Cortisol-Tablette Stresshormon unterstützt Höhenangst-Therapie

Sich der Angst zu stellen kann Menschen helfen, die an einer Phobie leiden. Forscher suchen nach Wegen, diese Konfrontationstherapien weiter zu verbessern. Dabei sind sie auf ein Mittel gestoßen, dass erst einmal ungewöhnlich klingt: das Stresshormon Cortisol.

Hoch gelegener Arbeitsplatz: Fensterputzer arbeiten an einer Fassade in Frankfurt
dpa

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Eine Fahrt in einem gläsernen Aufzug - für Menschen mit Höhenangst kommt das einem Albtraum gleich. Im Zuge einer Konfrontationstherapie kann diese Tour allerdings helfen, die Angst zu überwinden. Ein Forscherteam um Dominique de Quervain von der Universität Basel hat jetzt untersucht, ob sich der Therapieerfolg durch die Gabe des Stresshormons Cortisol weiter verbessern lässt. Cortisol beeinflusst Lern- und Gedächtnisprozesse, daher wollten die Forscher testen, ob es eine Angsttherapie unterstützen kann.

Menschen mit Höhenangst oder einer anderen Phobie reagieren auf an sich harmlose Reize mit Gefühlen extremer Angst und Beklemmung. Sie haben ein sogenanntes Angstgedächtnis gebildet, das unausweichlich aktiviert wird, sobald der angstauslösende Reiz auftritt. Bei einer Konfrontationstherapie wird versucht, dieses Angstgedächtnis zu überlagern. Die Betroffenen werden dazu in sicherer Umgebung immer wieder mit dem angstauslösenden Reiz konfrontiert - so lange, bis eine neue Reaktion auf die vermeintliche Bedrohung möglich ist.

Die Forscher untersuchten für die im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichte Studie 40 Menschen mit einer nachgewiesenen Höhenangst. Alle Probanden fuhren in einem gläsernen Aufzug ein Gebäude hinauf - allerdings nur virtuell. In Wirklichkeit standen sie auf einer Holzplattform, die Fahrt im Fahrstuhl wurde ihnen über einen Kopfmonitor vorgegaukelt. Die Hälfte der Probanden bekam kurz vor der Konfrontationstherapie Cortisol verabreicht, wobei weder der Betroffene noch der Therapeut wusste, wer Cortisol erhielt und wer einen Placebo.

Einige Tage nach dem Test wiederholten die Forscher den Versuch. Es zeigte sich, dass die Cortisol-Probanden beim Fahrstuhlfahren deutlich weniger Angst verspürten als die Kontrollprobanden. Das Nachlassen der Höhenangst spiegelte sich auch in den Antworten der Teilnehmer auf einen standardisierten Fragenkatalog wider. Des Weiteren stieg die Hautleitfähigkeit der Teilnehmer - ein weiteres Maß für die Angst - in den angstauslösenden Situationen weniger stark an als bei den Kontrollpersonen. Auch noch einen Monat nach dem ersten Experiment reagierten die Probanden gelassener auf eine neuerliche Fahrstuhlfahrt.

Vermutlich erleichtert das Cortisol die Auslöschung der angstbeladenen Gedächtnisinhalte und erleichtert das Erlernen neuer, angstfreier Erinnerungen, erklären die Forscher ihr Ergebnis. Sie vermuten, dass Hormone und andere Medikamente eine gute Ergänzung zur Verhaltenstherapie zahlreicher Angststörungen sein können. Vor einer Anwendung in der Praxis müssten allerdings noch weitere Studien folgen.

wbr/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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felisconcolor 29.03.2011
1. wundert mich irgendwie nicht
der Mensch ist seit Jahrtausenden Angstsituationen ausgesetzt. Damit sich diese Ängste nicht manifestieren und der Homo xyz sich nicht auf Dauer in seine Höhle verkriecht und dann letztendlich ausstirbt, musste es ein natürliches Mittel dagegen geben. Aus verschiedenen anderen Studien weiss man das Stresshormone dabei helfen schlimme Situationen zu bestehen oder zu verarbeiten. Angst abbbauen. Es fährt den Körper ja in eine Art Habacht-Stellung Sinne werden geschärft, der Kreislauf auf Touren gebracht. Also ist es naheliegend das das Stresshormon als extra Gabe dabei unterstützend wirkt gegen manifestierte Ängste anzuarbeiten.
plagiatejäger 29.03.2011
2. Stimmt
Also ich erinnere mich an einen Fall, wo eine seit vielen Jahren oft angstgestörte Patientin wegen Verdacht einer ersten starken rheuma-verdächtigen Autoimmunreaktion mit hohen Dosen an Cortison behandelt. In dieser Phase war die Patientin überraschend völli gklar im Kopf, schwerstkrank, fast sterbend, aber ohne Angst oder Psychose.
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