Embryo-Manipulation in China Umstrittener Genforscher angeblich vermisst

Der Genforscher He Jiankui ist laut Medienberichten angeblich verschwunden. Er hatte Genmanipulation an Embryonen in China vorgenommen und das vergangene Woche öffentlich gemacht.

Genforscher Jiankui
AP

Genforscher Jiankui


Der chinesische Genforscher He Jiankui ist laut verschiedener Medienberichte angeblich verschwunden. Der Wissenschaftler hatte vergangene Woche öffentlich gemacht, das Erbgut von Zwillingen mit der Genschere Crispr/Cas9 verändert zu haben - er stellte seinen Eingriff auf einer Fachkonferenz in Hongkong vor.

Nun wird der bislang international weitgehend unbekannte Forscher, der an der Southern University of Science and Technology (SUSTC) in Shenzhen arbeitete, angeblich vermisst. Offenbar wurde er seit dem Wochenende nicht mehr gesehen, berichtet die "South China Morning Post", eine Zeitung aus Hongkong. Das chinesische Wissenschaftsministerium hatte den Eingriff zuvor kritisiert, weitere Forschung untersagt und eine Untersuchung des Falls angekündigt.

Bereits am Wochenende hatte es Berichte gegeben, nach denen Jiankui auf dem Gelände der Universität in Shenzhen unter Hausarrest stehe. Angeblich werde er von Sicherheitskräften bewacht, nachdem er eine sechsstündige Unterredung über seine Arbeit mit dem Präsidenten der Universität gehabt hatte.

Doch dem widersprach nun die Universität, der Forscher sei auch nicht verhaftet worden, hieß es. "Derzeit gibt es keine korrekten Informationen, nur die der offiziellen Kanäle stimmen", so eine Sprecherin. Was das genau heißt, blieb unklar. Weiter kommentieren könne man den Fall aber nicht. Es werde neue Informationen geben, wenn diese vorliegen würden.

Jiankui gab bei der Fachtagung und zuvor in einem YouTube-Video an, sein genetischer Eingriff habe die Kinder resistent gegen HIV gemacht. Er hatte nach eigener Darstellung in den Embryonen einen Zellrezeptor deaktiviert, der wichtig für die Infektion mit dem HI-Virus ist. Eine unabhängige Bestätigung für die Behauptung gibt es bislang nicht. Der Schritt war dennoch von etlichen Genforschern und Ethikern weltweit kritisiert worden.

Auch die chinesische Regierung hatte sich zuletzt entsetzt gezeigt. Der Eingriff sei "äußerst abscheulicher Natur", verletze chinesische Gesetze und die wissenschaftliche Ethik, hatte der stellvertretende Wissenschaftsminister Xu Nanping am Donnerstag gesagt. Das Ministerium sei strikt gegen die Versuche.

"Die aktuelle Situation, wie sie von den Medien berichtet wird, ist ein schwerwiegender Verstoß gegen nationale Gesetze, Vorschriften und ethische Richtlinien", so der Vizechef der Nationalen Gesundheitsbehörde, Zeng Yixin, im Interview mit CCTV. Man werde entschlossen ermitteln, um den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen.

joe/jme

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