Tropenkrankheit Parasiten-Pilz soll Dengue-Fieber bekämpfen

Gegen das tropische Dengue-Fieber kann die moderne Medizin wenig ausrichten. Die Zahl der Erkrankten steigt weltweit , eine Impfung gibt es nicht. Einer Studie zufolge könnte eine parasitärer Pilz die Lösung sein. Er tötet die Mücken, die Dengue-Fieber an Menschen übertragen.

Corbis

Von Alexandra Jane Oliver


Brisbane - Seit Jahrzehnten kämpfen Mediziner gegen das tropische Dengue-Fieber - mit wenig Erfolg. Bis heute gibt es keine Impfung gegen die Virusinfektion. Mit verschiedenen Mitteln rücken Forscher den Stechmücken, die den Erreger übertragen, zu Leibe; etwa mit genetisch veränderten, sterilen Moskitomännchen. Nun kommt auch ein natürlicher Gegner der Insekten zum Einsatz: ein parasitärer Pilz.

Bis zu hundert Millionen Menschen erkranken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge jedes Jahr an Dengue-Fieber. Übertragen wird die Krankheit vor allem von ägyptischen Tigermücken. Auf tropische Länder beschränkt sich das Infektionsrisiko nicht. 2010 seien auch Menschen in Frankreich und Kroatien an Dengue-Fieber erkrankt, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. In Deutschland sind in diesem Jahr bisher 80 Fälle gemeldet worden.

Forscher hoffen, dass ein Pilz im Kampf gegen die Mücken helfen kann, die teilweise resistent gegen Insektizide geworden sind. "Beauveria bassiana" tötet Mücken und sorgt bei den überlebenden Insekten dafür, dass sie Menschen deutlich weniger stechen", schreiben australische Forscher um Jonathan Darbro im Fachmagazin "The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene".

In Freiluft-Käfigen getestet

Der Pilz kommt im Erdboden vor und befällt als Parasit verschiedene Insektenarten. Landwirte setzen ihn bereits ein, zum Beispiel zur Bekämpfung von Kirschfruchtfliegen. Die Wissenschaftler untersuchten am Queensland Institute of Medical Research in Brisbane, wie ägyptische Tigermücken auf den Parasiten reagieren. Ganz neu ist diese Idee nicht, der Pilz wurde bereits an Tigermücken getestet.

Die Forscher konnten damals aber nur beweisen, dass er Tigermücken im Labor auslöscht. Ob der Trick auch in freier Wildbahn und bei starken Temperaturschwankungen funktionieren würde, war unklar. Darbro und seine Kollegen testeten den Pilz deshalb auch in Freiluftkäfigen.

Im Labor starben 88 Prozent der Mücken an der Pilzinfektion. In den Freiluft-Käfigen war die Sterberate variabler. Hier tötete der Pilz 59 bis 95 Prozent der Tigermücken. Die Insekten, die überlebten, waren verändert: Sie legten weniger Eier und das Risiko von ihnen gestochen zu werden sank um 30 Prozent. Dass die Mücken irgendwann gegen den Pilz resistent werden, sei unwahrscheinlich, schreiben die Forscher.

"Der Pilz darf Menschen nicht gefährden"

Von der praktischen Umsetzung ist man aber noch weit entfernt. Der Grund: Wenn die Mückenausrottung klappen soll, müssen Experten den Pilz in Wohngebieten anwenden. Dengue-Mücken vermehren sich dort besonders gut in Regentonnen, Pfützen, Töpfen und Tümpeln. "Man muss ausschließen, dass der Pilz für Menschen gefährlich ist", sagte Adriana Costero vom US-Institute für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) dem Wissenschaftsmagazin "The Scientist". In der Studie waren Darbro zufolge auch einige Menschen mit den Pilzsporen infiziert worden. "Diese Personen wurden aber alle erfolgreich behandelt", erklärte er.

Die wichtigste Frage sei aus seiner Sicht, wie Experten die Mücken großflächig mit dem Pilz infizieren könnten. "Man muss die richtige Stelle finden, das ist die größte Herausforderung."

Der deutsche Biologe Andreas Krüger ist skeptisch, ob sich die Mücken großflächig ausrotten lassen: "Die Studie ist zwar vielversprechend, aber das Problem ist, dass die Pilze nicht im Wasser überleben. Mückenlarven kann man hiermit also nicht töten", sagt Krüger, der für die Bundeswehr am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg arbeitet. Die Behörden müssten die erwachsenen Mücken dort aufspüren, wo sie sich aufhalten - also quasi in jeder Nische.

"Die Mückenlarven müssten getötet werden"

Dem Biologen zufolge ist die Infektion mit Pilzsporen aus diesem Grund auch schon bei der Bekämpfung von Malaria-Mücken vorerst gescheitert. Eine Alternative wäre, die Insekten auf eine bestimmte Fläche zu lotsen. "In Afrika werden so Tsetse-Fliegen auf große Stofftücher gelockt. Das Material könnte mit Pilzsporen besprüht werden, so würde sie sich anstecken", erklärt er.

Das Problem: Tsetse-Fliegen könne man mit blau-schwarzer Farbe leicht ködern. Mücken reagieren dem Experten zufolge aber eher auf Duftstoffe und sind nicht so leicht anzulocken. Sie legen grundsätzlich keine weiten Strecken zurück, weil sie in einem Wohngebiet brüten und fressen können. Sein Fazit: "Nur wenn Experten es schaffen, die Mückenlarven im Wasser zu töten, hat die Mückenbekämpfung gute Chancen auf Erfolg."

Im Rahmen der "Eliminate Dengue"-Kampagne testen australische Forscher um den Biologen Scott O'Neill derweil eine andere Methode. Sie hatten bereits 2011 Tigermücken mit sogenannten Wolbachia-Bakterien infiziert und ihre Ergebnisse im Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlicht. Das Bakterium machte die Mücken immun gegen Dengue-Fieber. Die Dengue-resistenten Insekten setzten die Wissenschaftler dann in der Natur aus.

Der Plan: Sie sollten sich mit anderen Tigermücken paaren und so unter den Insekten nach und nach eine Resistenz gegen Dengue-Fieber aufbauen. Der Versuch war erfolgreich, aber die mit Wolchachia-Bakterien infizierten Mücken starben früher. Dieses Jahr wollen die Forscher untersuchen, wie sich die mit Bakterien infizierten Mücken in Gebieten schlagen, in denen Dengue-Fieber besonders verbreitet ist. Die Versuche finden in Vietnam, Thailand, Indonesien und Brasilien statt.

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