger 09.07.2013
Seit Jahren gelten Diesel als vermeintlich ökologisch weil besonders sparsam; ein Haupt-Fehler ist zu verdrängen, daß ein Liter Diesel mehr Energie hat als Benzin und absurderweise weniger anstatt mehr (pro Energiemenge) besteuert wird. Ein Diesel verbraucht vielleicht weniger LITER, aber durch die höhere Energiedichte wohl mehr ENERGIE. Was die Partikel angeht, so sehe ich immer noch Dieselstinker mit Rußwolken auf dt. Straßen trotz der vielen Filter. Gerade auch LKWs sind Dreckschleudern - Deutschland hat eine der schlechtesten Lebenserwartungen, z.B. 10 Jahre geringer als Singapur, was müssen wir uns am Entwicklungsland China orientieren - das für uns giftige Industrieprodukte herstellt?
3. Da es nur eine Atmosphäre für uns alle gibt,
MeineMeinungist... 09.07.2013
wird es auch uns irgendwann treffen. Das ist alles schon seit vielen, vielen Jahren bekannt und trotzdem sind die Chinesen nicht bereit aus wirtschaftlichen Gründen, um ihrer Selbstwillen, etwas zu ändern. Genauso wie die Amerikaner. Keinen von denen kümmert es, was mit den Folgegenerationen passiert. Egoismus pur. hbommy
4.
h.hass 09.07.2013
Das hier so bestaunte - beneidete - Wirtschaftswachstum der Chinesen hat nun Mal seinen Preis. Und den müssen sie jetzt zahlen.
5. optional
bettyboop2013 09.07.2013
Das galt für die Braunkohleregion um Halle-Leipzig in der DDR auch. Unter der Hand wusste man, dass die Leute dort 5 Jahre eher sterben (auch wenn die Luftverschmutzung selbstredend nicht so extrem sein konnte wie in der Millionenmetropole Peking. Sieht auf dem Foto ja aus wie The Fog - Nebel des Grauens.) - Bei solch extremen Situationen kann man sich das - auch ohne wissenschaftliche Untermauerung - gut vorstellen. Mich würde mal interessieren, ob es solche Unterschiede auch zwischen Großstadt und Landleben gibt. Aber wahrscheinlich differiert das um ein, zwei Jahre, was nicht aussagekräftig genug ist.
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