Neuartiges Coronavirus Virus verbreitet sich über Atemwege

58 Menschen sind bislang am Coronavirus erkrankt, 33 starben daran. Mediziner haben den Krankheitsverlauf eines verstorbenen Mannes untersucht. Sie vermuten, dass sich das Virus vor allem über die Atemwege verbreitet.

Neuartiges Coronavirus: Anderer Verlauf als Sars-Erreger
REUTERS

Neuartiges Coronavirus: Anderer Verlauf als Sars-Erreger


London - Das neue, vor allem im Nahen Osten verbreitete Coronavirus scheint sich vor allem über die Atemwege zu verbreiten. Im Gegensatz zum Sars-Erreger, der ebenfalls zu den Coronaviren zählt, finden sich im Stuhl von Patienten nur wenige Viren, wie Mediziner im Fachblatt "The Lancet" berichten. Die Forscher beschreiben den Krankheitsverlauf eines in Deutschland behandelten und verstorbenen Mannes.

Bis zum 14. Juni wurden nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 58 Erkrankungen durch MERS-CoV (Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus) bestätigt, 33 Patienten starben daran. Nun berichten die Forscher um den Virologen Christian Drosten von der Universitätsklinik Bonn vom Krankheitsverlauf bei einem 73 Jahre alten Patienten aus Abu Dhabi, der im April in München starb.

Tod durch Sepsis und multiples Organversagen

Der Mann hatte zunächst grippeartige Symptome und wurde zwei Tage später in ein Krankenhaus in Abu Dhabi gebracht. Die Ärzte dort diagnostizierten eine Lungenentzündung und verordneten dem Patienten Antibiotika und künstliche Beatmung. Am 19. März, dem zwölften Tag der Erkrankung, wurde der Patient nach München verlegt. Die Atemprobleme verschlimmerten sich, zudem erlitt der Mann Nierenversagen. Er starb am 18. Tag der Erkrankung an einer Blutvergiftung (Sepsis) und multiplem Organversagen.

Wie die Mediziner berichten, war die Virenlast in den unteren Atemwegen am größten. Dies bestätigt die WHO-Empfehlung, bei Patienten Virenproben aus diesem Areal zu entnehmen. Geringe Erregermengen fanden die Mediziner in Urin und Stuhl des Patienten, aber nicht im Blut. Die Erreger im Harn könnten darauf hindeuten, dass sich das Virus in den Nieren vermehren kann, vermuten sie. Dies könnte erklären, warum der Mann - wie auch einige andere Patienten - Nierenversagen erlitt.

Unterschiede zum Sars-Erreger

Die niedrigen Virenmengen im Stuhl unterscheiden sich dagegen deutlich vom Sars-Erreger. Diese Erkenntnis ist für die Praxis wichtig, denn bislang orientierten sich Ärzte bei der Behandlung auch am Sars-Verlauf. Die hohe Erregerlast in den unteren Atemwegen deutet den Forschern zufolge darauf hin, dass das Virus hauptsächlich über die Atemwege ausgeschieden wird.

Solche Labordaten seien sehr wichtig, um Prognose und Infektionsrisiko besser einschätzen zu können, betonen sie. In einem Kommentar schreiben Benoit Guery und Sylvie van der Werf vom Hopital Huriez in Lille (Frankreich), dass der MERS-CoV-Ausbruch - gemessen am Verlauf von Sars vor zehn Jahren - noch in der Frühphase sein könne. Daher müsse die internationale Forschergemeinschaft dringend wirksame Therapien finden und bewerten.

nik/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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NeueGedanken 17.06.2013
1. Auch hier fehlt
die Information warum der Patient überhaupt von Abu Dhabi nach München verlegt worden ist. In jedem Artikel über diesen Fall wird das einfach so nebensächlich erwähnt ohne darauf einzugehen, wieso überhaupt. Abu Dhabi ist ja nicht die dritte Welt.
stealthop 17.06.2013
2. Pharmaindustrie
Uha... da hat die Pharmaindustrie mal wieder etwas neues erfunden
alt_f4 17.06.2013
3. zigtausend Tote
bei den "üblichen Grippen" id Zwischenzeit ohne Schlagzeile... Das ist aber kurios. Es wird doch nicht wieder eine Pandemie ausgerufen ?
spiegelleser_12345 17.06.2013
4. Forschungsgelder abgreifen
Zitat von stealthopUha... da hat die Pharmaindustrie mal wieder etwas neues erfunden
Es geht doch wie beim Klimawandel nur darum, Forschungsgelder abzugreifen. Krankenheiten kamen und gingen, dass ist ganz natürlich. Wir haben auch die Pest überlebt. Das ist genau wie der Klimawandel völlig unbedeutend. Wollten Sie uns das sagen?
balubaer 17.06.2013
5. Verlegunggrund
@NeueGedanken, auch ich würde nach Deutschland verlegt werden wollen, damit ich nochmal meine Familie sehen kann und mich verabschieden. Das hat nichts mit der Kompetenz von Ärtzten zu tun, sondern einfach mit der Erkenntnis das es wohl mit ziemlicher Sicherheit bald aus sein wird und ich mich noch verabschieden wollte. Diesen Luxus hat nicht jeder.
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