Effizient und schnell Forscher gewinnen Stammzellen aus Fettgewebe

Der Begriff Hüftgold für überschüssiges Fett an Bauch und Hüften könnte nach Ansicht von US-Wissenschaftlern eine neue Dimension bekommen: Sie fanden heraus, dass sich Fettzellen leichter, schneller und effizienter zu Stammzellen reprogrammieren lassen als die oft benutzten Hautzellen.


Die Fettpolster des Menschen bergen einen Fundus an Zellen, die sich in eine Art embryonale Stammzellen umwandeln lassen. Forscher um Joseph Wu und Michael Longaker von der Stanford University in Palo Alto (US-Bundesstaat Kalifornien) hatten Fettzellen untersucht, die sich vier Schwergewichtige im Alter von 45 bis 60 Jahren vom Bauch hatten absaugen lassen.

Fazit der Forscher: Fettzellen sind in größeren Mengen und leichter zu gewinnen als Hautzellen. Und sie können zudem schneller, einfacher und effizienter zu sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS) reprogrammiert werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin " Proceedings of the National Academy of Sciences". "Wir haben eine große natürliche Quelle identifiziert", sagte Michael Longaker. Die abgesaugten Fettzellen bezeichnete er als "flüssiges Gold".

Die Forscher isolierten aus dem Fettgewebe zunächst adulte Stammzellen. Diese Stammzellen sind jedoch nicht pluripotent, können sich also nicht in jeden Zelltyp des Körpers verwandeln. Nach der etablierten Methode zur Reprogrammierung schleusten sie in die adulten Stammzellen vier Gene ein und erhielten die pluripotenten iPS-Zellen. Die Effizienz war 20-mal so hoch als bei der Verwendung von Hautzellen. Außerdem war die Reprogrammierung schneller abgeschlossen. Nach nur 18 Tagen erhielten die Forscher iPS-Zellen, bei Hautzellen dauert es 28 Tage. Außerdem müssen Hautzellen im Labor erst rund vier Wochen lang in Kultur vermehrt werden, um genügend Zellen für die Reprogrammierung zu erhalten. Fettzellen könnten sofort eingesetzt werden, so die Forscher.

Ein weiterer Vorteil: Die Fettzellen wuchsen in den Petrischalen ohne die typische Fütterschicht aus Mauszellen. Um Stammzellen in Kultur zu züchten, werden die Böden von Petrischalen in der Regel mit einer Schicht Mauszellen ausgekleidet. An die können sich die wachsenden Stammzellen anheften. Allerdings birgt diese Technik das Risiko der Kontamination menschlicher Zellen mit tierischem Material. Mit den Fettzellen als Quelle bieten Wu und Longaker somit die Möglichkeit, dieses Risiko zu umgehen.

Mediziner hoffen, mit Hilfe von iPS-Zellen in Zukunft verschiedene Krankheiten behandeln zu können. Aus ihnen könnten Zellen als Ersatz für verschlissenes Gewebe gezüchtet werden und damit die Grundlage für eine maßgeschneiderte Therapie bilden. Sie würden aus Körperzellen des Patienten hergestellt, hätten also das gleiche Erbgut und würden daher nicht von seinem Immunsystem abgestoßen.

lub/ddp/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.