Darmbakterien: Ehec fordert erstes Todesopfer in Frankreich

Eine 78-jährige Französin ist an den Folgen einer Ehec-Infektion gestorben.  Hierzulande ist die Krankheitswelle zwar abgeebbt, doch in der Nähe von Paderborn läuft jetzt ein Ehec-Massentest.

Ehec-Bakterien in einer Petrischale: Krankheitswelle in Deutschland ist abgeebbt Zur Großansicht
dapd

Ehec-Bakterien in einer Petrischale: Krankheitswelle in Deutschland ist abgeebbt

Bordeaux/Hamburg - In Frankreich hat der Ehec-Ausbruch ein erstes Todesopfer gefordert. Eine 78-jährige Frau starb am Samstagmorgen, wie die Gesundheitsbehörden in Bordeaux erklärten. Sie war seit dem 24. Juni im Krankenhaus behandelt worden. Die Frau litt am hämolytisch-urämischen Syndrom (Hus), einer Folge der Ehec-Infektion.

Im Raum Bordeaux waren mehrere Menschen erkrankt, nachdem sie Sprossen von Senf, Bockshornklee und Rucola gegessen hatten. Nach Angaben des Europabüros der Weltgesundheitsorganisation WHO erkrankten seit dem 22. Juni acht Menschen an Hus, weitere acht müssten wegen blutiger Durchfälle behandelt werden. Bei vier Patienten seien Ehec-Keime des aggressiven Typs O104:H4 (auch Husec 41 genannt) gefunden worden. Dieser war für den Ausbruch in Deutschland verantwortlich. Doch keiner der französischen Patienten sei seit dem 1. Mai in Deutschland gewesen. Das gelte auch für einen Ehec-Patienten in Schweden.

Zahl der Neuerkrankungen auf niedrigem Niveau

Inzwischen gilt als möglicher Auslöser für die Krankheitswelle in Deutschland und Frankreich ägyptischer Bockshornkleesamen. Die Samen sind nach Angaben des niedersächsischen Agrarministeriums auch an den gesperrten Sprossen-Hof in Bienenbüttel geliefert worden. Sie seien über einen Zwischenhändler nach Deutschland gekommen, sagte ein Ministeriumssprecher. Wegen einer dichten Indizienkette war der Hof südlich von Lüneburg als Ursprung der deutschen Epidemie ausgemacht worden.

Die Behörden warnen weiter vor dem Verzehr roher Sprossen. Auch von der privaten Anzucht von Sprossen rät das Bundesinstitut für Risikobewertung ab. Selbst Kleinstpackungen mit Bockshornkleesamen, auch in Mischungen, könnten mit dem gefährlichen Ehec-Erreger kontaminiert sein, warnte das Institut in Berlin.

Die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland bleibt nach Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) weiter auf niedrigem Niveau. Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 44 Neuinfektionen mit Ehec sowie vier neue Hus-Fälle gemeldet. Seit dem Beginn der Epidemie Anfang Mai sind den Angaben zufolge damit bundesweit 3999 Menschen erkrankt, 845 davon entwickelten Hus. 48 Todesfälle werden mit der Krankheitswelle in Verbindung gebracht.

Massentest bei Paderborn

Nach den Erkrankungen wegen Ehec-Infektionen an einer Grundschule in Altenbeken bei Paderborn haben die Kreisbehörden einen Massentest angesetzt. In den nächsten Tagen sollen alle 800 Kunden eines Caterers - darunter 500 Kinder - auf den Erreger untersucht werden. Der Caterer hatte insgesamt 25 Schulen und Kindergärten beliefert sowie Essen auf Rädern für 300 Kunden angeboten. Dabei hatte er auch die Schule beliefert, in der drei Jungen Mitte Juni an Hus erkrankt waren - den Kindern gehe es inzwischen besser. Der Caterer habe jedoch keine Sprossen verarbeitet, erläuterte der Kreis Paderborn.

In der Grundschule in Altenbeken waren zunächst nur die 30 Schüler getestet worden, die am Schulessen teilnahmen. Die ersten 23 Ergebnisse zeigten, dass sich 15 weitere Schüler mit Ehec infiziert haben, allerdings ohne erkrankt zu sein, teilte der Kreis am Freitag mit.

Auch beim Koch und zwei Mitarbeitern des Caterers ist der Ehec-Erreger nachgewiesen worden. Die Schule in Altenbeken ist noch bis zum Dienstag gesperrt. Am Montag soll nach Auskunft des Kreises entschieden werden, ob die Sperrung verlängert wird.

Ehec - die wichtigsten Informationen im Überblick

wbr/dpa/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Nanu ?
systemmirror 04.07.2011
Das Ganze ohne Sprossen, ohne Gurken, ohne Bach, ohne Bockshornklee ?
2. 44 an einen Tag?
macmeinung 04.07.2011
--- Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 44 Neuinfektionen mit Ehec sowie vier neue Hus-Fälle gemeldet. --- Laut RKI sind wir auf diesem Niveau seit dem 8.6. nicht mehr ... http://www.rki.de/cln_110/nn_205760/DE/Content/InfAZ/E/EHEC/EHEC__Sachstandsbericht,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/EHEC_Sachstandsbericht.pdf Gruß an die SPON-Doku!
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