EU-Bericht Europäer konsumieren mehr synthetische Drogen

Der europäische Drogenmarkt ist in Bewegung. Zwar geht der Konsum von Kokain, Heroin und Cannabis leicht zurück. Doch die EU-Drogenbehörde registriert jedes Jahr mehr neue Substanzen. Süchtige konsumieren oft viele Stoffe gleichzeitig.

Designerdrogen: Gut jede Woche entdecken die Fahnder neue Stoffe
DPA

Designerdrogen: Gut jede Woche entdecken die Fahnder neue Stoffe


Die Drogenentwickler sind dem Gesetz stets einen Schritt voraus. Denn sie brauen Substanzen zusammen, die zum Teil sogar ganz offen verkauft werden können. "In diesem Bereich schreitet die Entwicklung rasch voran, und es kommen immer neue Substanzen hinzu", heißt es im neuen Jahresbericht der EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD, der am Dienstag veröffentlicht wurde.

Das belegen auch die immer häufigeren Ausschläge des EU-Frühwarnsystems, dem die Mitgliedstaaten melden, wenn sie bislang unbekannte Drogen finden. Seit 2005 wurden insgesamt 280 neue Stoffe erfasst, jeder vierte davon allein 2012. Darunter waren besonders viele synthetische Cannabinoide, die ähnlich wie Cannabis wirken. "Sie können extrem stark sein und wurden inzwischen in praktisch allen europäischen Ländern gemeldet", schreibt die EU-Drogenbehörde. Auch in diesem Jahr tauche fast wöchentlich eine neue Substanz auf.

Wie diese Stoffe sich ausbreiten können, zeigt Mephedron. Als "Dünger" oder "Badesalz" trat die Partydroge vor wenigen Jahren erstmals in Erscheinung, mittlerweile ist sie europaweit verboten. Weil der Stoff als "nicht für den menschlichen Verzehr" deklariert war, gestaltete sich das Verbot zunächst schwierig.

Nun habe Mephedron, so die EBDD, "wahrscheinlich den Wechsel auf den illegalen Stimulanzienmarkt vollzogen und dort Popularität erlangt". In England und Wales etwa gehöre sie zu den vier am häufigsten konsumierten illegalen Drogen. Bei jungen Erwachsenen ist Mephedron dort ebenso beliebt wie Ecstasy.

Sorgen vor Kürzungen bei Ersatzprogrammen

Während der Markt für synthetische Stoffe wächst, geht der Konsum von Drogen auf Pflanzenbasis teilweise sogar leicht zurück. Bei Heroin, Kokain und Cannabis zeichne sich ein "allmählicher Rückgang" ab, heißt es im Jahresbericht. Dennoch bleiben klassische Drogen weit verbreitet. In Deutschland wird der Anteil junger Erwachsener, die im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert haben, auf 11 Prozent geschätzt, bei Kokain auf 1,8 Prozent.

Europaweit waren 2011 insgesamt 1,2 Millionen Drogenabhängige in Behandlung. Ihre Situation könnte sich destabilisieren, befürchtet die EBDD: "Wir machen uns große Sorgen um die vielen Länder, in denen die Budgets für die Bereiche Soziales und Gesundheit stark unter Druck stehen", sagt EBDD-Direktor Wolfgang Götz. Denn wenn die Ausgaben für die Behandlung von Drogenabhängigen gekürzt würden, könnten diese in alte Konsummuster zurückfallen.

Dabei haben sich auch diese Muster in den vergangenen Jahren verändert: "Der typische Drogenkonsum ist heute ein Mischkonsum", sagt Wolfgang Götz. "Die meisten Drogenkonsumenten nehmen ein bisschen von allem, mischen viele Drogen zusammen und wissen gar nicht so genau, was sie nehmen." Ein gefährlicher Trend, insbesondere für die Behandlung möglicher Komplikationen und Nebenwirkungen.

che



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insgesamt 67 Beiträge
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Seite 1
jackass 28.05.2013
1.
Spice und die ganzen "Badesalze" sind extrem verpönt. Die Leute wissen welche Gefahren von solchen Substanzen zu erwarten sind. Nur ein kleiner Teil der Szene hat das Zeug überhaupt probiert. Niemand nimmt sowas dauerhaft oder wird gar abhängig davon. Hier also bereits von Süchtigen der "neuen" Drogen zu sprechen, widerspricht der Realität.
fitzcarraldo66 28.05.2013
2.
Zitat von sysopDPADer europäische Drogenmarkt ist in Bewegung. Zwar geht der Konsum von Kokain, Heroin und Cannabis leicht zurück. Doch die EU-Drogenbehörde registriert jedes Jahr mehr neue Substanzen. Süchtige konsumieren oft viele Stoffe gleichzeitig. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/drogenbericht-europaeer-konsumieren-mehr-synthetische-drogen-a-902280.html
Niemand würde synthetische Cannbioide konsumieren wenn er sich die viel harmlosere und bessere Pflanze im Garten anbauen dürfte. Einfach die original Drogen legalisieren und das Problem mit dem viel gefährlicherem sythetischem Stoff erledigt sich von selbst.
absentcrisisx 28.05.2013
3. das kommt davon
Wenn man die originalen Pflanzen verbietet, suchen sich die Menschen halt einen Ersatz den man legal besitzen darf. Gebt doch endlich alle Drogen frei und kassiert auch noch Steuern dafür! Ca. 2 Milliarden gehen allein dem deutschen Steuerzahler so jährlich durch die Lappen und da sind die Kosten für Verfolgung und Repression noch gar nicht mit inbegriffen. Im übrigen kann man auch nur so die unter 18 Jährigen vor Drogen schützen. Ein Dealer fragt in der Regel nicht nach dem Ausweiß bevor er was verkauft. Ein lizensierter Drogenhändler hingegen würde seinen Laden und Job verlieren.
paoloDeG 28.05.2013
4. Ein gefährlicher Trend, Drogenkonsum !
Die organisierte internationale Kriminalität wächst, der islamische Terrorismus und seine Netzwerken organisierter Kriminalität wächst auch ! Die Industrie der Fabrikation von Drogen besteht aus unzählige Laboratorien ! Alle diese kriminelle organisationen ! Die Industrie des Recyclings und der schmutzigen Geldwäsche hat Hochbetrieb ! Alle diese kriminelle Organizationen finden Hilfe und Unterstützung auf allen Ebenen der Gesellschaft, Mitschuld der Finanzwelt, der politischen Macht, auf allen Staatsebenen und Stadtverwaltungen ! Die Korruption macht sie unbesiegbar! Diese Unterwerfung wird durch eine Reihe von Organisationen gebaut, das die Kette der Transaktionen einrichtet, sich auskennt, und ihre gute Abwicklung durchbringt ! Es ist die Korruption, das die Verwurzelung des Übels möglich macht ! Es ist notwendig gegen diese Acse des Bösen einen Krieg zu führen ! Wenn ich President EU wäre um das Geld wiederbekommen, damit es Ordnung, Gerechtigkeit, Zivilisation und Fortschritt herrscht ! Das ist die Einzige Lösung !
Basmoid 28.05.2013
5. Es ist bekannt ...
... dass dieser Entwicklung die sinnlose Prohibition der meisten Rauschmittel zugrunde liegt. Wenn man sich schon mit dem Thema des schädlichen Drogenmißbrauchs annimmt, sollte man das in Artikeln berücksichtigen. Alles andere ist infantil und naiv.
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