Umstrittener Genom-Check Bluttest auf Down-Syndrom kommt später

Mit einem einfachen Bluttest können Schwangere künftig überprüfen, ob ihr ungeborenes Kind Trisomie 21 hat. Eigentlich sollte der Test noch im Juli auf den Markt kommen. Wegen offener Fragen der Behörden ist der Verkaufsstart jetzt unklar.

Embryo im Mutterleib (Illustration): Das Blut der Mutter reicht für den Genomtest aus
Corbis

Embryo im Mutterleib (Illustration): Das Blut der Mutter reicht für den Genomtest aus


Konstanz - Der sogenannte PraenaTest soll die Fruchtwasseruntersuchung auf das Down-Syndrom in Zukunft überflüssig machen. Der Test analysiert das Blut der schwangeren Frau, um ein dreifach vorhandenes Chromosom 21 beim ungeborenen Kind feststellen zu können. Eigentlich sollte der umstrittene Genomtest noch im Juli auf den Markt kommen, doch Hersteller LifeCodexx teilte am Samstag mit, der Verkaufsstart verzögere sich.

"Wir warten das abschließende Gespräch mit dem Regierungspräsidium Freiburg Anfang kommende Woche für die formale Freigabe des PraenaTests durch das Präsidium ab", teilte die Firma mit. Der Verkaufsstart werde in den August verlegt. Die Freigabe habe sich verzögert, weil das Unternehmen nachträgliche Fragen erhalten habe, die das Medizinprodukterecht beträfen. "Diese wurden nun vollständig geklärt."

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE wollte das Unternehmen nicht sagen, worum es bei den noch offenen Fragen inhaltlich geht. Der Hersteller will nach den Gesprächen mit dem Regierungspräsidium Mitte nächster Woche mitteilen, wie es mit dem Erbguttest weitergeht.

Kritiker warnen vor einer Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Ein Verbot des Bluttests auf den Chromosomen-Fehler Trisomie 21 hatte unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, gefordert. Er hält den Test für diskriminierend und illegal, dabei stützt er sich auf ein entsprechendes Rechtsgutachten: Der vorgeburtliche Test auf das Down-Syndrom sei demnach kein zulässiges Diagnosemittel nach dem Gendiagnostikgesetz, und es handele sich auch nicht um ein verkehrsfähiges Medizinprodukt. Der Test sei weder mit der Menschenwürde noch mit Artikel 3 des Grundgesetzes vereinbar, der besagt, niemand dürfe wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Hüppe fürchtet einen weiter zunehmenden Rechtfertigungsdruck auf Frauen, die ein Kind mit Trisomie 21 austragen.

Das Land Baden-Württemberg, Sitz des Herstellers und damit zuständig, wird den Test nach früheren Angaben des Sozialministeriums nicht verbieten. Dafür seien die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben. Zudem sei ja auch die Fruchtwasseruntersuchung des Erbguts zulässig. Während diese ein etwa einprozentiges Risiko für eine Fehlgeburt mit sich bringt, kommt der PraenaTest mit dem Blut der Mutter aus.

Der PraenaTest findet DNA-Abschnitte des Kindes im Blut der Mutter. Daraus können sich Hinweise auf ein drittes Chromosom 21 ergeben. Der Hersteller hatte den Test an 500 Schwangeren mit einem erhöhten Risiko für das Down-Syndrom erprobt. Die Untersuchung war von der Ethikkommission der Berliner Landesärztekammer freigegeben worden.

dba/dpa



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