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Herzinfarkt-Studie: Rauchverbote retten Tausende Leben

Wo Zigaretten verschwinden, sinkt die Zahl der Herzinfarkte - das zeigt die Analyse von 3,7 Millionen deutschen Krankenhaus-Akten. Die bisher weltweit größte Studie dieser Art kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Rauchverbote retten allein in Deutschland jedes Jahr Tausende Leben.

Rauchverbot im Café in Niederbayern: Weniger Qualm, weniger Infarkte Zur Großansicht
DPA

Rauchverbot im Café in Niederbayern: Weniger Qualm, weniger Infarkte

Die Rauchverbote in Gaststätten haben nach einer Studie die Herzinfarkte in Deutschland deutlich verringert. Nach der Einführung der Nichtraucherschutzgesetze 2007 und 2008 gingen die Klinik-Behandlungen wegen eines Herzinfarktes um acht Prozent zurück, wie aus einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Studie der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht. Die Behandlungen wegen Angina pectoris, einer Vorstufe des Herzinfarkts, sanken sogar um 13 Prozent, heißt es in der im Fachblatt "Clinical Research in Cardiology" publizierten Studie.

Die Forscher um James Sargent von der Dartmouth Medical School in Lebanon (US-Bundesstaat New Hampshire) und Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in Kiel haben Krankenhausdaten von 3,7 Millionen Versicherten im Zeitraum von Anfang 2004 bis Ende 2008 ausgewertet. Nach Angaben der DAK handelt es sich damit um die weltweit bisher größte Studie zur Wirkung von Rauchverboten.

Die Kosten für stationäre Behandlungen wegen Angina pectoris seien um fast zehn Prozent, die wegen Herzinfarkten sogar um 20 Prozent gefallen. Allein bei der DAK-Gesundheit seien dadurch 1880 Behandlungen und 7,7 Millionen Euro pro Jahr eingespart worden, wie die Krankenkasse am Dienstag in Berlin mitteilte.

Forderung nach Rauchverboten ohne Ausnahmen

Die 3,7 Millionen Versicherten, deren Daten in die Studie eingeflossen sind, waren durchschnittlich 56 Jahre alt, zwei Drittel waren Frauen. 2,2 Prozent wurden im Untersuchungszeitraum wegen einer Angina pectoris stationär behandelt, 1,1 Prozent wegen eines Herzinfarkts. Nach Angaben der Forscher war die Zahl der Herzinfarkte und Angina-pectoris-Fälle in den ersten vier Jahren des Untersuchungszeitraums stabil - um dann mit der Einführung der Rauchverbote von 2007/2008 einen deutlichen Rückgang zu zeigen (siehe Grafik).

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Rauchverbote: Zahl der Herzinfarkte sinkt
Hanewinkel sagt, Rauchverbote könnten sogar noch mehr bewirken. Studien aus anderen Ländern hätten ergeben, dass strenge Regeln die Zahl der Herzinfarkte um bis zu 17 Prozent drücken könnten - und nicht nur um 8,6 Prozent wie in Deutschland. Allerdings gebe es in diesen Ländern "absolute Rauchverbote ohne jegliche Ausnahmen", so der Forscher.

Auch die finanziellen Vorteile von Nichtrauchergesetzen könnten noch größer sein als in der aktuellen Studie berechnet. "Mehr als 60 Prozent der Versicherten waren Frauen, die erfahrungsgemäß eine geringere Herzinfarktrate haben als Männer", erklärte Helmut Gohlke von der Deutschen Herzstiftung, einer der Autoren der Untersuchung. Der Rückgang der Behandlungszahlen hätte bei einem größeren Anteil männlicher Teilnehmer folglich noch höher ausfallen können. Außerdem seien in der Studie nur die Kosten für die Behandlung, nicht aber die für Arbeitsausfall und Rehabilitation erfasst worden. Allein den Produktivitätsverlust durch einen Herzinfarkt schätzt Gohlke auf 20.000 Euro.

Daten aus anderen Ländern bestätigt

Studien aus Ländern, in denen Rauchverbote schon länger existieren als in Deutschland, sprechen eine deutliche Sprache. 2009 besagte eine Überblicksstudie in den USA, dass Rauchverbote die Zahl der Herzinfarkte senken. Das Gleiche meldeten Mediziner aus Italien, nachdem dort ein strenges Rauchverbot eingeführt worden war. Auch beim Gaststätten-Personal in Irland stellten Forscher positive Resultate fest, ebenso wie in Schottland - wo jüngst sogar ein Rückgang der Frühgeburten auf das Rauchverbot zurückgeführt wurde.

Herzkreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2010 allein 41 Prozent aller Sterbefälle dadurch verursacht. Insgesamt starben rund 353.000 Menschen an den Folgen einer Herzkreislauferkrankung, davon knapp 60.000 an einem Herzinfarkt. Weltweit rechnen Wissenschaftler mit Millionen Tabak-Todesopfern pro Jahr.

In Deutschland gelten Nichtraucherschutzgesetze in allen Bundesländern. Bayern hat die schärfste Regelung, dort gilt seit einem Volksentscheid im Jahr 2010 ein striktes Rauchverbot für alle Gaststätten. In den meisten anderen Bundesländern existieren Ausnahmeregelungen etwa für Festzelte oder Einraumgaststätten, in denen keine warmen Speisen angeboten werden.

DAK-Chef Herbert Rebscher forderte ein einheitliches Rauchverbot. "Bayern kann hier mit seinem konsequenten Nichtraucherschutz als Blaupause für andere Bundesländer dienen", sagte Rebscher. Auch die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Carola Reimann (SPD), rief die Länder zu mehr Einheitlichkeit beim Nichtraucherschutz auf: "Ich würde mir wünschen, dass alle Länder es machen wie Bayern und einheitlich auf Ausnahmen verzichten."

Die DAK begleitet die Veröffentlichung der Rauchverbotsstudie mit einer aktuellen Forsa-Umfrage. Demnach finden 82 Prozent der Befragten die Nichtraucherschutzgesetze gut, sogar 68 Prozent der Raucher seien dieser Meinung. 63 Prozent gaben an, dass sie sich früher häufig durch den Rauch belästigt gefühlt haben. 23 Prozent der Befragten gaben an, seit Einführung der Rauchverbote öfter in Cafés und Restaurants zu gehen.

Auch das scheint frühere Erkenntnisse zu bestätigen, denn zu starken Umsatzeinbußen in der Gastronomie haben die Rauchverbote offenbar nicht geführt. In Bayern, dem Bundesland mit der strengsten Regelung, sind die Umsätze sogar gestiegen.

mbe/dpa/AFP/dapd

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1.
Pupsie 13.03.2012
Zitat von sysopDPAWo Zigaretten verschwinden, sinkt die Zahl der Herzinfarkte - das zeigt die Analyse von 3,7 Millionen deutschen Krankenhaus-Akten. Die bisher weltweit größte Studie dieser Art kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Rauchverbote retten allein in Deutschland jedes Jahr Tausende Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,821071,00.html
Feinste Lobbyarbeit! Haben se gut gemacht =)
2. Vorbild
neu_im_forum 13.03.2012
Zitat von sysopDPAWo Zigaretten verschwinden, sinkt die Zahl der Herzinfarkte - das zeigt die Analyse von 3,7 Millionen deutschen Krankenhaus-Akten. Die bisher weltweit größte Studie dieser Art kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Rauchverbote retten allein in Deutschland jedes Jahr Tausende Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,821071,00.html
Bayern hat hier Vorbildfunktion! Liebes Deutschland. Bitte nachmachen!
3. Schrecklich !
juergw. 13.03.2012
Zitat von sysopDPAWo Zigaretten verschwinden, sinkt die Zahl der Herzinfarkte - das zeigt die Analyse von 3,7 Millionen deutschen Krankenhaus-Akten. Die bisher weltweit größte Studie dieser Art kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Rauchverbote retten allein in Deutschland jedes Jahr Tausende Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,821071,00.html
Da wird ja die Lage der Rentenkasse noch unsicherer.Rauchen wir ebend vor dem Krankenhaus.
4. bin zwar Nichtraucher
nixda 13.03.2012
aber wär es nicht anständig wenn man vorher erst mal fragt ob die Leute überhaupt gerettet werden wollen? Klar, ich bin schon auch froh, dass ich nun in Restaurants essen kann und doch machen mich solche Verbote auch nachdenklich. Wen triffts als nächstes?
5. Teuer für die BG
Michael KaiRo 13.03.2012
Zitat von sysopDPAWo Zigaretten verschwinden, sinkt die Zahl der Herzinfarkte - das zeigt die Analyse von 3,7 Millionen deutschen Krankenhaus-Akten. Die bisher weltweit größte Studie dieser Art kommt damit zu einem eindeutigen Ergebnis: Rauchverbote retten allein in Deutschland jedes Jahr Tausende Leben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,821071,00.html
Schlecht für die Berufsgenossenschaften (BG), denn die können dann Zahlungen wegen Berufskrankheiten, entstanden durch Stäube etc. am Arbeitsplatz, nicht mehr mit dem Hinweis auf Zigarettenkonsum (aktiv oder passiv) einfach so ablehnen. Das war bisher nämlich fast immer der Fall; inkl. nahezu aller Arbeistunfähigkeiten durch Asbest. Das wird teuer für die BGs.
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Schockbilder: Anti-Tabak-Kampf in den USA

Rauchverbote in Deutschland
Deutschlandweit
Das seit dem 1. September 2007 geltende Gesetz zum Nichtraucherschutz schreibt ein grundsätzliches Rauchverbot in allen öffentlichen Einrichtungen des Bundes und im öffentlichen Personenverkehr vor.

Die Rauchverbote sind in den Ländern zwar unterschiedlich strikt. Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts 2008 ist das Rauchen aber in den meisten Ländern zumindest in kleinen Einraumkneipen bis zu 75 Quadratmetern gestattet.

Baden-Württemberg
Gaststätten müssen rauchfrei sein, können aber abgeschlossene Raucherräume einrichten. Rauchen in Einraumkneipen ist erlaubt. In Discotheken darf nur in vollständig abgetrennten Nebenräumen ohne Tanzfläche gequalmt werden, wenn sie nicht von Jugendlichen besucht werden. Das Rauchen in Festzelten ist erlaubt.
Bayern
Seit August 2010 ist Qualmen in Gaststätten, Kneipen und Bierzelten ausnahmslos verboten. Auf dem Oktoberfest durfte 2010 noch geraucht werden.
Berlin
Rauchen ist nur in abgetrennten Raucherräumen von Restaurants und Kneipen erlaubt sowie in Kneipen, die kleiner als 75 Quadratmeter sind. Clubs und Discotheken, die auch von unter 18-Jährigen besucht werden, müssen rauchfrei sein. Wenn nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen separate Raucherräume eingerichtet werden. In Schischa(Wasserpfeifen)-Gaststätten ohne Alkoholausschank darf geraucht werden, wenn Minderjährige draußen bleiben.
Brandenburg
In Brandenburg darf geraucht werden, wenn die Gastfläche nicht größer als 75 Quadratmeter ist, kein abgetrennter Nebenraum existiert und keine zubereiteten Speisen angeboten werden. Das Lokal muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet sein. Bei größeren Einheiten darf ein Raum für Raucher abgetrennt werden.
Bremen
In Gaststätten und Discotheken sind separate Raucherräume erlaubt, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. In Einraumgaststätten bis 75 Quadratmeter darf geraucht werden, wenn sie als Raucherkneipe gekennzeichnet sind und unter 18-Jährige keinen Zutritt haben. In Festzelten, auf Jahrmärkten und Volksfesten müssen Nichtraucher den blauen Dunst ertragen.
Hamburg
Qualmen war in Kneipen, Restaurants und Discotheken komplett verboten, wenn dort Essen angeboten wurde. Doch nun hat das Verfassungsgericht entschieden: In Hamburg darf in Restaurants unter bestimmten Umständen wieder geraucht werden. Restaurants muss die Einrichtung abgetrennter Raucherräume erlaubt werden. Gaststätten, in denen es kein Essen gibt, können ohnehin separate Raucherräume einrichten. In Lokalen ohne Essensangebot, die nur einen Raum und eine Gastfläche von weniger als 75 Quadratmeter haben, kann Rauchen erlaubt sein, wenn unter 18-Jährige keinen Zutritt haben.
Hessen
In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in größeren Gaststätten und Discotheken nur in Nebenräumen. In Festzelten, die nur vorübergehend betrieben werden, gilt das gesetzliche Rauchverbot nicht.
Mecklenburg-Vorpommern
Tabakqualm ist in Kneipen und Restaurants nur in separaten Nebenräumen erlaubt. Für Einraumkneipen gelten Ausnahmen. In Discotheken darf generell nicht geraucht werden.
Niedersachsen
In Restaurants, Kneipen und Discotheken ist das Rauchen nur in abgetrennten Räumen erlaubt. In Einraumkneipen darf geraucht werden, wenn dort kein Essen serviert wird. Die Kneipe muss als Rauchergaststätte gekennzeichnet werden, Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt.
Nordrhein-Westfalen
Rauchen ist in Einraumgaststätten erlaubt, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind. Sie müssen als Raucherkneipen gekennzeichnet sein, Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keinen Zutritt haben, und in solchen Kneipen dürfen keine zubereiteten Speisen serviert werden. In Discotheken darf nur in abgetrennten Räumen gequalmt werden.
Rheinland-Pfalz
In Gaststätten und Discotheken können Nebenräume als Raucherräume deklariert werden. Die Gäste von Einraumgaststätten unter 75 Quadratmetern dürfen qualmen. Vorübergehend aufgestellte Festzelte müssen nicht rauchfrei sein.
Saarland
Der blaue Dunst ist derzeit nur in separaten Nebenräumen, in einer inhabergeführten Gaststätte oder einer Gaststätte mit einem Schankraum unter 75 Quadratmetern ohne Speisenangebot erlaubt. Nach einem neuen Gesetz soll das Rauchen bald in allen Gastronomiebetrieben grundsätzlich verboten sein.
Sachsen
Kneipen können einen separaten Raucherraum einrichten. Außerdem dürfen Einraumgaststätten, Spielhallen und Discotheken ihren Gästen das Qualmen erlauben, wenn Minderjährige keinen Zutritt haben. Zulässig ist das Rauchen außerdem bei geschlossenen Gesellschaften wie bei Familienfeiern.
Sachsen-Anhalt
Gaststätten können einen Raucherraum einrichten, Jugendliche dürfen diesen nicht betreten. In Einraumkneipen darf gequalmt werden, in Nebenräumen von Discotheken nur, wenn Minderjährige generell keinen Zutritt haben.
Schleswig-Holstein
Gequalmt wird in Einraumkneipen und in Nebenräumen von Gaststätten. In diese Nebenräume dürfen nur Erwachsene. Vorübergehend aufgestellte Festzelte sind vom Rauchverbot ausgenommen.
Thüringen
Thüringen hat sein Nichtraucherschutzgesetz abgeschwächt. Damit darf in Einraumkneipen wieder offiziell geraucht werden. In größeren Gaststätten ist der Griff zum Glimmstängel nur in separaten Raucherräumen erlaubt. (Quellen: dpa/DAPD)


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