Kuba: Cholera-Ausbruch soll Havanna erreicht haben

Cholera auf Kuba: Nachdem die Behörden drei Todesfälle und mehr als 50 Infektionen bestätigt haben, soll nun auch eine Frau in der Hauptstadt Havanna erkrankt sein. Die Infektionen seien auf Verschmutzungen von Brunnen zurückzuführen, so das Gesundheitsministerium.

Havanna - Nachdem im Osten Kubas die Cholera ausgebrochen ist, soll es nun einen Infektionsfall in der Hauptstadt Havanna geben. Das berichtet die britische BBC auf ihrer Internetseite. Offiziell bestätigt sind bislang drei Todesfälle. Wie die Behörden des Karibikstaates am Dienstag mitteilten, wurden in der Provinz Granma im Osten des Landes mindestens weitere 50 Menschen infiziert.

Die Krankheit sei in der Stadt Manzanillo ausgebrochen, berichtete die Parteizeitung "Granma" unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die Lage sei aber unter Kontrolle und die Zahl der Infektionen bereits rückläufig. Die Erkrankungen seien auf eine Verschmutzung verschiedener Brunnen in der Region zurückzuführen.

Wie die BBC berichtet, handelt es sich bei der nun erkrankten Person um eine 60-jährige Frau, die sich bereits seit einigen Tagen im Krankenhaus befindet. Weil die Diagnose früh gestellt worden sei, befinde sie sich in einem stabilen Zustand.

Die schlimmste Choleraepidemie weltweit herrscht noch immer auf Haiti. Nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 hatte sich die Infektionskrankheit rasend schnell ausgebreitet - mehr als 500.000 Menschen haben sich seither infiziert, mehr als 7000 sind an der Krankheit gestorben. Uno-Blauhelmsoldaten aus Asien sollen das potentiell tödliche Bakterium kurz nach der Katastrophe eingeschleppt haben. Aufgrund der Regenzeit verschärft sich die Situation derzeit erneut - Experten befürchten, dass es Jahre dauern wird, die Epidemie einzudämmen.

hei/dpa

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Cholera
Infektion
CDC/ Janice Carr
Die Cholera ist eine schwere Infektionskrankheit des Menschen. Sie verursacht starke Durchfälle und Erbrechen, was zu einer schnellen Austrocknung und Elektrolytverlusten führt. Übertragen wird die Cholera durch das Bakterium Vibrio cholerae, das vor allem in Fäkalien sowie in verschmutztem Wasser und rohem Fisch vorkommt.
Symptome
Die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit beträgt wenige Stunden bis fünf Tage. Durch starken Durchfall und Erbrechen verlieren die Patienten große Mengen Wasser und Elektrolyte. Dadurch kollabieren sie, bekommen Krämpfe, Fieber, fallen ins Koma. Wird die Cholera nicht behandelt, führt sie zum Tod. Menschen mit geschwächtem Immunsystem wie unterernährte Kinder oder HIV-Infizierte haben auch bei dieser Erkrankung ein höheres Sterberisiko als der Durchschnitt der Bevölkerung.
Behandlung
Wird die Cholera rechtzeitig erkannt, sind die Heilungschancen gut. Die wichtigste Maßnahme ist die Zufuhr von Flüssigkeit, Zucker und Salzen. In besonders schlimmen Fällen sollte diese intravenös erfolgen, um den entzündeten Magen-Darm-Trakt zu umgehen. Am besten schützen Reisende sich durch Vorsorge: Sie sollten auf einwandfreies Trinkwasser und unbedenkliche Nahrungsmittel achten und im Falle einer beginnenden Durchfallerkrankung sofort medizinische Hilfe in Anspruch nehmen. Darüber hinaus untersucht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergänzende Maßnahmen zur Cholera-Prävention. Impfungen empfiehlt sie bisher nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel bei Hilfseinsätzen in aktuellen Epidemiegebieten unter eingeschränkten hygienischen Bedingungen. Die Impfungen gegen Cholera sind bisher nicht sehr effektiv und haben hohe Nebenwirkungen.
Verbreitung
Die Cholera ist weltweit verbreitet. Besonders häufig kommt sie auf dem indischen Subkontinent sowie in Zentral- und Südafrika vor. Epidemien treten vor allem dann auf, wenn die hygienischen Bedingungen schlecht sind und es keine geregelte Abwasserversorgung gibt, wie etwa in den Slums in Haiti. Dort steigt die Zahl der Erkrankungen schneller als in den Lagern, die die Hilfsorganisationen nach dem jüngsten Erdbeben eingerichtet haben. Je besser die Abwasserversorgung, desto geringer die Chance zur Verbreitung.
Cholera-Epidemie auf Haiti
Ob die Seuche von Uno-Truppen nach Haiti eingeschleppt wurde, ist nicht endgültig geklärt. Nepal wies Gerüchte zurück, wonach Blauhelmsoldaten aus dem Himalaya-Staat Cholera-Erreger nach Haiti gebracht haben sollen. Entsprechende Tests hätten das Gegenteil bewiesen, sagte ein Armeesprecher. Auch die Vereinten Nationen weisen dies zurück. Schwedische Diplomaten allerdings haben jetzt erstmals bestätigt, dass die Erreger von infizierten Uno-Soldaten aus Nepal stammten. Die Spur sei zweifelsfrei zurückzuverfolgen. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes bestätigten, dass es sich bei dem Erreger um einen "asiatischen Stamm" handele, warnten jedoch vor voreiligen Schlussfolgerungen.

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