Ebola in Westafrika Erreger mutierte während der Epidemie

Die Ebola-Epidemie in Westafrika war der mit Abstand größte Ausbruch des Virus. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun, wie sich der Erreger dabei an den Menschen angepasst hat.

Ebola-Virus unter dem Elektronenmikroskop
DPA/ NIAID

Ebola-Virus unter dem Elektronenmikroskop


Während der Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich das Virus besser an den Menschen angepasst. Zwei Studien weisen nun nach, dass sich schon Anfang 2014 - also in der Frühphase des Ausbruchs - ein Protein des Erregers so verändert hat, dass menschliche Zellen besser befallen werden konnten. Diese Ebola-Variante verursachte in den folgenden Monaten die meisten Erkrankungen, wie die beiden Forscherteams im Fachblatt "Cell" berichten.

Die Epidemie von 2013 bis Mitte 2016 gilt als der mit Abstand heftigste jemals registrierte Ebola-Ausbruch. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) infizierten sich in Guinea, Liberia und Sierra Leone mehr als 28.000 Menschen, mehr als 11.000 von ihnen starben.

"Das Ebola-Virus zirkuliert vermutlich in einem unbekannten Tierreservoir und springt nur selten auf den Menschen über", so Jeremy Luban von der University of Massachusetts in Worcester, einer der beteiligten Forscher. "Bis vor kurzem waren die Ausbrüche unter Menschen kurzlebig und das Virus hatte wenig Gelegenheit, sich genetisch an menschliche Wirte anzupassen." Das hat sich offenbar schon früh während des Ausbruchs in Westafrika geändert, wie beide Forscherteams unabhängig voneinander berichten.

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Die Gruppe um Etienne Simon-Loriere vom Pariser Institut Pasteur und Jonathan Ball von der englischen University of Nottingham verglich Genomsequenzen verschiedener Erreger aus dem Gebiet. Die Analyse lenkte die Aufmerksamkeit der Wissenschaftler auf Mutationen eines bestimmten Gens, das den Bauplan für das sogenannte Glycoprotein des Erregers enthält.

Frühe Kontrolle von Ausbrüchen wichtig

Zellversuche zeigten, dass die Mutation A82V die Fähigkeit des Erregers, sich an Zellrezeptoren von Menschen und anderen Primaten zu binden, erhöht - nicht aber bei anderen Säugetieren wie etwa Fledermäusen. Gefunden wurde die Veränderung in Proben, die vom März 2014 stammten. Zu diesem Zeitpunkt gab es den Forschern zufolge erst etwa 110 Ebola-Fälle.

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"Bemerkenswerterweise fällt die berichtete Zunahme der Virenlast im Gebiet von Conakry (Guinea) im Sommer 2014 mit der Einführung dieser Varianten aus Sierra Leone zusammen", schreibt das Team. Dieser Typ habe in den folgenden Monaten den früheren Genotyp fast ersetzt und sei bei der Mehrheit der weiteren Ebola-Fälle vorherrschend gewesen, berichtet die zweite Gruppe um Luban. Unklar ist jedoch, ob die Mutation lediglich die Ausbreitung der Viren im Organismus fördert - oder auch die Ansteckung zwischen Menschen.

Hauptsächlich verantwortlich für die rasche Ausbreitung des Virus und die lange Dauer der Epidemie seien jedoch andere Faktoren gewesen, schreiben beide Teams. Dazu zählen etwa die - im Vergleich zu Dschungelgebieten - besser ausgebauten Verkehrswege der Region und die Ankunft des Erregers in Städten. Dennoch zeigten die Studien, wie wichtig es sei, Epidemien früh zu kontrollieren, bevor sich neue Erreger auf den Menschen einstellen könnten, betonen die Forscher.

chs/dpa



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