Kontaminierte Eier: Zwei weitere Betriebe nach Dioxin-Funden gesperrt

In Nordrhein-Westfalen wurden erneut mit Dioxin kontaminierte Eier gefunden. Zwei Betriebe fielen bei Routine-Untersuchungen auf und wurden vorläufig geschlossen. Die Behörden haben die Stempelnummern der belasteten Eier veröffentlicht.

Untersuchung von Eiern im Labor: Erneuter Dioxin-Fund in NRW Zur Großansicht
dapd

Untersuchung von Eiern im Labor: Erneuter Dioxin-Fund in NRW

Düsseldorf - In Nordrhein-Westfalen sind erneut mit Dioxin kontaminierte Eier entdeckt worden. In zwei Firmen in Duisburg, die ihre Eier direkt vermarkten, seien bei amtlichen Routine-Untersuchungen Grenzwertüberschreitungen festgestellt worden, teilte das Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf am Donnerstag mit. Beide Betriebe seien gesperrt worden. Einer der Betriebe hat 120 Hennen und produziert Öko-Eier. Der andere stellt mit 150 Hennen konventionelle Eier her. Nach Angaben des Ministeriums sind die Bio-Eier mit der Stempelnummer 0-DE-0521991 versehen, die Eier des anderen Betriebs, dem AWO Ingenhammshof, sind nicht gestempelt.

Ein Zusammenhang mit den mit dioxinähnlichen polychlorierten Biphenylen (PCB) kontaminierten Eiern aus einem Öko-Hof aus dem Kreis Minden-Lübbecke sei bislang nicht festgestellt worden, hieß es. Das Ministerium hat die Stempelnummer der belasteten Bio-Eier veröffentlicht, sie lautet 0-DE-0521041.

Die Behörden in Nordrhein-Westfalen untersuchen derzeit, von welchen Herstellern dieser Öko-Hof Futtermittel bezogen hat. Analysen des gegenwärtig in dem Betrieb verwendeten Futters hatten keine erhöhten Dioxin-Werte ergeben. Allerdings stehen die Untersuchungen der zurückgestellten Futtermittelproben noch aus, die an die Hühner verfüttert worden seien. Außerdem wird untersucht, ob die Hennen das Gift über den Boden aufgenommen haben könnten.

Niedersachsen hatte am Mittwoch vorläufig Entwarnung für einen lokalen Futtermittelhersteller gegeben, der zu den Lieferanten zählt. Die Eigenkontrollen des Mischfutterherstellers hätten ergeben, dass die Dioxin-Grenzwerte nicht überschritten worden seien. Jetzt würden Proben des Futtermittelherstellers amtlich untersucht, Ergebnisse würden jedoch erst nach Ostern vorliegen.

Gefahr soll bei dem Verzehr der Dioxin-Eier nach Behörden-Angaben nicht bestehen, da eine sehr große Menge gegessen werden müsste, um eine für Menschen gefährliche Konzentration des Giftes aufzunehmen.

mbe/Reuters

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1. Mogelpackung Bio-Eier?
TLR9 05.04.2012
Wenn sich herausstellen sollte, dass das Dioxin über die Futtermittel von den Legehennen aufgenommen wurde, dann wird beim Verbraucher der Zweifel an der Kennzeichnung "Bio" geben. Eier aus Freilandhaltung sind billiger. Also wozu mehr zahlen, wenn die Produktion und Qualität die gleiche bzw. Dioxin-frei ist? In NRW ist die Produktion von Bio-Eiern vorbelastet. peta.de :: Falsches Spiel mit Bio-Eiern? (http://www.peta.de/bioeier)
2. Schon wieder
rad666 05.04.2012
Zitat von TLR9Wenn sich herausstellen sollte, dass das Dioxin über die Futtermittel von den Legehennen aufgenommen wurde, dann wird beim Verbraucher der Zweifel an der Kennzeichnung "Bio" geben. Eier aus Freilandhaltung sind billiger. Also wozu mehr zahlen, wenn die Produktion und Qualität die gleiche bzw. Dioxin-frei ist? In NRW ist die Produktion von Bio-Eiern vorbelastet. peta.de :: Falsches Spiel mit Bio-Eiern? (http://www.peta.de/bioeier)
Wollte/Sollte sich da nicht die Verbraucherschutzministerin drum kümmern? Nachdem dies schon zum wiederholten Male vorkommt sollte die Frau Verbraucherschutzministerin die Konsequenzen ziehen und zurücktreten, das haben ihre Ministerkollegen schon aus geringeren Gründen getan. Sie ist offensichtlich nicht in der Lage, Gesetze und Regeln zu erlassen, mit denen solche Gefährdungen der allgemeinen Gesundheit in Zukunft unterbunden werden.
3. Ach iwo...
Stelzi 05.04.2012
Zitat von rad666Wollte/Sollte sich da nicht die Verbraucherschutzministerin drum kümmern? Nachdem dies schon zum wiederholten Male vorkommt sollte die Frau Verbraucherschutzministerin die Konsequenzen ziehen und zurücktreten, das haben ihre Ministerkollegen schon aus geringeren Gründen getan. Sie ist offensichtlich nicht in der Lage, Gesetze und Regeln zu erlassen, mit denen solche Gefährdungen der allgemeinen Gesundheit in Zukunft unterbunden werden.
Die Ilse tut doch ihren Job gut machen - sie schützt die Industrie vor dem Verbraucher! Verbraucher-Schutz eben.
4. Selber füttern
galens 05.04.2012
Ich kaufe meine Eier bei einem Landwirt (Direktvermarkter) und der baut auch noch sein Futter selber an. Und die schmecken tatsächlich nach Eier und nicht nach Fischmehl;und seine Ferienwohnungen wurden auch noch mit drei Sternen ausgezeichnet! Qualität macht sich bezahlt! P.S.:10 Eier kosten 2,10€
5.
Anhaltiner 05.04.2012
Zitat von galensIch kaufe meine Eier bei einem Landwirt (Direktvermarkter) und der baut auch noch sein Futter selber an.
Hoffentlich nicht bei dem Direktvermarkter der heute gesperrt wurde. Ist in den 2,10 der Spritverbrauch schon mit dir oder kommt der noch oben drauf?
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Dioxine - Gefahr für Mensch und Tier
Was sind Dioxine?
Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist das als Seveso-Gift bekannt gewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Im Tierversuch kann es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.
Wie entstehen sie?
Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird das Gift bei 300 Grad und mehr gebildet und bei 900 Grad und mehr zerstört. Auch bei chemischen Produktionsverfahren mit Chlor können die Stoffe entstehen, außerdem bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen.
Welche Gefahren gehen von Dioxinen aus?
Bereits geringe Konzentrationen können gefährlich sein. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt. In Tierversuchen wurden krebserregende Wirkungen nachgewiesen.

Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Tieren und Menschen an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper - vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Ein prominentes Opfer einer Dioxin-Vergiftung ist der ukrainische Politiker Wiktor Juschtschenko. Er hat einen Dioxin-Anschlag im Jahr 2004 nur knapp überlebt. (Quelle: dpa)

Dioxin-Skandale
Dioxin-Skandale des vergangenen Jahrzehnts
Der wohl tragischste Dioxin-Skandal fand im Juli 1976 im italienischen Seveso statt. Bei einem Chemieunfall wurde hochgiftiges Dioxin freigesetzt. Zahlreiche Menschen erkrankten an Krebs, 200 an schwerer Chlorakne. In Deutschland ist ein Vorfall in diesem Ausmaß bislang nicht vorgekommen.
1999
Eine belgische Firma liefert verseuchtes Futter an Tausende Betriebe, darunter sind mehrere deutsche.
2003
Mehrere hundert Tonnen Backabfälle aus Thüringen weisen eine Dioxin-Belastung auf, die bis zu 18-mal höher ist als der zulässige Grenzwert.
2004
In Nordrhein-Westfalen werden mehrere Bauernhöfe gesperrt - wegen des Verdachts auf Dioxin im Tierfutter.
2006
Nch Belgien und den Niederlanden wird auch in Deutschland Dioxin im Tierfutter entdeckt. Betriebe in mehreren Bundesländern müssen schließen.
2010
Das Landesamt für Verbraucherschutz sperrt vorübergehend mehrere Öko-Geflügelhöfe. Belasteter Mais soll von einem niederländischen Unternehmen von Nordrhein-Westfalen aus in mehrere Bundesländer verkauft worden sein. Mehrere Supermärkte stoppen den Verkauf von Bio-Eiern.