WHO-Prognose Experten befürchten monatelange Ebola-Epidemie

Es fehlt an Personal und Medikamenten: Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika werde noch Monate dauern, befürchtet die Weltgesundheitsorganisation. Neue Virusgebiete könnten nicht mehr versorgt werden, warnen die "Ärzte ohne Grenzen".

Bluttest auf der Suche nach Ebola-Erregern (in Sierra Leone, Juni 2014): "Mehrere Monate lang damit konfrontiert"
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Bluttest auf der Suche nach Ebola-Erregern (in Sierra Leone, Juni 2014): "Mehrere Monate lang damit konfrontiert"


Die schwere Ebola-Epidemie in Westafrika wird die internationalen Helfer nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wahrscheinlich noch lange beschäftigen. Es sei nicht eindeutig abzusehen, wie stark sich die Epidemie noch ausbreiten werde, sagte der WHO-Vertreter Keiji Fukuda zum Abschluss einer zweitägigen Konferenz in Ghanas Hauptstadt Accra. "Aber ich denke, wir werden mehrere Monate lang damit konfrontiert sein."

Auch Marie-Christine Ferir von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF; Médecins Sans Frontières) sagte, sie rechne mit mehreren Wochen bis Monaten bis zu einem Ende der Epidemie. Derzeit betroffen sind Guinea, Liberia und Sierra Leone. Die WHO hat aber vor einer "weiteren internationalen Ausbreitung" gewarnt.

"Die Epidemie greift immer weiter um sich, weil die Menschen in verschiedene Länder reisen", sagte Bart Janssens, MSF-Programmverantwortlicher in Brüssel. Seine Organisation sei beim Kampf gegen Ebola in Westafrika an ihrer "Grenze angekommen". "Derzeit hat MSF weder das Personal noch die medizinischen Hilfsmittel, um Teams in neue betroffene Regionen zu entsenden", sagt Janssens. Neue Gebiete, in denen das Virus auftritt, könnten derzeit von der Organisation nicht mehr versorgt werden.

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Ebola-Epidemie: Verharmlosung eines tödlichen Virus
MSF hat nach eigenen Angaben bisher mehr als 500 Patienten behandelt, die unter Ebola-Verdacht standen oder definitiv mit der Krankheit infiziert waren. Insgesamt 300 Mitarbeiter seien dazu im Einsatz.

Die Minister von elf afrikanischen Staaten hatten in Accra mit WHO-Vertretern und anderen Experten darüber beraten, wie das Ebola-Virus gestoppt werden kann. Das Ergebnis sind vor allem politische Willensbekundungen: Die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg solle gestärkt werden, die Ausbreitung der Krankheit besser überwacht. Die Teilnehmer sprachen sich außerdem dafür aus, Dorfvorsteher für die Krankheit zu sensibilisieren, weil ihnen oft mehr vertraut werde als Vertretern der Gesundheitsdienste.

"Viele bestreiten, dass es die Krankheit überhaupt gibt"

Mit anderen Worten: Viele Menschen in den betroffenen Gebieten wissen bis heute nichts über die Krankheit. Sie vermuten hinter dem Leiden - auch wegen weit verbreitetem Aberglauben und Voodoo-Riten - einen Fluch. Ärzten in Schutzanzügen und ausländischen Gesundheitsexperten steht man skeptisch gegenüber, weshalb deren Vorschriften häufig unbeachtet bleiben.

"Die immer weitere Ausbreitung des Virus ist zu einem großen Teil auf kulturelle Praktiken und traditionelle Überzeugungen zurückzuführen, die im Gegensatz zu allem stehen, was die Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vorsehen", hat der WHO-Afrika-Direktor Luis Gomes Sambo gewarnt.

Krankheitsfälle in Guinea, Sierra Leone und Liberia, Stand 3.7.2014: Ausbreitung über die Grenzen hinweg
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Krankheitsfälle in Guinea, Sierra Leone und Liberia, Stand 3.7.2014: Ausbreitung über die Grenzen hinweg

Eine der großen Gefahren sind die Beerdigungen der Ebola-Opfer, bei denen die Angehörigen die Toten häufig noch einmal waschen oder umarmen. Da das Virus über Körperflüssigkeiten übertragen wird, riskieren die Trauernden, sich dabei ebenfalls mit dem Erreger zu infizieren. Auch werden Verwandte, die erste Symptome aufweisen, immer wieder versteckt, um sie vor dem Zugriff der Ärzte zu schützen.

"Viele Leute bestreiten noch immer, dass es die Krankheit überhaupt gibt", sagt Katherine Mueller, die Sprecherin des Roten Kreuzes in Afrika. Deshalb würden Hilfsorganisationen in manchen Gebieten gar nicht erst zugelassen.

Ebola verläuft in bis zu 90 Prozent aller Fälle tödlich. Unter anderem verursacht das Virus Fieber und schwere innere und äußere Blutungen. Der Erreger war 1976 im damaligen Zaire erstmals beim Menschen nachgewiesen worden. Seinen Namen hat er von dem Fluss, in dessen Nähe er erstmals nachgewiesen worden war. Seit der Entdeckung gab es ab es vor allem in Ost- und Zentralafrika rund 20 mittelschwere Ausbrüche der Krankweit. Seit Jahresbeginn hatte sich Ebola nun aber auch erstmals in Westafrika ausgebreitet. Seitdem starben nach Angaben der WHO in Guinea, Liberia und Sierra Leone mindestens 467 Menschen.

Eine wirksame Behandlungsmethode nach einer Infektion gibt es nicht. Besonders schwierig wird der Kampf gegen die Krankheit durch die bis zu drei Wochen lange Inkubationszeit. In dieser Zeit sind die Betroffenen bereits infiziert, haben aber kaum Symptome. Da viele Geschäftsleute und Händler ständig zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone hin- und herreisen, konnte das Virus so erst die Grenzen übertreten.

Die Chronologie der Ebola-Epidemie in Westafrika
21. März: Ausbruch in Guinea
Guinea informiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am 21. März 2014 über einen Ausbruch im Süden des Landes. Es habe bis zu diesem Zeitpunkt 49 Krankheitsfälle und 29 Tote gegeben. Woher das Virus ursprünglich kam, ist laut dem Berliner Robert-Koch-Institut nicht abschließend geklärt. Am wahrscheinlichsten stammt es von Flughunden.
27. März
Am 27. März werden vier Erkrankungsfälle in der Hauptstadt Conakry an der Küste bestätigt. Die WHO warnt vor Reisen in die Region.
30. März: Erste Infizierte in Liberia
Es gibt die ersten Ebola-Infizierten im benachbarten Liberia. Das Land richtet eine nationale Taskforce ein in Zusammenarbeit mit der WHO, dem Internationalen Roten Kreuz und anderen Hilfsorganisationen. In Guinea ist die Zahl der Erkrankten auf 112 gestiegen, 70 Menschen sind gestorben.
April
Im April gibt es mehrere Verdachtsfälle in Sierra Leone und Mali, die aber nicht bestätigt werden. Die Zahl der Erkrankten in Guinea beträgt Ende April 224, 143 sind an der Infektion gestorben.
28. Mai: Ebola in Sierra Leone
In Sierra Leone gibt es die ersten bestätigten Ebola-Infektionen. Mehrere internationale und lokale Aktivitäten sollen die Situation unter Kontrolle bringen. Die WHO setzt ein Notfallteam vor Ort ein.
4. Juni
79 Krankheitsfälle in Sierra Leone, 328 in Guinea.
23. Juni: Die Situation ist "außer Kontrolle"
Ärzte ohne Grenzen warnt, die Situation sei außer Kontrolle. Seit Beginn der Epidemie gab es laut WHO 528 Infektionen und 337 Tote.
26. Juni
Die WHO fordert drastischere Maßnahmen und veröffentlicht aktuelle Zahlen: Seit Jahresbeginn gab es 635 Infektionen und 399 Tote.
1. Juli
759 Ebola-Kranke, 467 Tote.
2./3. Juli: WHO-Gipfel mit afrikanischen Gesundheitsministern
Sondergipfel im ghanaischen Accra mit den Gesundheitsministern aus elf Staaten.

chs/AFP/dpa



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insgesamt 88 Beiträge
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Seite 1
Tatarak 04.07.2014
1. Pr
Die Befürchtungen bringen der Pharmabranche wieder Millionenumsätze. Ich hingegen befürchte, dass die WHO ein völlig korrupter Laden ist.
frubi 04.07.2014
2. .
Zitat von sysopREUTERSEs fehlt an Personal und Medikamenten: Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika werde noch Monate dauern, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Neue Virus-Gebiete könnten nicht mehr versorgt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/ebola-epidemie-kann-laut-who-mehrere-monate-dauern-a-979149.html
Bei Ebola ist die Panik angebracht. Anders als bei der Medienkrankheit Schweinegrippe die lediglich dazu da war um den Pharmakonzernen unerwartete Einnahmen zu bescheren. Das muss dort unten wirklich eingedämmt werden.
etude 04.07.2014
3. Finger weg von Bush Meat!
Afrika ist in weiten Teilen eben immer noch der 'Schwarze Kontinent' wie vor Jahrhunderten. Aufklärung in gesundheitlichen, wirtschaftlichen und politischen Dingen ist wichtiger denn je. Das sollte man keinesfalls Anhängern von Boko Haram überlassen. Der Weg über die Stammesältesten ist m.E. ein guter Ansatz.
Katana Seiko 04.07.2014
4. When in Rome..
Die Leute versuchen, den Leuten ihre Begriffe aufzuzwingen. Man kann Ebola einfach in die Begriffe der Leute umdeuten und das Verständnis der Leute bekommen. Dann sagt eben, dass es sich bei Ebola um einen "Affen-Fluch" handelt, der durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten weitergereicht wird. So bekommt man wenigstens ein Grundverständnis, eher als "Das sind kleine Tierchen, die man nicht sieht". Eher glaubt ein Arzt an Voodoo.
canizmirli 04.07.2014
5.
Zitat von sysopREUTERSEs fehlt an Personal und Medikamenten: Der Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika werde noch Monate dauern, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Neue Virus-Gebiete könnten nicht mehr versorgt werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/ebola-epidemie-kann-laut-who-mehrere-monate-dauern-a-979149.html
Soll nun dieser Virus gezielt auf weitere Teile Afrika´s zusteuern? Und danach? Warum wird dies nicht eingedämmt mit allen mitteln? Muss es da nicht ein Interesse geben, dass dies nicht geschieht? Ist das wieder Panikmache?
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