Dauerleiden: Chronischer Schmerz entsteht im Kopf

Wieso leiden manche Menschen dauerhaft unter Rückenschmerzen, obwohl sich kein körperlicher Grund dafür finden lässt? Forscher wollen die Ursache für den chronischen Schmerz im Gehirn entdeckt haben.

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Hirnscan: Fehlgeleiteter Lernprozess scheint zu Dauerschmerz zu führen

Zu Beginn unterscheiden sich ihre Schmerzen kaum - doch während sie bei einigen Betroffenen nach wenigen Wochen wieder abklingen, quälen sich die anderen weiter damit. Oft können Ärzte für solche chronischen Rückenschmerzen keine körperliche Ursache entdecken. Sie kennen aber einige Risikofaktoren für die Entwicklung des Dauerleidens. Wer beispielsweise sofort eine Schonhaltung an den Tag legt, ist eher gefährdet. Öfter betroffen sind auch Menschen, bei denen psychische Probleme schnell körperliche Symptome nach sich ziehen.

Ein Forscherteam aus den USA berichtet nun im Fachmagazin "Nature Neuroscience", dass bestimmte Unterschiede im Gehirn dazu beitragen, ob ein Rückenschmerz wieder abklingt oder chronisch wird. "Zum ersten Mal können wir erklären, warum Menschen, die zu Beginn die gleichen Schmerzen haben, entweder wieder gesund werden oder chronische Schmerzen entwickeln", sagt der an der Studie beteiligte Forscher Vania Apakarian von der Northwestern University in Chicago, Illinois. Die Wissenschaftler hoffen, dass diese Erkenntnis zu neuen Therapien führen wird.

An der Untersuchung nahmen 39 Patienten teil, die zu Studienbeginn zwischen vier und 16 Wochen unter Rückenschmerzen gelitten hatten. Weitere 17 gesunde Teilnehmer dienten als Kontrollgruppe. Ein Jahr dauerte die Studie, in dieser Zeit legte sich jeder Proband viermal in einen Magnetresonanztomografen (MRT), wo die Forscher Aufnahmen des Gehirns machen. Bei 20 Patienten hatten sich die Schmerzen nach einem Jahr gebessert, bei 19 waren sie geblieben beziehungsweise schlimmer geworden.

Übermäßige Kommunikation zweier Hirnregionen schadet

Die Verknüpfung zweier Hirnregionen spielte demnach eine entscheidende Rolle. Je besser der sogenannte Nucleus accumbens und der präfrontale Cortex verknüpft waren, desto größer war das Risiko, dass sich der Kreuzschmerz zum Dauerleiden entwickelte. Die Hirnbereiche sind an Lernprozessen und der Verarbeitung von Gefühlen beteiligt.

Die Forscher interpretieren das wie folgt: Je stärker das Gehirn emotional auf eine Verletzung beziehungsweise die anfängliche, akute Pein reagiert, desto eher bleiben die Schmerzen bestehen, wenn die Ursache längst verschwunden ist. Der Schmerz brennt sich quasi in einem fehlgeleiteten Lernprozess ein.

Es könnte sein, dass diese Bereiche des Gehirns bei manchen Menschen per se stärker angeregt seien, sagt Apakarian. Es könnten auch vererbte oder Umwelteinflüsse dafür sorgen, dass die beiden Hirnregionen bei Schmerzen übermäßig stark miteinander interagieren. Bei den Probanden, die chronische Schmerzen entwickelten, nahm zudem die graue Substanz in einigen Hirnbereichen stark ab.

Die Erkenntnisse könnten helfen, künftig früher zu erkennen, wer besonders Gefahr läuft, chronische Rückenschmerzen zu entwickeln - und rechtzeitig gegenzusteuern. Denn je länger die Pein andauert, desto schwieriger wird es für die Betroffenen, sie wieder loszuwerden.

wbr

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Im Hirn ja, aber.....
elgitano 02.07.2012
ich hatte auch jahrelange Rückenschmerzen ( bin heute 52), vor allem am Freitag, so komisch es klingt. Heilung: Ruhiger im Gehirn werden. Der sogenannte Stress hat es ausgelöst. Das Gehirn hat mich zur Ruhe gezwungen, indem es mir Schmerzen im Rücken "verabreichte". Andere klinken aus, jenachdem wie das Gehirn den Patienten bremsen kann, denke eine ganz natürlicher Selbstschutz, evtl. vergleichbar mit der Angst.
2. Typisch Ärzte
xfbrx 02.07.2012
Ursache wird nicht erkannt, aber es gibt igendeinen psychischen/neurologischen Zusammenhang => Patient ist selber schuld(bzw. sein Körper) und es ist unheilbar mit heutigen Methoden, Fall abgeschlossen. Wenn die Informationen im Artikel stimmen haben die nur herausgefunden, dass Rückenschmerzen und eine übermäßige Kommunikation dieser zwei Hirnregionen gleichzeitig auftreten. Also A und B treten auf, also ist völlig logisch das B aus A folgt(A->B). B->A oder C->A&B sind vollkommen ausgeschlossen... Spätenstens nach: "Öfter betroffen sind auch Menschen, bei denen psychische Probleme schnell körperliche Symptome nach sich ziehen." sollte man hellhörig werden. Das klingt ganz danach dass diese Patienten unter nicht erkannten somatopsychischen(Gegenteil von psychosomatischen, jaaa das gibt es auch!) Problemen leiden. Und genau diese Probleme könnten die Ursache für die Rückenschmerzen sein, oder eine Teilursache.
3. Pappalapapp
digitalesradiergummi 02.07.2012
Zitat von sysopCorbisWieso leiden manche Menschen dauerhaft unter Rückenschmerzen, obwohl sich kein körperlicher Grund dafür finden lässt? Forscher wollen die Ursache für den chronischen Schmerz im Gehirn entdeckt haben. Damit könnte man Risikopatienten früh identifizieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,842033,00.html
Ich habe etwa seit dem 18 Lebensjahr Rückenschmerzen, phasenweise, sehr stark, bis zur Gehunfähigkeit, über Wochen. Orthopädenstellungnahme: Leichte Wirbelsäulenverkrümmung, oder schwere. Bandscheiben sind OK. Auf dem CT/Mert können wir nichts sehen, ausser dass da mal ne Reizung war, da müssten sie kommen wenn es akut ist, Termin dauert aber 3 wochen. Egal. Tun sie so,als ob sie ein 5-Markstück zwischen den Popobacken haben, und drücken sie mit den PoBacken drauf, ummer wennn sie Zeit haben. Hab ich gemacht, nix genutzt. Aber dann kam's, Kieferorthophäde sagt, Kiegfer schief, Zähne schief, Zahnspange gekriegt mit 47 Jahren, dann Kiefer operiert, und noch mal Zahnspange mit Gummis, dann noch lose Spange. Alles weg. Manchmal gibt's noch Attacken im Rücken, zum Wetterwechsel, dann mach ich das mit den Pobacken, und es hilft. Das Leiden ist durch Kieferortopädische Massnahmen um gefühlte 80% gemildert, und jeden Tag wird es besser. Stiche in Hüfte, Knieund Ferse haben vollständig aufgehört Zuvor nahmen sie zu. Jeder Rücken ist anders, aber lasst Beisserschen untersuchen, beim Kieferorthopäden. Aber nicht jeder ist gut.
4. den Zusammenhang kenne ich schon seit über 20 Jahren
12ullameyko 02.07.2012
Zitat von sysopCorbisWieso leiden manche Menschen dauerhaft unter Rückenschmerzen, obwohl sich kein körperlicher Grund dafür finden lässt? Forscher wollen die Ursache für den chronischen Schmerz im Gehirn entdeckt haben. Damit könnte man Risikopatienten früh identifizieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,842033,00.html
...das Wissen über den Zusammenhang zwischen dem Gyrus präcentralis und dem Schmerz im Rücken (oder sonstwo) hilft mir mit meiner Weiterentwicklung der Reflexzonentherapie am Fuß (european foot reflexology) Rückenschmerzen schnell zu lokalisieren, die Ursache festzustellen und das "Schmerzgedächtnis " zu löschen. Keine Hexerei - ich arbeite seit über 30 Jahren mit der Methode.
5. optional
bigbubby 03.07.2012
xfbrx dieser Artikel sagt nicht, dass deswegen B aus A folgt. Hier steht nur, dass man eventuell so erkennen könnte, wer anfällig ist. Hier wurde immer nur von der Korrelation gesprochen. Eigentlich finde ich, ist es eine schöne herangehensweise, um psychosomatische Probleme auf dem Grund zu gehen. Wo diese im Gehirn entstehen. Schließlich haben viele damit Probleme. wie elgitano kenne ich selbst das Rückenschmerzproblem. Bei mir hilft regelmäßiger Sport. Manche würden jetzt sagen, es liegt an der Muskulatur, die Aufgebaut wird, ich dagegen glaube eher, dass es der Stress ist, der durch den Sport abgebaut wird, weshalb die Rückenschmerzen dann zurückgehen.
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Nackenschmerzen und steifer Hals
Was sind Nackenschmerzen?
Nackenschmerzen sind Schmerzen im Schulter- und Halsbereich, die bis in die Arme oder den Kopf ausstrahlen können. Betroffene können den Kopf häufig gar nicht mehr oder nur noch unter Schmerzen bewegen. Ist das der Fall, spricht man auch von einem "steifen Hals".

Nackenschmerzen sind in der Bevölkerung weit verbreitet und zählen in den westlichen Ländern zu den häufigsten Gründen für Arbeitsausfälle. Etwa jeder dritte Erwachsene leidet mindestens einmal im Jahr unter den Schmerzen. Meistens verschwinden die Beschwerden nach wenigen Tagen oder Wochen wieder.

Experten teilen Nackenschmerzen in drei Phasen ein: Lassen die Schmerzen innerhalb von 30 Tagen nach, sprechen sie von akuten Nackenschmerzen. Halten sie zwischen 30 und 90 Tagen an, handelt es sich um subakute Schmerzen. Ab einer Dauer von mehr als 90 Tagen gelten die Schmerzen als chronisch.
Woher kommen die Schmerzen?
Bei den meisten Betroffenen stecken verspannte und verkrampfte Muskeln im Hals hinter den Nackenschmerzen. Diese entstehen häufig durch falsches Sitzen oder Liegen. Auch Zugluft kann Nackenschmerzen verursachen, da sie die Halsnerven oberflächlich reizt und die Muskeln ungleichmäßig aktiviert.

Daneben zählen Stress und psychische Probleme zu den häufigen Ursachen: Die Betroffenen spannen unbewusst ihre Muskeln im Hals an, ziehen die Schultern hoch, strecken den Kopf nach vorne und beißen die Zähne zusammen. Über längere Zeit kann es so zu Verspannungen kommen.

Seltener liegt Nackenschmerzen ein Verschleiß der Wirbelsäule zugrunde. Sind zum Beispiel die Wirbelöffnungen verengt, aus denen die Nerven austreten, reagiert der Körper häufig mit Schmerzen. Ebenso können Bandscheibenvorfälle Nackenschmerzen auslösen.

In weniger als einem Prozent der Fälle steckt eine sehr ernste Krankheit wie ein Bluterguss am Rücken, eine Hirnhautentzündung oder ein Tumor hinter den Schmerzen. Auch ein Schleudertrauma - etwa nach einem Auffahrunfall - kann Nackenschmerzen auslösen.
Wer sollte einen Arzt aufsuchen?
Meistens sind die Ursachen der Schmerzen harmlos und kein Grund zur Sorge. In seltenen Fällen können sie allerdings auch Folge einer ernsthaften Erkrankung sein. Verschlimmern sich die Schmerzen stark oder leidet jemand plötzlich unter heftigen Kopf- und Nackenschmerzen, sollte er möglichst schnell einen Arzt aufsuchen. Dasselbe gilt, wenn die Schmerzen lange anhalten.

Langanhaltende Nackenschmerzen verbunden mit einem Schwächegefühl in den Armen sind Anzeichen für einen Bandscheibenvorfall, die Arme können auch taub sein und kribbeln. Schmerzen, die in die Schulter oder den Arm ausstrahlen, verbunden mit tauben oder kribbelnden Fingern weisen auf eine Nervenreizung hin.

Auch wer gerade einen Unfall hatte, gestürzt ist, einen Schlag auf den Kopf erhalten hat, seit längerer Zeit kortisonhaltige Medikamente einnimmt, an einer Tumorerkrankung oder Osteoporose leidet, sollte den schmerzenden Nacken untersuchen lassen. Weitere Warnsignale für ernste Krankheiten sind Fieber, Gewichtsverlust und gleichzeitiger Druck oder Schmerz im Brustkorb.
Wie kann man sich selbst helfen?
Betroffene sollten sich möglichst viel bewegen. Am besten ist, den Alltag so gut wie möglich fortzusetzen, und nur schwere körperliche Arbeit und ruckartige Bewegungen zu vermeiden. Fließende Bewegungen und Spaziergänge lindern die Beschwerden. Bettruhe hingegen verlängert die Dauer der Schmerzen.

Wärme ist ein weiteres wirksames Mittel, um die Schmerzen zu stillen. Egal ob Kirschkernkissen, Rotlichttherapie oder einfach nur ein Schal, die Wärme kurbelt die Durchblutung an und lockert verspannte Muskeln. Achtung bei Wärmepflastern, sie können Hautirritationen hervorrufen.

Wer viel Stress hat, sollte sich ein wenig Entspannung gönnen und zum Beispiel mit einem guten Buch in der Badewanne relaxen. Auch hier nutzen Spaziergänge. Falls notwendig kann zudem ein Schmerzmittel akute Schmerzen nehmen.
Was kann der Arzt darüber hinaus tun?
Ärzte können in der Regel gefährliche von harmlosen Nackenschmerzen unterscheiden. Röntgenaufnahmen sind dafür nur selten notwendig, zum Beispiel nach einem Unfall oder bei chronischen Schmerzen, die sich nachts verstärken. Zwar können die Bilder Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule zeigen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese auch der Auslöser der Nackenschmerzen sind.

Lassen sich schwerwiegende Ursachen ausschließen, haben Spezialisten zwei Möglichkeiten, die Nackenschmerzen manuell (mit der Hand) zu behandeln. Bei der Mobilisation bewegt der Arzt die schmerzenden Körperteile mit leichtem Druck und dehnt verhärtete Muskeln. Bei der Manipulation bringt der Chiropraktiker die Gelenke mit kleinen, ruckartigen Bewegungen über die natürlichen Bewegungsgrenzen hinaus. Dabei kann es besonders an der Halswirbelsäule zu Komplikationen bis hin zum Schlaganfall kommen.

Beide Therapiemöglichkeiten sind wissenschaftlich bisher kaum untersucht. Studien weisen jedoch darauf hin, dass sie Nackenschmerzen zumindest kurzfristig lindern können. Daneben existieren auch Hinweise darauf, dass Akupunktur die Schmerzen zumindest kurzfristig abschwächen kann. Bei anhaltenden Schmerzen können Ärzte auch muskelentspannende Medikamente verschreiben.

Um nicht nur die Schmerzen, sondern auch ihre Ursachen zu bekämpfen, sollten Betroffene zudem Krankengymnastik machen. Physiotherapeuten kennen in der Regel einfache Übungen, mit denen Betroffene auch zuhause ihre Nackenmuskulatur stärken können. Daneben ist es häufig möglich, sich in den Praxen professionell massieren zu lassen.
Wie kann man den Schmerzen vorbeugen?
Der beste Schutz vor Nackenschmerzen ist eine kräftige und gut trainierte Muskulatur. In vielen Vereinen, Reha-Zentren und Fitness-Studios existieren spezielle Rückensportgruppen. Ebenfalls wichtig ist regelmäßiger Ausdauersport wie Yoga, Wandern, Rückenschwimmen oder Kraulen. Das entspannt und befreit von Stress.

Viele Schmerzen lassen sich auch durch eine richtige Haltung verhindern. Der Kopf sollte möglichst immer gerade gehalten werden. So ist es zum Beispiel schädlich, das Telefon zwischen Ohr und Schulter zu klemmen. Bei längeren Autofahrten oder langem Sitzen am Computer sollten regelmäßig Pausen auf dem Programm stehen, um den Rücken zu strecken und zu lockern.

Computerbildschirme sollten unterhalbe der Augenhöhe eingestellt sein, so dass die oberste Bildschirmzeile zwischen 5 und 35 Grad unterhalb der horizontalen Blickrichtung liegt. Dann ist die Nackenmuskulatur entspannt. Beim Schlaf ist dagegen eine gerade Haltung wichtig. Dafür braucht man nicht unbedingt ein teures Nackenkissen. Es reicht, wenn das Kissen so hoch ist, dass der Nacken in der natürlichen Verlängerung der Wirbelsäule liegt.
Weitere Informationen
Bewertungen der verschiedenen Therapien: www.gesundheitsinformation.de

Ein Faltblatt der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: http://leitlinien.degam.de/uploads/media/LL-13_Patienteninfo.pdf

Auflistung der ergonomischen Anforderungen an Büroarbeitsmöbel und Arbeitsmittel: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin