Diabetes Dauer-Implantat soll Blutzucker kontrollieren

Diabetes-Patienten müssen regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel testen - mit einem Stich in den Finger. Schon länger arbeiten Forscher an einem Sensor, der die Informationen schmerzfrei und dauerhaft liefert. Jetzt sind sie ihrem Ziel einen entscheidenden Schritt weitergekommen.

dpa

Washington - Wer Diabetes hat, für den wird der Stich in den Finger zum ständigen Begleiter. Um schwere Gesundheitsschäden zu vermeiden, müssen Patienten regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel prüfen, normalerweise vier Mal am Tag. Die Prozedur ist immer gleich: Dem Pieks in den Finger folgt ein Blutstropfen. Darin lässt sich die Glukosekonzentration messen - und der Diabetiker kann gegebenenfalls die Insulinzufuhr anpassen.

Doch das Verfahren ist vielen Menschen lästig und unangenehm. Manche Patienten messen deswegen seltener als nötig - und gehen damit ein hohes Risiko ein. Mittlerweile gibt es zwar auch Glukose-Sensoren, die mehrere Tage lang unter der Haut bleiben. Die Messergebnisse können aber verfälscht werden durch die Nadeln in der Haut, die zudem nach drei bis sieben Tagen ausgetauscht werden müssen.

Abhilfe könnte ein Implantat schaffen, das den Blutzuckerspiegel dauerhaft überwacht. Forscher haben solch einen Langzeit-Glukosesensor nun bei Schweinen erfolgreich getestet. Das Gerät habe 520 Tage lang zuverlässig seine Daten drahtlos an ein Aufnahmegerät übermittelt, schreiben die Forscher um David Gough von der University of California in San Diego im Fachmagazin "Science Translational Medicine".

Das Titan-Messgerät, das entfernt an einen Eishockey-Puck erinnert, ist 1,5 Zentimeter dick, hat einen Durchmesser von 3,4 Zentimetern und wird direkt unter die Haut implantiert. Entsprechend der empfangenen Daten spritzten die Wissenschaftler den an Diabetes leidenden Schweinen dann die benötigte Insulinmenge oder stellten die externe Insulinpumpe neu ein.

Bereits in wenigen Monaten soll ein vergleichbares Messgerät in Studien mit Freiwilligen erprobt werden. "Unser Ziel ist es, den Menschen das Fingerstechen zu ersparen", sagt Gough. Die Daten könnten in Zukunft beispielsweise auch an ein Mobiltelefon gesendet werden, das besorgte Eltern nachts alarmiert, wenn der Blutzuckerspiegel ihres Kindes gefährlich niedrige Werte erreicht.

chs/ddp

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