Report: Wie häufig die Deutschen zum Arzt gehen

Bei Arztbesuchen zerfällt Deutschland in Extreme: Ein Viertel sieht den Doktor 40-mal im Jahr, ein Viertel hingegen eher selten. Auch Männer und Frauen unterscheiden sich deutlich in dieser Frage.

Viele Deutsche gehen nicht so häufig zum Arzt wie bislang angenommen - das geht aus einem Bericht des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) hervor. Es hatte die Zahl der Arztbesuche pro gesetzlich Versichertem im Jahr 2007 ermittelt.

Demnach suchten Männer im Schnitt 14-mal jährlich einen niedergelassenen Mediziner auf und Frauen 20-mal, so dass sich ein Durchschnitt von 17 Arztbesuchen pro GKV-Versichertem ergibt.

Ein Viertel der Kassenmitglieder geht allerdings höchstens viermal im Jahr zum Arzt. Ein zweites Viertel kommt auf höchstens zehn Arztbesuche und ein drittes Viertel auf bis zu 22. Die 25 Prozent der Versicherten mit den meisten Arztbesuchen sehen dagegen im Schnitt 40-mal im Jahr einen niedergelassenen Arzt.

Nach Angaben des ZI nehmen damit rund 16 Prozent der Versicherten die Hälfte aller Arztkontakte in Anspruch. Chronisch Nierenkranke, Menschen, die mit einem transplantierten Organ leben, Krebspatienten und andere von einem langwierigen Leiden Betroffene fallen in diese Gruppe.

Arztbesuche im OECD-Vergleich

Die Analyse zeige, dass der Mittelwert entscheidend durch eine kleine Patientengruppe mit besonderem Versorgungsbedarf beeinflusst werde, sagte Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des ZI. "Eine isolierte Betrachtung des Mittelwertes führt somit zu einer Fehlinterpretation des Versorgungsgeschehens."

Die Bundesregierung nennt die Ergebnisse der aktuellen Analyse in der Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen. Im internationalen Vergleich liege Deutschland mit 17 Arztkontakten pro Jahr tendenziell hoch. Allerdings beruhe der Vergleich der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) auf sogenannten Behandlungsfällen. Es wurde daher nur der erste Arztbesuch innerhalb eines Quartals gezählt.

Im Jahr 2009 seien in Deutschland 8,2 Konsultationen jährlich ausgewiesen worden - der Schnitt der Mitgliedstaaten lag bei 6,5. Am häufigsten gingen dieser Erhebung zufolge die Japaner zum Arzt (im Durchschnitt 13,2 Besuche pro Jahr), am seltensten die Chilenen (1,8), berichtet die Bundesregierung.

wbr/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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1. Bemerkung:
abby_thur 19.03.2012
Ich frage mich immer, was diese Studien, Reporte oder was auch immer nutzen? Ja, manch einer geht nur 4 Mal im Jahr zum Arzt, weil er/sie lediglich die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt. Und manche müssen eben öfters, weil sie nicht das Glück haben, gesund zu sein.
2. Das Problem ist auch "Hausgemacht"
uthome 19.03.2012
Zitat von sysopdapdBei Arztbesuchen zerfällt Deutschland in Extreme: Ein Viertel sieht den Doktor 40 Mal im Jahr, ein Viertel hingegen nur selten. Auch Männer und Frauen unterscheiden sich deutlich in dieser Frage. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,822145,00.html
Als chronisch Kranker muss ich z. B. mindestens 5 - 6 mal zum Arzt damit ich meine Rezepte für die Medikamente erhalte; einfacher ist es doch gleich ein Jahresrezept oder Halbjahresrezept auszustellen solange sich die Medikamente nicht ändern.
3. .
frubi 19.03.2012
Zitat von abby_thurIch frage mich immer, was diese Studien, Reporte oder was auch immer nutzen? Ja, manch einer geht nur 4 Mal im Jahr zum Arzt, weil er/sie lediglich die Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nimmt. Und manche müssen eben öfters, weil sie nicht das Glück haben, gesund zu sein.
Ich bin nicht unbedingt gesund aber ich renne auch nicht wegen jedem Fieberbläschen zum Arzt. Es gibt so etwas, dass nennt sich Imunsystem und wenn man ein starkes Imunsystem hat, braucht man auch nicht die Hand voll Pillen kurz nach dem Aufstehen in sich reinzuwürgen. Den einzigen Arzt, den man nicht ignorieren kann, ist der Zahnarzt.
4. na dann ist ja klar
marthaimschnee 19.03.2012
warum die Praxisgebühr gar keinen Steuerungseffekt bewirkt. Die mit wenigen Arztbesuchen können meist nicht weiter runter, wie zB ich werde vom Augenarzt im 3-Monatsintervall zur Vorsorgeuntersuchung gebeten, weil ich ein akutes Glaukom-Risiko habe, und muß daher 40 Euro zusätzlich im Jahr zahlen, um die ich aber nicht rumkomme, oder eben mein Augenlicht riskiere. Wer jedoch 25 bis 40 Mal zum Arzt geht, hat genau die gleichen Zusatzkosten, es spielt für ihn keine Rolle, ob er einmal mehr oder weniger geht. Da kann mit einer Quartalsgebühr gar nichts gesteuert werden, da wird nur pauschal abkassiert.
5. Krankmeldung
old_spice 19.03.2012
Zitat von sysopdapdBei Arztbesuchen zerfällt Deutschland in Extreme: Ein Viertel sieht den Doktor 40 Mal im Jahr, ein Viertel hingegen nur selten. Auch Männer und Frauen unterscheiden sich deutlich in dieser Frage. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,822145,00.html
Wer bei einer Erkältung eine Krankmeldung braucht, muss zum Arzt. Auch Vorsorgeuntersuchungen oder arbeitsmedizinische Atteste erordern einen Arztbesuch. So komme ich schon auf 4 Arztbesuche im Jahr, ohne daß mir wirklich was fehlt.
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