Genschere CRISPR US-Forscher manipuliert menschliche Embryonen

Mit einer Genschere hat ein US-Forscher das Erbgut menschlicher Embryonen verändert. Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Ferndiagnosen bei Trump und Footballer mit Hirnschäden.

Eingefärbte Aufnahme von einem menschlichen Embryo auf einer Nadel (grün) unter dem Elektronenmikroskop
Getty Images

Eingefärbte Aufnahme von einem menschlichen Embryo auf einer Nadel (grün) unter dem Elektronenmikroskop

Aus Boston berichtet


  • DER SPIEGEL/ Rick Friedman
    Johann Grolle berichtet als Korrespondent für den SPIEGEL aus Boston. "Das ist die Welthauptstadt der Wissenschaft", sagt der langjährige Leiter des SPIEGEL-Ressorts Wissenschaft/Technik. An dieser Stelle schreibt er, was Forscher am MIT, der Harvard University und anderswo in den USA bewegt.

+++ US-Forscher verändert DNA menschlicher Embryonen +++

Eingriffe in die Keimbahn: Vielen gilt das immer noch als unbedingtes Tabu. Nun hat es Shoukhrat Mitalipov als erster US-Wissenschaftler gebrochen. Der Biologe vom Zentrum für Zell- und Gentherapie in Portland, Oregon, hat genetisch veränderte Menschenembryonen hergestellt. Wie heikel das Thema ist, zeigt sich schon daran, dass die Details nur scheibchenweise bekannt werden. Unter Berufung auf namentlich nicht genannte Forscher berichtet die Zeitschrift "Technology Review", Mitalipov habe in Menschenembryonen genetische Defekte repariert. Er selbst will sich nicht äußern, solange die Ergebnisse nicht veröffentlicht sind.

Ähnliche Experimente, wenngleich mit durchwachsenem Erfolg, waren bereits in chinesischen Labors vorgenommen worden. Über das, was dort gelungen war, ging Mitalipov jedoch hinaus: "Technology Review" zufolge stellte er mithilfe der neuen CRISPR-Technik Dutzende Embryonen her, unbeabsichtigte Genfehler seien dabei fast gar nicht aufgetreten, offenbar bildeten sich auch keine sogenannten Mosaike. So heißen Embryonen, bei denen die veränderte Erbinformation nur in einen Teil der Zellen gelangt.

Wenn der Bericht zutreffend ist, stellen Mitalipovs Versuche einen wichtigen Schritt dar, um nachzuweisen, dass eine genetische Reparatur von Embryonen möglich ist, ohne dass diese dabei Schaden nehmen. "Technology Review" spricht von einem "Meilenstein" auf der "unvermeidlichen Reise hin zur Geburt des ersten genetisch veränderten Menschen".

+++ Schneckenschleim inspiriert Forscher zu OP-Kleber +++

Das Wyss-Institut der Harvard-Universität ist ein Ort, an dem Daniel Düsentrieb seine Freude hätte. Dort lehren die Forscher Roboterbienen das Fliegen, sie stellen aus Krebspanzern verrottbares Bioplastik her und bauen vibrierende Schuheinlagen, die den Gleichgewichtssinn stimulieren sollen. Eines ist all diesen Erfindungen gemein: Es geht darum, Geheimnisse der Natur zu lüften, um sie sodann in den Dienst der Technik zu stellen.

Ihren jüngsten Coup haben die Wyss-Tüftler den Nacktschnecken abgeguckt. Wenn diese Weichtiere sich bedroht fühlen, sondern sie einen Schleim ab, der sie erstaunlich fest an jedem Untergrund haften lässt. Diese glitschige Substanz haben die Forscher genau inspiziert und dann eine Paste nach diesem Vorbild kreiert.

Die Klebefläche enthält ein positiv geladenes Polymer, das an Oberflächen haftet, die zweite Schicht passt sich flexibel an Oberflächen an.
Jianya Li/ Adam D. Celiz/ David J. Mooney/ DPA

Die Klebefläche enthält ein positiv geladenes Polymer, das an Oberflächen haftet, die zweite Schicht passt sich flexibel an Oberflächen an.

Heraus kam ein neuartiger Klebstoff, der verschiedene Arten von Körpergewebe zusammenhält, selbst wenn diese nass oder blutig sind. Es gelang den Forschern damit, das Loch in einem Schweineherzen zu flicken und die Blutung einer Rattenleber zu stillen. Irgendwann, so hoffen sie, könnte der Superkleber zur Standardausrüstung von Chirurgen zählen.

+++ Fachgesellschaft erlaubt Ferndiagnosen +++

Jedermann weiß, dass Donald Trump launisch ist, selbstgefällig, ausfallend und impulsiv. Doch ist er auch verrückt? Einige Psychiater haben ihm krankhaften Narzissmus, Paranoia oder sogar Demenz bescheinigt. Doch fragt sich: Dürfen sie das eigentlich? Dürfen Ärzte Diagnosen von Patienten stellen, mit denen sie nie gesprochen haben? Ein Gremium der Psychoanalytischen Gesellschaft Amerikas (APsaA) hat darüber beraten und kam zum Schluss: Ja, das dürfen sie.

Donald Trump am 25. Juli in seinem Büro
AP

Donald Trump am 25. Juli in seinem Büro

Damit setzt sich eine Debatte fort, die derzeit in der US-Psycho-Branche tobt. Der Verband der Psychiater und Psychologen bekennt sich nach wie vor zur sogenannten Goldwater-Regel, die es Experten verbietet, sich öffentlich über die seelische Gesundheit von Politikern zu äußern.

Die Psychoanalytiker jedoch setzen sich davon nun ausdrücklich ab. Angesichts eines Staatschefs und militärischen Oberbefehlshabers, dessen "Verhalten sich von allem unterscheidet, was wir bisher gesehen haben", hält Prudence Gourguechon, die Ex-Chefin der APsaA, das Goldwater-Verbot für überholt: "Wir wollen unsere Mitglieder nicht daran hindern, ihr Wissen verantwortlich einzusetzen."

+++ Football hinterlässt Schäden im Gehirn +++

Tausende von Fans pilgern hier in Boston jetzt wieder zum Training der New England Patriots. Quarterback Tom Brady, jubelte der "Boston Globe", präsentiere sich gelenkig wie eh und je - trotz seines Methusalem-Alters von 40 Jahren. Es bremst die Begeisterung für das erfolgsverwöhnte Team offenbar kaum, dass pünktlich zum Saisonbeginn ebenfalls hier aus Boston die Knallermeldung kam, die eigentlich ein Grund sein könnte, diesen Sport zu verbieten.

Szene aus dem Spiel der Patriots gegen die Falcons beim Super Bowl im Februar 2017
AFP

Szene aus dem Spiel der Patriots gegen die Falcons beim Super Bowl im Februar 2017

Wenn von 111 Gehirnen verstorbener Profi-Footballer 110 deutliche Zeichen schleichender Hirnzerrüttung zeigen, dann darf ein ursächlicher Zusammenhang wohl als bewiesen gelten. Gedächtnisausfälle, Verwirrung, Depression, Demenz: Die Zahl der Symptome, die mit der durch Kopferschütterung ausgelösten "chronischen traumatischen Enzephalopathie" verbunden sein können, ist lang und schauerlich. Es gibt keinen Zweifel mehr: Was da über die Fernsehschirme aller Kneipen flimmert, sieht nicht nur brutal aus. Es ist brutal.

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