Rechenmodell Simulation zeigt Wege zum Sieg über Ebola

Die Ebola-Seuche in Westafrika ist außer Kontrolle. Eine neue Computersimulation zeigt, wie die Epidemie eingedämmt werden könnte. Insbesondere Beerdigungen bergen die Gefahr für Neuinfektionen.

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Desinfektion von Helfern in Liberia: Warnung vor "Super-Verbreitern"
DPA

Desinfektion von Helfern in Liberia: Warnung vor "Super-Verbreitern"


Die Ebola-Seuche in Westafrika stellt Mediziner vor immense Probleme: Die Zahl der Infizierten und Toten könnte bis zum Januar auf eine halbe Million steigen. Und niemand weiß, ob die jüngst drastisch aufgestockten Hilfsprogramme ausreichen, um das tödliche Virus zu stoppen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt vier Maßnahmen - darunter eine bessere Hygiene bei Beerdigungen und eine konsequente Isolierung Infizierter. Eine aufwendige Simulation der Ebola-Ausbreitung in Liberia zeigt nun, welche Maßnahmen besonders wirksam sind.

In ihren Modellrechnungen kommen die Forscher aus den USA und Liberia zu dem Schluss, dass rituelle Beerdigungen das wohl größte Problem sind. Sie seien "Superverbreiter" ("super-spreader events"), schreiben Jan Medlock von der Oregon State University und seine Kollegen im Fachblatt "Science". Beerdigungen trügen überproportional zur Ausbreitung der tödlichen Viren bei.

In Westafrika werden Leichen vor Bestattungen oft gewaschen, von Angehörigen berührt und geküsst. Das Ebolavirus wird ausschließlich über Körperflüssigkeiten übertragen, und die Toten sind besonders infektiös, weil die Virenmenge in ihrem Blut hoch ist.

Reproduktionsquote entscheidet

"Es ist unumgänglich, dass die Ansteckung bei Beerdigungen gestoppt werden muss", sagt Medlock. Die von der WHO empfohlenen Maßnahmen bei diesem Ritual - eine Desinfizierung der Leichen und eine Beerdigung in einem dichten, ebenfalls desinfizierten Sack - reichten jedoch allein nicht aus. Erst die Kombination aller vier von der WHO vorgeschlagenen Maßnahmen würden zum Erfolg führen.

Nach Berechnungen von Medlock und seinen Kollegen steckt ein Infizierter in Liberia derzeit im Mittel 1,63 Menschen an. Erst wenn es gelingt, diese Reproduktionssquote unter eins zu drücken, geht die Zahl der Neuinfektionen langsam zurück.

Die vier von der WHO vorgeschlagenen und im Modell untersuchten Maßnahmen sind:

  • ein wirksamer Schutz fürs Krankenhauspersonal,
  • die Quarantäne von Kontaktpersonen Infizierter,
  • die Isolierung Infizierter,
  • hygienische Beerdigungen.

Das Modell ermöglichte den Forschern zu berechnen, wie jede der vier Maßnahmen einzeln wirkt. Stoppte man allein die Ansteckung in Krankenhäusern, sänke die sogenannte Basisreproduktionsrate von 1,63 auf 1,48. Viel zu wenig, denn die Zahl der Infizierten würde weiter exponentiell steigen.

Wenn Infektionen sowohl in Hospitälern als auch außerhalb eingedämmt würden, läge die Rate bei 1,16 - auch das reicht noch nicht. Erst eine strikte Hygiene bei Beerdigungen könnte die Rate unter den Wert von eins senken, schreiben die Forscher.

In ihren Modellrechnungen berücksichtigen sie auch, dass keine der vier Maßnahmen zu 100 Prozent umgesetzt werden kann. Eine Quote von 60 Prozent in allen vier Fällen würde jedoch reichen, um die Zahl der Neuinfektionen in Liberia binnen sechs Monaten auf weniger als fünf pro Tag zu drücken.

Dirk Brockmann vom Berliner Robert Koch-Institut hält die Analyse von Interventionen für "einen wichtigen Schritt", um Ebola in Westafrika in den Griff zu bekommen. "In dem Ansatz wird sehr genau und detailliert modelliert", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Brockmann war an der Studie nicht beteiligt, hat aber selbst Modelle für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten entwickelt, die unter anderem die Flugverbindungen weltweit berücksichtigen.

Für eine Schwäche des neuen Modells hält Brockmann die vielen dafür notwendigen Parameter, wie beispielsweise die Wahrscheinlichkeit einer Infektion im Krankenhaus. Bei diesen Parametern mussten die Forscher teils auch auf Daten eines früheren Ebola-Ausbruchs im Kongo zurückgreifen, weil aktuelle Zahlen nicht verfügbar waren. Leichte Störungen und fehlerhafte Annahmen könnten unter Umständen zu ganz anderen Ergebnissen führen, warnt Brockmann.

Der Berliner Modellierungsexperte glaubt, dass die Studie trotzdem helfen kann, "neue Richtlinien zu entwickeln und die Effektivität verschiedener Maßnahmen wirklich auch quantiativ zu vergleichen".

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

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Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

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Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

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Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

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Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

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BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

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humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

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I.S.A.R. Germany

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Misereor

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Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

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Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

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Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

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BIC: BFSWDE33BER

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SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

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Unicef

Stichwort: Ebola

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BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

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Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

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BIC: GENODEF1EK1

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kraichgau12 31.10.2014
1. ahja,supercomputer battles ebola....
so hiess es bei BBC und anderen,gleiches ergebniss was diese virtuelle show beinhaltet,sind jahrhunderte alte Quarantäne Grundregeln,die jeder mediziner einhalten sollte oder müsste isolierung(gell,auch für flotte power krankenschwestern,denen es !noch! gut geht), feuer oder massenbestattung mithilfe von jeder menge ungelöschtem kalk und ansonsten waschen,waschen waschen.... es ist in diesem fall exakt ein problem,das die rechtzeitige eingrenzung erschwert hat,und das ist das flasche rücksicht nehmen auf lokale(islamisch/afrikanische) traditionen,die es erst so richtig haben aufblühen lassen(und ich weiss,das liberia kein islamischer Staat ist,Sumoh,aber indirekt das gleiche problem) all das haette im maerz schon umgesetzt werden können,falsche rücksichtnahme war ein riesen fehler von allen beteiligten
musca 31.10.2014
2. Supercomputer...
Naja, das an Ebola verstorbene Menschen leider hochinfektiös sind und es in machen Staaten Afrikas der traditionelle Brauch ist die Verstorbenen beim Abschied noch intensiv zu berühren - braucht man dazu Supercomputer und dessen Hochrechungen und Simulation um das, diese Gefahr zu erfassen ??? Wenn ein verstorbener Mensch kein Ebola hatte war das bisher auch kein so Problem dieser Brauch in Teilen ( den ländlichen Ebola- Regionen Afrikas) die letzten intensive Berührung der Angehörigen von ihren Verstorbenen. Da es nun in Teilen Afrikas Ebola gibt sollte dieser alte Brauch der intensiven Berührung mit den Toten besser vermieden werden, auch wenn es menschlich weh tun mag, die (West) Afrikaner werden das aber mit der Zeit sicher verstehen, nur aufkären darüber sollen direkt vor Ort besser Menschen andere Menschen und nicht irgendein Computerprogramm.
kraichgau12 31.10.2014
3. medialer aktionismus..
das ganze ist nur eine weitere stand up comedian show,denn die basics der hygiene/seuchenkontrolle haben auch docs in liberia im kopf das eigentliche problem besteht darin,das seit etwa 20 jahren bei echten krisen nicht mehr getan wird,was getan werden muss,sondern, das gerne dorfchefs mal eben die helfer um die ecke bringen,wenn es gegen ihre regeln löaeuft,da die weissen die erklärungshoheit verloren haben und der dorfchef mal eben die freiwilligen helfer im dorf-pit entsorgt,wie geschehen,dann wird der rest der heroischen helfer halt vorsichtiger und stört nicht mehr bei den alten riten wenn dann die kranken nicht mehr in die kliniken kommen,sondern zuhause gepflegt werden,weil man das stigma ebola vermeiden möchte,gibt es von liberias politiker kaste erfolgsnews... wobei jedem beteiligten klar ist,das sich damit nur die naechste welle an infizierten aufbaut,die wiederum schlimmer die helferkräfte über beansprucht diese krise ist vor allem basiert auf dem westlichen versagen,seuchengesetze auch im busch zu erklären und anzuwenden
awoth 02.11.2014
4. Schlimm ist ja nicht,
dass man dazu einen Supercomputer einsetzt, was man (jedenfalls die Hauptaussage des SPON Artikels) auch auf einem Zettel herleiten könnte. Wenn das wirklich alles ist, wad in dem Originalpaper ausgesagt wird, dann ist schlimm, was mittlerweile in SCIENCE abgedruckt wird.....
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