Tödliches Virus Fledermäuse lösten vermutlich Ebola-Epidemie aus

In einem hohlen Baum in Guinea haben Forscher möglicherweise die Quelle der Ebola-Epidemie entdeckt: Vermutlich übertrugen Fledermäuse das Virus auf das erste Opfer, einen zweijährigen Jungen.

Bulldoggenfledermaus (Archiv): Afrikanische Vertreter der Fledermausfamilie könnten die Ebola-Epidemie in Westafrika ausgelöst haben
Corbis

Bulldoggenfledermaus (Archiv): Afrikanische Vertreter der Fledermausfamilie könnten die Ebola-Epidemie in Westafrika ausgelöst haben


Fast 20.000 Infektionen und mehr als 7.600 Todesfälle. Der aktuelle Ebola-Ausbruch in Westafrika ist der größte jemals dokumentierte. Woher der Erreger kam, ist dennoch weitgehend unklar. Nun wollen Forscher einen plausiblen Nachweis für seine Herkunft gefunden haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit haben demnach Fledermäuse das Virus auf den Menschen übertragen und so die verheerende Epidemie ausgelöst.

Ebola befällt normalerweise Tiere. Bei intensivem Kontakt kann das Virus aber auf den Menschen überspringen. Forscher um Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut in Berlin suchten nach der Schnittstelle zwischen Mensch und Tier. Fündig wurden sie fernab des Urwaldes in der zwischen Plantagen gelegenen Ortschaft Meliandou in Guinea. Hier hatte sich zu Beginn der aktuellen Epidemie als erster Mensch ein zweijähriger Junge mit Ebola infiziert.

Entdeckung fernab der Wildnis

50 Meter vom Wohnort des Kindes entfernt entdeckten die Forscher einen hohlen Baum, in dem die Fledermausart Mops condylurus gelebt hatte. Der Baum war im März 2014 abgebrannt, doch die Forscher fanden DNA-Spuren der Fledermäuse im Boden und in der Asche. In Gesprächen mit Einheimischen stellte sich heraus, dass die Kinder des Ortes häufig in der Nähe des Baums gespielt und gejagt hatten - unter ihnen auch der zweijährige Ersterkrankte.

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Ebola: Ein Virus tötet tausende Menschen
Kinder wie Erwachsene der Region jagen Fledermäuse und Flughunde, um sie zu essen. Der intensive Kontakt zu den Fledermäusen im Baum und der Verzehr ihres Fleisches könnte also zu der Infektion und schließlich zur großflächigen Ausbreitung des Ebola-Virus in Westafrika geführt haben, berichten die Forscher im Fachmagazin "EMBO Molecular Medicine".

Die Fledermausart Mops condylurus war bereits bei vorangegangenen Ebola-Ausbrüchen in Zentralafrika als Virenreservoir diskutiert worden. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass die Tiere eine Ebolainfektion überleben und das Virus so weitertragen. Auch in der Wildnis entdeckten Forscher Tiere mit Antikörpern des Virus. Ob die Population in dem hohlen Baum Ebola hatte, lässt sich allerdings nicht mehr prüfen. Seit er abgebrannt ist, sind auch die Fledermäuse verschwunden.

Bessere Aufklärung der Bevölkerung nötig

Bei früheren Ebolaausbrüchen in Zentralafrika hatten meist größere wildlebende Tiere wie Menschenaffen oder kleine im Wald lebende Antilopen das Virus auf den Menschen übertragen. Es gibt Berichte, dass in der Vergangenheit bis zu 90 Prozent der befallenen Tierpopulationen an dem Virus starben. Jäger sammelten die Kadaver schließlich auf, aßen das Fleisch und infizierten sich.

Im aktuellen Fall ist eine solche Übertragung wohl auszuschließen: Leendertz und Kollegen entdeckten bei Untersuchungen in den beiden größten Schutzgebieten Guineas keinen einzigen Tierkadaver. Außerdem scheint sich die Zahl der Tiere nicht verändert zu haben.

Die Wissenschaftler fordern, die Bevölkerung in Westafrika besser über das Infektionsrisiko durch den Verzehr von wildem Fleisch aufzuklären. Bisherige Bemühungen in diese Richtung hätten keinen Erfolg gezeigt. Die Menschen müssten den Kontakt zu Fledermäusen und Flughunden unbedingt minimieren und sollten kein Fledermaus- oder Flughundfleisch mehr essen.

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Spiegelleserin57 30.12.2014
1. Ebola gab und wird es immer geben...
genauso wie bei uns die Tollwut. Was soll der Artikel bewirken? Panik vor den geschützten Fledermäusen? Muss man jedes greifbare Wildtier anfassen? Das sollte mal erklärt werden dass man seine Hände von unbekannten Tiere läßt, auch von Haustieren lassen sollte die man nicht kennt, von Tierärzten schon lange ein bekannter Rat. Das gilt übrigens auch hier!
tuvalu2004 30.12.2014
2. Fledermäuse sind nicht schuld an den 7600 Toten
Das hat die Weltgemeinschaft, die meint es sei ein Afrikanisches Problem, zu verantworten. Schlechte Aufklärung, Aberglaube - zu dem auch die offiziellen Religionen beitragen, schlechte medizinische Ausrüstung und Ausbildung, vor allem aber fehlende Bildung sind zu den Ursachen zu zählen. Aber vor allem das Desinteresse der westlichen Staaten. Was hätte man in den ersten Tagen nach Entdeckern des Ausbruchs nicht alles machen können, und tausende Menschen wären nicht gestorben.
vanselow 30.12.2014
3. Fleisch essen?
Ein Zweijähriger soll die Fledermäuse gejagt haben? Wohl kaum. Die Kinder haben in der Nähe des Baums mit den Fledermäusen gespielt. Der Virus kann auch über den Kot und den Urin der infizierten Tiere verbreitet werden. Der Ebola-Virus bleibt viele Stunden bis zu Tagen im Kot und Urin aktiv. Man muss das nur einmal in den Mund nehmen. Und das ist ein viel wahrscheinlicheres Szenario für einen Zweijährigen als dass dieser Fledermäuse jagt. Aber ein solches Bild passt eben nicht zu den Wilden in Afrika. Und dann wären die Wilden auch nicht mehr selbst schuld und man müsste vielleicht sogar noch helfen oder spenden. Die Spendenbereitschaft der Deutschen für Ebola ist erschreckend gering. Das war beim Tsunami vor 10 Jahren noch anders.
TS_Alien 30.12.2014
4.
Fast wie im Film "Contagion". Die Fledermaus kann nichts dafür.
Walther Kempinski 30.12.2014
5. Was jetzt?
"Im aktuellen Fall ist eine solche Übertragung jedoch auszuschließen: Leendertz und Kollegen entdeckten bei Untersuchungen in den beiden größten Schutzgebieten Guineas keinen einzigen Tierkadaver." --> Was jetzt? War es die Fledermaus oder nicht? Oder hab ich mich verlesen???
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